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Kommentar Fußball made in Germany: Keine Weltmarke in Korea

16.06.2002 ·  Mit dem Einzug in die Runde der letzten Acht ist eine historische Verpflichtung erfüllt und eine personelle Notlage überstanden.

Von Frank Hellmann, Seogwipo
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Tausende koreanische Kinder hatten eine Order erhalten: „Auf ins World Cup Stadium von Seogwipo“ hieß der Befehl an die Jugend vonJeju Island. Wie in Korea üblich gehorchte die junge Generation der Anweisung der Alten und füllte das Stadion zumindest zur Hälfte.

Eine WM-Auseinandersetzung zwischen Deutschland und Paraguay ist für die Erwachsenen in Korea eher zweitrangig. Auch wenn es ein WM-Achtelfinale ist. Das wirft ein bezeichnendes Licht auf den Wert des Fußballs made in Germany.

Diese Mannschaft mag vom eingeredeten Selbstvertrauen und von ihrer kollektiven Stärke überzeugt sein - die weltweite Akzeptanz muss sie sich erst mühsam zurückarbeiten. Portugal und Frankreich füllten die Stadien in Fernost wie selbstverständlich, auch wenn sie nach der Vorrunde ausschieden. Deutschland muss sich durch attraktive Darbietungen das verlorene Vertrauen erst zurückarbeiten.

Schöner Fußball schaut anders aus

Insofern spiegelt auch Deutschland den Verlauf dieses eigenartigen Turniers wider. Die Namenlosen um die Ausnahmen Klose und Kahn wollen wieder nach oben, doch die Fußball-Welt hat Mühe, sich daran zu gewöhnen. Denn die deutsche Nationalelf, die ihrer meisten kreativen Köpfe beraubt ist und im Achtelfinale spielerisch wie personell limitiert war, erfüllt ihre Aufgaben eher zweckgebunden unter Verzicht auf das spektakuläre Spiel. Die intelligenten Handwerker halten ihr Meisterstück zurück.

Seit der glanzvollen Auftakt-Darbietung unter dem Hallendach von Sapporo, dem 8:0 mit Köpfchen gegen Saudi-Arabien, ist es mit dem torreichen Angriffsfußball vorbei. Die Auserwählten von Rudi Völler vertrauen auf alte Tugenden: Disziplin und Defensive, starke Psyche und Physis sind Garanten guter Ergebnisse. Ob gegen Irland, Kamerun oder Paraguay: Guter Fußball schaut anders aus.

Der Vergleich mit 1986

Obwohl es dem früheren Stürmer Völler im Inneren graust: Äußerlich sind die Parallelen zur Weltmeisterschaft 1986 offenkundig. Damals ist Deutschland mit einer durchschnittlichen Mannschaft bis ins Finale gekommen, erinnerte der Teamchef vor diesem Turnier.

Nun tritt das Weltchampionat 2002 in seine entscheidende Phase und nicht nur das mühevolle 1:0 gegen Marokko in der Runde der letzten 16 vor 16 Jahren erinnert frappierend an das heutige qualvolle 1:0 gegen Paraguay.

Bolzen, schlagen und weghauen

Hurra, wir stolpern uns weiter. Die Ära der Rumpelfüßler liegt erst zwei Jahre und doch sind deren Hinterlassenschaften noch nicht ganz beiseite geräumt. Die erste Halbzeit gegen Paraguay glich einem technisch-taktischen Offenbarungseid.

Offen sprachen die Protagonisten später von einer Ballbehandlung, die mit den Wörtern „bolzen, schlagen oder weghauen“ beschrieben wurde. Die Besinnung auf das schlichte Spiel ist eine Tugend in der Not. Es offenbarte aber auch: Der filigrane Umgang mit dem Spielgerät muss bei der nachwachsenden Generation bedingungslos gefördert werden.

Erfolgserlebnis der überzeugenderen Art gefordert

Was die DFB-Auswahl zur Besänftigung ihrer großen Anhängerschar in der Heimat schnellstens benötigt: ein Erfolgserlebnis der überzeugenderen Art, um tatsächlich diesem Team Perspektiven für 2004 und 2006 aufzuzeigen.

Vielleicht ist auch da der Hinweis auf 1986 hilfreich: Damals stand im Viertelfinale der Gastgeber Mexiko im Weg. Nach torlosen zwei Stunden genügten Glanztaten im Elfmeterschießen, um sich im Halbfinale zu sonnen. Ein bisschen mehr darf es am kommenden Freitag in Ulsan schon sein, ganz gleich ob der Gegner Mexiko oder USA heißt. Denn der Weg zur neuen und alten Weltmarke ist weit. Erst recht in Asien.

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