Eine Allee ist nach ihnen benannt, die Post brachte zu ihrem Andenken eine Briefmarke heraus, in Berlin gehen junge Sportler in eine Schule, die ihren Namen trägt: die Cousins Alfred und Felix Flatow. Am Donnerstag sind sie, besser: die Erinnerungen an sie, im Alltag der Berliner Bezirke Schöneberg und Charlottenburg angekommen. An ihren letzten Wohnorten in der Stadt, in der Landshuter und in der Schlüterstraße, sind feierlich Stolpersteine mit den Namen, Geburts- und Todesdaten der Kunstturner ins Trottoir eingelassen worden.
Die beiden hatten 1896 bei den ersten Olympischen Spielen der Neuzeit in Athen mehrere Wettbewerbe gewonnen. Weniger als fünf Jahrzehnte später wurden sie im Konzentrationslager Theresienstadt ermordet, weil sie Juden waren.
Braucht es der gravierten Messingplatten, wie sie in Berlin 4500 Mal an die Namen einiger der Millionen Opfer des nationalsozialistischen Vernichtungsapparates erinnern, auch für die Flatows? Ja. Ihrer soll auch dort gedacht werden, wo sie ihren Fahrradladen und ihr Textilgeschäft hatten, wo sie nicht Helden, sondern Nachbarn waren. Die Plaketten im Pflaster erinnern daran, dass vor den Mörderbanden nicht Alter, Bescheidenheit schützten, nicht Recht und Gesetz und schon gar nicht Olympiasiege.
GEGEN DIE VERGESSLICHKEIT
Karl-Heinz Klaiber (voxpopuli)
- 17.09.2012, 14:45 Uhr