Im Fußball mag Union Solingen nicht mehr besonders hoch im Kurs stehen, ja, der Verein mit dem altdeutschen Namen dürfte bei vielen sogar schon in Vergessenheit geraten sein. Im Internet dagegen ist der frühere Zweitligaklub dagegen plötzlich ein interessantes Gut im elektronischen Auktionshaus "Ebay" geworden. Dort, wo normalerweise unter der Rubrik Sport allenfalls Memorabilien wie Nationaltrikots, Schlauchboote Wasserski, Westernsättel oder auch Angelruten fürs Fliegenfischen angeboten werden, findet sich plötzlich dieses: "Artikelnummer 3607291744 - Marketingrechte des 1. FC Union Solingen". Startpreis: ein Euro.
Not macht erfinderisch. Deshalb werden die Rechte und erhebliche Forderungen in Höhe von 210 000 Euro gegen Union vom derzeitigen Inhaber veräußert. Ein neuer Investor soll den Fortbestand des jetzigen Oberligaklubs, der in der Niederrhein-Staffel auf eine treue und recht beachtliche Fan-Klientel bauen kann, sichern. Ob aus einem Marketing-Gag, der einen ins sportliche wie wirtschaftliche Abseits geratenen Klub wieder ins Gespräch bringt, auch ein gutes Geschäft wird, muß sich noch zeigen. Man kann am Computer zuschauen, wie von Minute zu Minute die Zahl der Interessenten und die gebotene Summe in die Höhe schnellt. Schon am frühen Dienstag nachmittag wurde die Grenze zum sechsstelligen Bereich flugs überschritten. Das könnte es dem Vereinsvorstand erleichtern, der auf den ersten Blick eher spinnerten, waghalsigen Transaktion zuzustimmen.
Warten auf den Retter
Ob bei hunderttausend und mehr Euro romantische Anhänger, die ihren Traditionsklub mit dem Ersparten retten wollen, noch im Bieter-Rennen sind? Aber unter den Stichwort "Union Solingen" gibt's ja noch mehr, selbst für das ganz schmale Portemonnaie. "3 x Demir Hotic" zum Beispiel. Nach nur zwei Geboten steht der Preis für die alten Spielerautogramme bei ein Euro fünfzig. Der Pin des Vereins ist einem Bieter doppelt soviel wert. Für Originaleintrittskarten, etwa aus der Saison 82/83 vom Heimspiel gegen den SC Freiburg, hat sich dagegen noch nicht ein einziger Fußballverrückter begeistern können.
Spontan kommt man auf die Idee, nach möglichen weiteren Ladenhütern des Fußballs, nach Notverkäufen und Occasionen Ausschau zu halten. Doch die Dienste der nicht mehr gelittenen Profis Thomas Häßler und Stefan Effenberg kann man sich ebensowenig in Internet erwerben wie die Fernsehrechte an der Fußball-Bundesliga. Einen Startplatz für die nächste WM 2006 gibt es auch noch nicht, wenngleich der Fußball-Weltverband das Turnier in Deutschland derzeit quasi verramscht. Das fehlte gerade noch, daß ein schräger Milliardär oder gelangweilter Scheich sein Lieblingsteam einkauft. Vorerst aber wartet bloß Union Solingen auf den wundersamen Retter. Vom angeblich goldenen Internet-Zeitalter sind allerdings schon ganz andere ziemlich schwer enttäuscht worden.