10.03.2006 · Drei Monate vor Beginn der Weltmeisterschaft zieht Deutschland so gut wie alle Übel dieser Fußballwelt auf sich: chronischen sportlichen Mißerfolg, Ärger um den Bundestrainer und zur vorläufigen Krönung aller schlechten Neuigkeiten auch noch einen weiteren Wettskandal.
Von Roland ZornDrei Monate vor Beginn der Weltmeisterschaft zieht Deutschland so gut wie alle Übel dieser Fußballwelt auf sich: chronischen sportlichen Mißerfolg, Ärger um den Bundestrainer und zur vorläufigen Krönung aller schlechten Neuigkeiten auch noch einen weiteren Wettskandal.
Ist da noch Platz auf der Palette negativer Nachrichten? Der frühe März hat es jedenfalls in sich, und so verfestigt sich das Bild von einem Gastgeberland dieser WM, das sich auf dem Fußballplatz und an dessen trüben Rändern nicht in allerbester Verfassung präsentiert. Rund ein Jahr nach der schlimmen Affäre um den korrumpierten Schiedsrichter-Manipulator Robert Hoyzer erschüttert ein weiterer Fall von Wettbetrug eine Szene, die sich um ihre Glaubwürdigkeit aufs neue Sorgen machen muß.
Mag auch das Ausmaß dieser Schmuddelgeschichte um möglicherweise beeinflußte Regionalliga- und Zweitligaspiele nicht an die moralische Dimension des Hoyzer-Skandals heranreichen, so ist die Substanz der nach Aufklärung rufenden Taten doch gleich verwerflich.
Gaunereien
Daß der öffentliche Aufschrei diesmal weniger laut als im Januar 2005 ist, hat auch damit zu tun, daß anders als seinerzeit keine Spielleiter den Ausgang im nachhinein strittiger Partien beeinflußt zu haben scheinen. Die Autorität der höchsten neutralen Instanz auf dem Platz wird also in der jüngsten Wettbetrugsaffäre nach Lage der Dinge nicht schon wieder beschädigt. Doch auch die nun sichtbaren Gaunereien, Wettbewerbe rechtswidrig zu begleiten, sind abstoßend und geschäftsschädigend genug.
Wettbetrüger gehören, der aktuelle Blick auf Belgien macht es ebenfalls deutlich, seit längerem zum Bodensatz der illegal handelnden Fußball-Profiteure. Sie finden ihre Einlaßpforte zum Sportplatz überall da besonders leicht, wo nicht soviel Geld wie beispielsweise in der Bundesliga gezahlt wird.
Da könnte so mancher mäßig bezahlte Zweitligaprofi oder Regionalliga-Spieler schon eher schwach werden, wenn sich die Möglichkeit böte, kriminellen Wettpaten für ein paar Euro mehr zur Hand zu gehen. Korruption und Korrumpierbarkeit sind Tatbestände, die ehrlichen Zeitgenossen schon oft und keineswegs nur im Sport den Alltag vergällt haben. Der Fußball und die mit ihm zu erzielenden Wettgewinne bilden vielleicht einen besonders geeigneten Nährboden für unlautere Geschäfte vom mafios vernetzten Geschäftsmann mit Kragen und Krawatte zum Geschäftsmann im Spielertrikot.
Unangenehm
Was dabei herauskommen mag, damit haben sich, wie in der aktuellen Affäre, Staatsanwaltschaften und Deutscher Fußball-Bund (DFB) herumzuschlagen. Und wieder einmal scheint der schon im Fall Hoyzer als Krisenmanager bewährte Geschäftsführende DFB-Präsident Zwanziger eine konstruktive Rolle spielen zu können. Nur wenn sich der Verband und seine Gerichtsbarkeit im Einvernehmen mit den Staatsanwälten der Betrüger von heute so offen und offensiv wie möglich annehmen, ist der Schaden einzugrenzen.
Doch so unangenehm diese Geschichte auch ist: Den Glanz und die Aura, die von einer Fußball-Weltmeisterschaft ausstrahlen, kann eine noch so miese Wettaffäre nicht nachhaltig ramponieren. Zumal das eine mit dem anderen nun wirklich nichts zu tun hat.