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Kommentar Paragraphenreiter

Der DLV schließt Prothesenläufer von seinen Wettkämpfen aus. Die Paragraphenreiter der deutschen Leichtathletik setzen sich mit ihrer Regelverschärfung dem Verdacht der Restauration aus.

Oscar raus! So lässt sich die Initiative der Regelhüter im Deutschen Leichtathletikverband (DLV) übersetzen, in ihrer Sportart separate Wertungen einzuführen für Athletinnen und Athleten, die mit Prothese laufen und springen, und jenen, die auf ihren eigenen zwei Beinen ans Ziel kommen. Denn diese Regel wird nicht zulassen, dass es jemals einen gibt in Deutschland wie den umjubelten Südafrikaner Oscar Pistorius, der auf zwei Federn aus Kohlefaser schnell genug rennt, um sich für das größte Sportfest der Welt zu qualifizieren. Pistorius muss auf Prothesen gehen, stehen und rennen, weil ihm als Baby die Unterschenkel amputiert wurden.

Michael Reinsch Folgen:  

Im Deutschland von 2013 dürfte er nicht einmal an Kreismeisterschaften teilnehmen, denn bei Titelkämpfen gibt es keine zwei Wertungen. Und selbst Sportfeste, bei denen paralympische Athleten starten dürfen, werden durch die geteilte Wertung diskriminierend wirken. Die Leistung der Läufer mit Prothese, der Springer mit nur einem Bein, steht dabei auf einem anderen Blatt. Das erweckt den fatalen Eindruck, dass der Athlet nicht den Nachteil eines fehlenden Körperteils überwindet. Sondern es fördert den Verdacht, dass er durch seine Prothese einen Vorteil habe.

Es geht um Respekt

Am Tag, als Pistorius bei den Spielen von London sein Olympia-Debüt gab, bezogen die Präsidenten von Deutschem Leichtathletikverband, Clemens Prokop, und vom Deutschen Behindertensport-Verband, Friedhelm-Julius Beucher, in dieser Zeitung Position. Der Start von Pistorius verstoße gegen das Prinzip, dass sportliche Leistung allein von Körper und Training, nicht aber von technischen Hilfsmitteln abhängen dürfe, schrieb der eine unter der Überschrift „Gegen die Grundidee“.

Der andere fand: „Und wenn ihm die beiden Unterschenkel amputiert sind und sich an ihrer Stelle Prothesen befinden, ist das kein unerlaubtes Hilfsmittel, sondern der Ersatz der Beine. Oscar Pistorius kann ja schlecht auf seinen Beinstümpfen laufen oder auf allen Vieren kriechen.“ Überschrift: „Es geht um Respekt“.

Verdacht der Restauration

Die Paragraphenreiter der deutschen Leichtathletik setzen sich mit ihrer Regelverschärfung nun dem Verdacht der Restauration aus. Schließlich hat Pistorius eine juristische Schlacht gewinnen müssen, bevor er um seinen Startplatz rennen durfte. Sie scheinen in die Zeit davor zurück zu wollen und geben vor, den Wettbewerb und dessen Teilnehmer zu schützen - vor einem Läufer ohne Beine, der in London im Halbfinale ausschied.

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Vor allem aber übersehen die Funktionäre die gesellschaftliche Funktion des Sports. Olympiasieger Kirani James gab das beste Beispiel für Inklusion im Sport. Er nahm, als er das Halbfinale gewonnen hatte, die Startnummer von Pistorius als Souvenir und schloss den Läufer vor 80000 begeisterten Zuschauern in die Arme: Welch eine Geste. Welch ein Vorbild.

Quelle: F.A.Z.

 
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Veröffentlicht: 19.11.2012, 17:33 Uhr

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Von Anno Hecker

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