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Kommentar Die Liebe zur Espressomaschine

18.07.2008 ·  Wir schauen aufs Portemonnaie und drücken die Daumen. Nationale Identifikation wird sich lohnen - für die Haushaltskasse. Unser olympisches Motto heißt „Geiz ist Gold“, und unsere Fahne hat die Farben Schwarz-Rot-Geld.

Von Jörg Hahn
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Großer Sport macht uns Konsumenten meistens richtig Spaß. Aber nicht falsch verstehen: „Konsument“ steht nicht als Synonym für Zuschauer oder gar für Fan. Was gespielt wird, ist nicht so wichtig. Ob Fußball, olympisches Ringen oder was auch immer: Wir schauen aufs Portemonnaie und drücken den Deutschen die Daumen. Unsere nationale Identifikation wird sich schließlich lohnen - für unsere Haushaltskasse.

Tore und Siege der deutschen Fußballnationalmannschaft bei der Europameisterschaft haben sich schon ausgezahlt; die neue Espressomaschine war nach dem Viertelfinale 25 Prozent billiger. Schnäppchen hier, Rabatte da, dort auch noch ein paar Prozente, und das alles aus purer Liebe der werbetreibenden Wirtschaft zum Sport.

„Gold bringt Geld“

Jetzt macht uns im Stadtbild der Slogan „Gold bringt Geld“ an. Wollen wir mal schnell rechnen, was beim Kauf des neuen Fernsehers zu sparen ist: Bei den letzten Olympischen Spielen 2004 in Athen gewann Deutschland vierzehn, 2000 in Sydney dreizehn Goldmedaillen - 130 oder 140 Euro sind ja schon nicht die Welt. Und in Peking soll eher noch weniger zu erwarten sein.

Plötzlich sehen wir den Abwärtstrend der deutschen Olympiamannschaften, den der Deutsche Olympische Sportbund beklagt, mit ganz anderen Augen. Das geht doch eisenhart gegen uns. Was für eine Minusbilanz. Gab es nicht 1992, mit der ersten deutschen Mannschaft nach der Wiedervereinigung, noch 33 Goldmedaillen (330 Euro!)?

„Geiz ist Gold“

Wie konnte es nur so bergab gehen? Und wie ist der Trend zu stoppen oder besser: umzukehren? Arbeiten Funktionäre und Trainer hart genug? Sind für Peking überhaupt die richtigen Athleten ausgewählt worden? Können wir eigentlich noch auf Leute wie die Diskuswerferin Franka Dietzsch setzen, bislang zu krank für jeden Wettkampf, aber dennoch im Team für Peking? Sind die Doping-Kontrollen hierzulande zu streng und gleichzeitig anderswo zu lasch? Als rechnender Kunde fragt man sich inzwischen schon: Sollte Doping nicht doch besser freigegeben werden?

Wenigstens gut, dass die deutschen Reiter ihre Bedenken gegen die für Pferde schädlichen Hitzespiele in Hongkong aufgegeben haben und antreten. Hätte sich die Tierschutzlobby durchgesetzt, wären sicher geglaubte Goldrabatte futsch gewesen. Die Wirtschaft macht aus uns eine unerbittlich erfolgsorientierte Sportklientel. Dabeisein ist alles? Romantischer Unsinn. Unser olympisches Motto heißt „Geiz ist Gold“, und unsere Fahne hat die Farben Schwarz-Rot-Geld.

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