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Kommentar Nichtschwimmen in Moskau: WM ohne Wert

03.04.2002 ·  Nur sieben deutsche Athleten starten in Moskau. Auch internationale Stars interessiert die Kurzbahn-WM nicht. Ein Kommentar.

Von Cai Philippsen
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So sehr sich der Weltverband Fina auch müht, die 25-Meter-Bahn bleibt für die Schwimmer uninteressant. Die Weltcupserie im kleinen Becken konnte sich trotz jährlicher Reform und inzwischen attraktivem Preisgeld nie durchsetzen. Die Weltmeisterschaft in Moskau von diesem Mittwoch bis zum Sonntag markiert in diesem Jahr einen neuen Tiefpunkt.

So schickt der Deutsche Schwimm-Verband (DSV) nur sieben Athleten aus der zweiten Reihe nach Russland. Auch die internationalen Stars wie der Australier Ian Thorpe oder Lenny Krayzelburg (USA) interessiert die WM auf der nichtolympischen 25-Meter-Bahn herzlich wenig.

Lernprozess nach Sydney-Debakel

Für die Europäer ist die kontinentale Meisterschaft in diesem Sommer auf der olympischen 50-Meter-Bahn wichtiger. Deswegen haben auch die beiden niederländischen Topschwimmer Peter van den Hoogenband und Inge de Bruijn verzichtet. Auch Doppel-Weltmeisterin Hannah Stockbauer und Medienliebling Franziska van Almsick bereiten sich in der Heimat auf die EM in Berlin vor. Die Titel im kleinen Becken sind so wertlos wie die der Leichtathleten unter dem Hallendach.

Das Ausbleiben der deutschen Schwimmer ist allerdings auch Teil eines Lernprozesses nach dem Olympia-Debakel 2000 in Sydney. Damals feierte das DSV-Team im April in Athen fünf Mal Gold, sechs Mal Silber und zwei Mal Bronze. Es folgten vielversprechende nationale Titelkämpfe und schließlich die große Enttäuschung beim eigentlichen Jahreshöhepunkt Olympia: drei Mal Bronze, das schlechteste Olympiaergebnis seit 1952.

Wettkampftermine schlecht abgestimmt

Neben anderen Reformen zog der neue Cheftrainer Ralf Beckmann auch daraus seine Konsequenzen: Ein Jahreshöhepunkt reicht, die langfristige Trainingsplanung muss allein auf die Sommerspiele 2004 in Athen ausgelegt sein.

Trotz 15.000 Dollar Weltrekordprämie bleiben die besten Athleten nun also zu Hause. Die Fina ist nicht nur mit ihrem Versuch gescheitert, das Kurzbahn-Schwimmen zu etablieren, sie muss sogar erhebliche Qualitätseinbußen im kleinen Becken hinnehmen.

Im Machtkampf zwischen der Fina und dem wichtigen europäischen Verband LEN, der ein Abstimmen der Wettkampftermine offenbar unmöglich macht, konnten die Europäer in diesem Jahr die Schwimmer auf ihre Seite ziehen.

Wettkampf-Inflation gestoppt

Die Trainer aus aller Welt blicken auf die Erfolgskonzepte aus Australien und den USA. Und die beiden Schwimmnationen haben den Kurzbahnwettbewerben in den letzten Jahren nur wenig Beachtung geschenkt. Weniger ist mehr, lautet derzeit das Motto der Schwimmer, nachdem zuletzt die Leichtathleten, die von Meeting zu Meeting eilen, als Vorbild galten.

Mitten in der allgemeinen Wettkampf-Inflation im Sport, die die Verbände im Kampf um Fernsehzeiten und Werbegelder zu immer neuen so genannten Events treibt, könnte der Niedergang des Kurzbahnschwimmens eine angenehme Aufwertung der weiteren Meistertitel im Schwimmsport bedeuten.

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