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Mittwoch, 19. Juni 2013
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Kommentar Sport Fasten your seatbelts!

 ·  Olympia nächstes Jahr in London - das werden Spiele für Genießer, zumindest aber für Nostalgiker. Eton, Wembley, Greenwich, Wimbledon. Der Weltsport aber hat sich vom Eurozentrismus längst emanzipiert.

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Olympia nächstes Jahr in London - das werden Spiele für Genießer. Die Fußball-Finals werden im Wembley-Stadion ausgetragen. Auf dem Rasen von Wimbledon geht es um die Medaillen im Tennis. Gerudert und gepaddelt wird ganz ehrwürdig auf der Themse bei Eton. Und die Reiter ziehen ihre Hüte am Null-Meridian in Greenwich. Noch einmal wird olympisches Licht fallen auf die großartigen Sportkulissen, noch einmal werden die traditionsreichen, manchmal schon auf angenehme Weise leicht absurd gewordenen Sportarten im Zentrum stehen - und dann?

Der Weltsport verdient leider immer mehr seinen Namen. Er ist längst dabei, sich von Europa zu emanzipieren, und das ist nur fair. In London dürfen die Sport-Nostalgiker noch einmal im Eurozentrismus schwelgen, sie müssen sich noch nicht mit der chinesischen Kampfsportart Wushu auseinandersetzen, sondern können sich noch einmal einreden, manche Dinge änderten sich nie. Aber das tun sie doch. Und wer heute, kurz bevor am Mittwoch der Ein-Jahres-Countdown für London beginnt, dem deutschen Chef-Olympier Thomas Bach zuhört, der spürt, dass die Entwicklung schon weiter ist, als mancher glauben möchte.

Sogar Bach mag ein bisschen Wehmut spüren, wenn er daran denkt, dass gerade das gemütliche München im Rennen um die Olympischen Winterspiele 2018 einer Reißbrettkonstruktion in Korea unterlag. Doch wenn er sich die Medaillenspiegel der vergangenen Sommerspiele ansieht, wird er ganz realistisch. Die deutsche Mannschaft werde „voller Optimismus nach London reisen“, ließ Bach in seiner Rolle als Präsident des Deutschen Olympischen Sportbundes verbreiten und definierte sogleich das ehrgeizige Ziel: „Unseren Platz in der Weltspitze der besten Nationen erfolgreich zu verteidigen.“ Das wäre Platz fünf, wie zuletzt bei den Sommerspielen in Peking erreicht, mit sechzehn Goldmedaillen, hinter China, den Vereinigten Staaten, Russland und Großbritannien. Mehr als zuletzt dürfte kaum zu holen sein. Und das, obwohl die Redensart „Stillstand ist Rückschritt“ immer noch einem deutschen Industriellen zugeschrieben wird und nicht etwa vom Großen Vorsitzenden Mao Tse-tung stammt.

Tatsache ist: Nie haben mehr Nationen bei Olympia Medaillen gewonnen als 2008 in Peking, obwohl sich China mit 100 Medaillen einen Riesenanteil sicherte. 87 Nationen standen schließlich unter dem Strich im Medaillenspiegel - vier Jahre zuvor in Athen waren es nur 74. „Es ist weltweit niemals zuvor so viel Geld und Knowhow in den Spitzensport investiert worden“, sagte Bach. Nicht nur Asien drängt sich immer breiter ins Bild. Es geht rund auf dem Sportglobus, und den Erfindernationen bleibt nur noch eins: Anschnallen.

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Jahrgang 1958, Sportredakteurin.

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