31.08.2004 · Aus dem "halben Römer", wie er sich immer wieder nannte, ist aufs neue ein ganzer Römer geworden. Rudi Völler nutzt seine zweite Chance, der "Ewigen Stadt" einen vielleicht unvergeßlichen Dienst zu erweisen, und kehrt zu seiner alten Liebe AS Rom als Trainer zurück.
Von Roland ZornAus dem "halben Römer", wie er sich immer wieder nannte, ist aufs neue ein ganzer Römer geworden. Rudi Völler nutzt seine zweite Chance, der "Ewigen Stadt" einen vielleicht unvergeßlichen Dienst zu erweisen, und kehrt zu seiner alten Liebe AS Rom als Trainer zurück. Arm in Arm mit seiner römischen Frau Sabrina, auf daß sich die deutsch-italienische Romanze im Zeichen der Völlers perfekt runde. 69 Tage, nachdem der Teamchef des Deutschen Fußball-Bundes seiner bei der Europameisterschaft früh gescheiterten Nationalmannschaft Ciao sagte, ist der paneuropäisch beliebte Rudi Internazionale in den Schoß seiner römischen Fußballfamilie heimgekehrt. Es beginnt ein frisches Kapitel mit ihm in der Rolle des allseits geschätzten, bescheidenen Hauptdarstellers.
Völler ist neben Franz Beckenbauer der einzige deutsche Lebenszeitprofi, für den sich die Türen im Fußballgeschäft wie von selbst öffnen. Seinem Charme, seinem Charisma wären sie auch bei Bayer Leverkusen liebend gern ein zweites Mal erlegen. Doch in dem lange unentschiedenen Weltklasseangreifer von gestern siegte letztlich das stürmische Verlangen, es noch einmal mit dem Job auf dem Trainingsplatz zu versuchen. Bei Bayer, wo er schon Spieler, Sportdirektor und Interimscoach gewesen ist, lag für den Fußballfachmann und Konzernbotschafter der rote Teppich längst bereit; Völler aber zog das Basisgrün seiner Leidenschaft vor. Mag auch die Aufgabe bei dem wirtschaftlich angeschlagenen Spitzenklub der Serie A schwer genug sein, so überwiegt doch der Reiz, eine Mannschaft mit einem Weltstar wie Francesco Totti an der Spitze voranzubringen. Daß "Ruuudi" am 19. Oktober und 3. November auch noch die alten Freunde aus Leverkusen in den Gruppenspielen der Champions League wiedersieht, paßt zur Völlerschen Herzensreise zurück in die Zukunft.
Der liebenswerte Fußballflaneur, der einst von Hanau aus seine kleine, große Welt zu erobern begann, muß den Römern bei seinem Comeback beweisen, daß er mehr kann als das, was ihm im Blut lag: Tore schießen. Erfahrungen im Fußballehrerberuf hat er unter Extrembedingungen genug gesammelt: Sie waren ebenso positiv (zweiter Platz bei der Weltmeisterschaft 2002) wie negativ (Vorrundenaus bei der EM dieses Jahres). Bei allem Auf und Ab in seiner noch kurzen Trainerkarriere aber blieb Völler selbst seltsam unberührt von den Erfrischungen oder Zumutungen des Alltags. Diese Seite seines kraftraubenden Berufs lernt er jetzt erst richtig kennen. Da er zu den Glückskindern seines Sports zählt, ist ihm zuzutrauen, daß er die sportlichen Sehnsüchte der Tifosi erfüllt und dazu die Menschen becirct. Augenzwinkernd wird der deutsche Internationale dieser Tage Rom neu entdecken, und die Herzen werden ihm zufliegen wie einst zwischen 1987 und 1992. Halber Römer, ganzer Römer: Vor allem bleibt Rudi Völler ein ganz und gar glaubwürdiger deutscher Botschafter auf einem der attraktivsten Außenposten, die der diplomatische Dienst am europäischen Fußball zu vergeben hat.