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Kommentar In Italien tut sich was

13.12.2006 ·  Die Österreicher Martin Tauber und Michael Botwinow sind beim Skilanglauf-Weltcup in Cogne nach dem Zieleinlauf zum Verhör abgeführt worden. Jetzt ist klar, warum Thomas Bach solche Verhältnisse in Deutschland nicht wünscht. Ein Kommentar von Anno Hecker.

Von Anno Hecker
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Schnapp und weg. So schnell ging das in Italien beim Ski-Langlauf. Abgeführt von der Polizei zum Verhör, die armen Österreicher Tauber und Botwinow. Weil sie in die Doping-Affäre während der Olympischen Spiele involviert sind. Das ist nur in Italien möglich. Grande Casino!

Jetzt ist klar, warum Thomas Bach solche Verhältnisse in Deutschland nicht wünscht. Neulich, in Weimar, der Stadt der Dichter, Denker, Musiker, Maler hat der Präsident des Deutschen Olympischen Sportbundes (DOSB) für Sachlichkeit geworben. Für eine Differenzierung bei so komplexen Themen wie Doping. Schließlich ist das eine Angelegenheit von existenzieller Bedeutung für den Sport.

Bach fragte nicht. Aber wir

Jeder Delegierte der DOSB-Mitgliederversammlung sollte mit einer detaillierten Argumentation überzeugt werden von der Überzeugung des Präsidenten: Athleten, die Dopingmittel zum eigenen Gebrauch besitzen, sagt Bach, sind kein Fall für den Staatsanwalt. Nur für die Sportgerichte. Und damit das auch jeder verstand, zeigte er mit dem Finger auf das „juristische Nirwana“ in Spanien, auf das Chaos in Italien, wo die Polizei in Dopingfragen zupackt. Das war geschickt.

Denn der eloquente Jurist stellte eigentlich gar nichts fest. Er stellte nur Fragen, das heißt, er tat so, als stelle er welche: „Ich könnte fragen, in welchem juristischen Nirwana die von vielen so gepriesenen spektakulären Aktionen der spanischen Polizei versunken sind.“ Bach fragte nicht. Aber wir. Die Antwort: Die Aktionen führten zur Enttarnung eines Doping-Netzwerkes mit deutscher Beteilung.

Mühe mit dem strengen Antidoping-Gesetz

Auch mit Blick auf die Antidoping-Kämpfer in Italien hatte Deutschlands starker Sportführer eine Frage im Konjunktiv formuliert: „Ich könnte fragen, warum wir den Fehler Italiens wiederholen sollten, wenn dort die eigene Erfolglosigkeit längst eingestanden wird.“ Wir haben wirklich gefragt, per E-Mail. Antwort: „?“ Zweiter Versuch mit dem Hinweis, deutsche Nachrichtenagenturen schrieben, Doping würde künftig in Italien nicht mehr durch den Staat verfolgt, das Land schwenke (zur Freude Bachs) auf die Linie des DOSB ein. Flotte Antwort: „Das stimmt nicht. Im Gegenteil.“

Mit dem strengsten Antidoping-Gesetz der Welt haben die Italiener wohl ihre liebe Mühe. Schon die Einnahme - nicht nur der Besitz - von Dopingmitteln wird verfolgt. 120 Verfahren sind seit 2002 eingeleitet worden. Das macht Arbeit. Und rund gelaufen ist es auch nicht. Deshalb wird an einer Justierung des Gesetzes gearbeitet. Insofern hat Bach ein bißchen recht; die Italiener wollen ihr Gesetz verändern.

Allerdings bittet Alessandro Donati um eine Differenzierung: „Von einer Abschaffung kann keine Rede sein. Ich bin allerdings dafür, nur Profisportler mit dem entsprechenden wirtschaftlichen Hintergrund zu bestrafen, nicht (wie bisher) auch die Amateure.“ Donati hat einen gewissen Einblick. Er ist nicht nur ein anerkannter Doping-Enthüller in Italien, er steckt auch mittendrin im Verfahren - als Mitverfasser der Gesetzesänderung.

Quelle: F.A.Z. vom 14. Dezember 2006
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Jahrgang 1964, Sportredakteur.

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