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Kommentar Handball im Ungleichgewicht

09.07.2009 ·  Die Schere zwischen den großen Handballklubs und den „kleineren“ Vereinen ist zuletzt immer weiter aufgegangen. Nun wird Flensburg seine Stars verlieren - die Stimmung vom Arbeitsmarkt kommt jetzt auch im Handball an.

Von Frank Heike
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Sie waren jahrelang die Gewinner und wurden zu Großverdienern in einer aufstrebenden Sportart. Mit der Handball-Weltmeisterschaft 2007 begann in Deutschland die Jagd nach dem ersten Vertrag mit einer großen Eins vor dem Komma, und womöglich wäre Nikola Karabatic der erste Einkommensmillionär der Handball-Bundesliga geworden, hätten ihn andere Gründe nicht aus Kiel vertrieben.

Die Stars der Szene wie Pascal Hens, Johannes Bitter, Holger Glandorf oder Michael Kraus unterschrieben Verträge mit Monatsgehältern, die noch vor fünf Jahren undenkbar gewesen wären im Handball. In ihrem Schatten legten Vereine wie die SG Flensburg-Handewitt ihren zumeist dänischen Profis Kontrakte mit unglaublichen Steigerungen vor, die festgeschrieben wurden. Bequemer ging es kaum: von Jahr zu Jahr mehr Geld, ohne Nachverhandlungen. Die Profis und ihre Berater griffen zu. Im Rennen um Titel und Trophäen konnten plötzlich auch mittelmäßige Spieler 15.000 oder 20.000 Euro im Monat bei den Spitzenklubs verdienen.

Insolvenzen und Fastpleiten

Doch die Schere zwischen den großen Vereinen Kiel, Hamburg, Flensburg, Rhein-Neckar Löwen und Lemgo und dem Rest ging immer weiter auf. Während für die von oben immer die Sonne und im Wettbewerb alles möglich schien, hatte man sich an Insolvenzen und Fastpleiten bei den Klubs von unten wie Wilhelmshaven, Delitzsch, Eisenach, Essen, Stralsund und Nordhorn schon fast gewöhnt.

Im SC Magdeburg kam vor einem Jahr zum ersten Mal ein Großer ins Wanken. Der Ausverkauf der Spieler folgte. Jetzt hat die als solide geführt geltende SG Flensburg-Handewitt reagiert und zahlt ihren Profis 15 Prozent weniger Gehalt. Eine Folge der Wirtschaftskrise. Die Flensburger Geldgeber, Firmen jeder Größe, haben selbst Angestellte entlassen müssen. Da könne man den Handballern nicht mehr geben.

Das Ungleichgewicht als Problem

Jeder Euro ist bei den Vielbeschäftigten in der Vollkontaktsportart Handball mit bis zu hundert Spielen im Jahr im Grunde verdient. Verzicht fällt jedem schwer. Und doch haben die Flensburger Profis zugestimmt, sie mussten zustimmen: In fast allen Berufsfeldern hierzulande gibt es Nullrunden, wird das Urlaubsgeld einbehalten, unbezahlte Mehrarbeit verlangt oder sogar gekündigt. Die Stimmung auf dem hiesigen Arbeitsmarkt kommt jetzt im Handball an. Die Ligen in Dänemark, vor zwei Jahren noch als kommender deutscher Konkurrenz gefürchtet, Spanien und Kroatien kämpfen noch viel massiver mit den Auswirkungen der Krise.

Das Problem in der Bundesliga bleibt das Ungleichgewicht: Während manche Klubs kaum das Geld für ein Trainingslager aufbringen, klotzen einige große, weil sie Mäzene haben oder Transfererlöse einsetzen. Kiel, Hamburg, Kronau, sie werden sich immer weiter von Burgdorf, Balingen, Dormagen entfernen und eine auf 18 Klubs aufgeblasene Liga sinnlos erscheinen lassen. Flensburg wird seine Stars verlieren (die nach Kiel, Hamburg, Kronau gehen) und bis auf weiteres mit Magdeburg, Gummersbach und Göppingen um den weitgehend wertlosen fünften Platz kämpfen: auch keine schöne Aussicht.

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