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Kommentar Kochen und gucken

21.12.2005 ·  Die Bundesliga-Rechte - das wichtigste Fernsehgut dieses Landes - sind vergeben. Und es gibt neben vielen Siegern einen großen Verlierer: Premiere. Denn auf der anderen Seite des Verhandlungstisches behielt man finanzielle wie strategische Ziele im Auge.

Von Jörg Hahn
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Ende August noch ist der Abosender Premiere strahlender Gewinner gewesen - im Bieterwettstreit um die Übertragungsrechte für die Fußball-Champions League von 2006 bis 2009. Damals sah es so aus, als würde in Unterföhring an einem großen deutschen Sportsender gewerkelt. Nun ist das Baugerüst, um im Bild zu bleiben, krachend zusammengebrochen. Die Premiere AG hat den Kampf um das, man muß es wohl so sehen, wichtigste Fernsehgut dieses Landes verloren: die Live-Bilder der Fußball-Bundesliga laufen vom kommenden Sommer an woanders, beim führenden deutschen Kabelnetzbetreiber.

Es ist nicht das Ende des Senders von Georg Kofler, der so lange als Triumphator und Besserwisser aufgetreten ist, daß ihm nun kaum Mitleid bekundet werden wird. Aber es ist eine Zäsur auf dem Fernsehmarkt - und nebenbei eine immense Belastung für die Premiere-Aktie. Kofler setzte stur darauf, daß sein Höchstgebot die Vereine schon weichklopfen würde. Doch auf der anderen Seite des Verhandlungstisches behielt man finanzielle wie strategische Ziele im Auge. Man wollte dort die ARD-“Sportschau“ nicht aufgeben, was Kofler gefordert hatte.

Hut ab!

Die ARD war am Bieterwettstreit um die europäischen Fußballrechte nicht beteiligt, dafür legte sie sich in Sachen erster Liga um so mehr ins Zeug. Sie hatte neben einigen guten Argumenten und viel mehr Geld als bisher auch die Tradition für die sogenannte zeitnahe Nachverwertung auf ihrer Seite: Samstag abend nach 18 Uhr ist einfach Fußball-Fernsehzeit. Heribert Bruchhagen, Vorstandsvorsitzender von Eintracht Frankfurt, hat das am Mittwoch so formuliert: „Ich habe als Kind mit meinem Bruder immer zu Hause die Sportschau gesehen. Das war der Kristallisationspunkt unserer Familie. Mama hat gekocht, und wir haben Fußball gesehen.“

Fußball ist ein Politikum in Deutschland, das haben viele Beispiele belegt, ob es um Ticketpreise, Anstoßzeiten oder Fernsehpräsenz ging. Mit dem TV-Paket für 2006 bis 2009 hat sich die Vollversammlung der Deutschen Fußball-Liga (DFL) vor dem Hintergrund, Konflikten aus dem Weg gehen zu müssen, wohl das Maximum an Verbreitung und Rendite beschert. Hut ab!

Wachsende Ansprüche der Zuschauer

Beim in erster Linie am Bildschirm konsumierenden Fan kommt vor allem die Botschaft an, daß seine Bedürfnisse ernst genommen werden, er also weder zwangsläufig zusätzlich zur Kasse gebeten, noch seine Sehgewohnheit komplett auf den Kopf gestellt wird. Zufriedenheit herrscht auch bei den Sponsor-Partnern der 36 DFL-Klubs, die Auftritte in ARD und ZDF als unerläßlich für ihre Kalkulation dargestellt haben.

So gibt es neben einem Verlierer, Premiere, zunächst offenbar lauter Sieger. Mal sehen, ob dies auch so bleibt, wenn der neue Schlüssel für die Aufteilung der Fernsehgelder an die Klubs erstellt wird. Und noch einer Herausforderung wird sich die Liga stellen müssen, nämlich den sicherlich wachsenden Ansprüchen ihrer Zuschauer: Wer so viel Geld erlöst, muß dafür auch (erhöhte) Qualität bieten. Der neue Vertrag wird zwar nicht automatisch dazu führen, daß deutsche Teams international konkurrenzfähiger sind. Einen Wettbewerbsnachteil im europäischen Vergleich sollten sie jetzt allerdings wirklich nicht mehr beklagen.

Quelle: F.A.Z. vom 22. Dezember 2005
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Jahrgang 1961, verantwortlicher Redakteur für Sport.

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