Seit einigen Wochen irritiert der Streit zwischen Hannover 96 und ein paar jugendlichen Fans, die eine Fahne mit dem Porträt des Fritz Haarmann im Fanblock zeigen. Haarmann war ein Massenmörder, aber gilt mittlerweile vielen - ähnlich wie Jack the Ripper in London - als Teil der Hannoveraner Lokalfolklore.
Es mag infantil sein, auf diese Weise die Gefährlichkeit der 96-Spieler unterstreichen zu wollen. Manche mögen es geschmacklos finden. Verboten ist das Zeigen eines solchen Bildes jedenfalls nicht. Der Verein hat dennoch „wegen Besitzes und öffentlicher Präsentation einer Flagge mit gewaltverherrlichenden Inhalten“ ein Stadionverbot ausgesprochen. Es wird spannend zu beobachten sein, ob das Hausverbot der Klage eines Fans standhält.
Zeit für „Wind of Change“
Bedenklich könnte eine andere Folge der Auseinandersetzung werden: Nachdem viele Fans aus Solidarität mit den des Stadions Verbannten vorläufig ihre Unterstützung versagen, droht nun Klaus Meine, der Sänger der „Scorpions“: „Wenn einige Fans nicht singen, singe ich.“ Das könnte jedoch das ästhetische Empfinden manches Stadionbesuchers stören.
Oder muss man gar wieder Gewaltverherrlichung befürchten? Wie sind denn Scorpions-Titel wie „Virgin Killer“ oder „Hit between the Eyes“ zu verstehen? Vielleicht wäre es Zeit für einen „Wind of Change“ im Umgang mit den Fans.