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Kommentar Prinz Fußball

 ·  Von Michael Horeni

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Mit Namen soll man ja bekanntlich nicht spielen und auch keine Scherze treiben. Aber manchmal ist es sprachbildlich geradezu ein Jammer, diese alte journalistische Regel zu befolgen. Zum Beispiel wenn die neue "Weltfußballerin des Jahres" Prinz heißt und damit auch ein Machtwechsel einhergeht in einem Fußball-Land, in dem seit Jahrzehnten einem Kaiser gehuldigt wird, der zu Beginn seiner Regentschaft mit seiner rein männlichen Gefolgschaft den Stammtischen auch noch eine entsprechend volkstümliche Hymne schenkte: "Fußball regiert die Welt." Das liegt mehr als ein Vierteljahrhundert zurück, und man hätte damals nicht nur für Deutschland den Machtbereich präzisieren müssen: die Männerwelt.

Aber da der maskulinen Linie des Kaisers über die Jahre die Führungsfähigkeit allmählich abhanden gekommen ist, steht nun also erstmals und alleine Frau Prinz dem deutschen Fußballreich vor. Denn erst irgendwo als Nummer zwölf zwischen F (wie Figo) und K (wie Kahn) taucht auf der anderen Seite mit Ballack der beste deutsche Nachfahre mit dem Y-Chromosom auf - und der Abstand zu Z wie Zidane, dem Pendant zu Prinz, ist gewaltig. Und es wird wohl noch sehr lange dauern, bis ein deutscher Nachfolger von Lothar Matthäus wieder die internationale Fußball-Krönung erfährt.

Daß die Übernahme der Fußballmacht-Insignien - Weltfußballerin und Weltmeisterin - gerade in dieser lange Zeit männlichsten aller deutschen Welten nicht nur mit Respekt, sondern auch mit Begeisterung glückte, ist vor allem ein eindrucksvoller Beleg für gesellschaftlichen Wandel. Der trieb sogar in deutsche Fahnen eingehüllte Männer im Herbst auf den Frankfurter Römerberg, um die heimkehrenden Fußball-Weltmeisterinnen zu bejubeln; jene ausgezeichneten Vertreterinnen einer Sportart, die zu Kaisers Hochzeiten im Ansehen vielleicht mit Schlammcatchen konkurrieren konnte. Aber auch noch bis in die jüngste Vergangenheit gehörten spöttische und herablassende Bemerkungen der männlichen Kollegen zwar nicht zum guten, sehr wohl aber zum üblichen Ton.

Nun ist es natürlich ein Zufall, daß ein Prinz männlich ist und daher vom Internationalen Fußball-Verband in Zürich keine Prinzessin aus Deutschland gekürt wurde. Aber bei einer Frau Prinz sind nicht nur seit je die linguistischen Geschlechtergrenzen fließend, sondern ganz aktuell auch die sportlichen. Denn der schillernd-clevere Boß des AC Perugia hat ihr das Angebot unterbreitet, einen Vertrag beim Klub der italienischen Serie A zu unterschreiben, was sportlich ein Witz ist, natürlich - und das kann man im Spiel mit Männern wörtlich nehmen. Aber der Marketing-Gag könnte Prinz Fußball wenigstens finanziell lachen lassen, von angeblich einer Million Euro ist die Rede. Das wäre ganz folgerichtig nur der letzte Schritt, wenn nach dem Respekt und dem Jubel nun auch diejenige Form der Anerkennung für die beste Fußballspielerin der Welt hinzukäme, um die sich im männlichen Fußball ohnehin längst alles dreht.

Quelle: Frankfurter Allgemeine Zeitung, 16.12.2003, Nr. 292 / Seite 31
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