14.10.2004 · Als es im Jahr 2000 auch den Ballspiel-Verein Borussia Dortmund an die Börse drängte, boomten der alte und der Neue Markt, war eine Baisse nicht in Sicht und wurden Fragen nach dem Sinn des Parkettwechsels eines Fußballklubs nur zaghaft gestellt.
Als es im Jahr 2000 auch den Ballspiel-Verein Borussia Dortmund an die Börse drängte, boomten der alte und der Neue Markt, war eine Baisse nicht in Sicht und wurden Fragen nach dem Sinn des Parkettwechsels eines Fußballklubs nur zaghaft gestellt. Als gäbe es dort nur Gewinner, drängte der BVB als erste und bisher zum Glück einzige deutsche Fußball-Kapitalgesellschaft auf ein Spielfeld, das mit "Fresh Money" noch jeden seiner Teilnehmer zu beglücken versprach. Was anfangs noch hielt, was sich die Dortmunder Bosse davon versprochen hatten, ist inzwischen zu einer Last geworden, die die Borussia zu erdrücken droht. Längst hat der FC Bayern München recht behalten, der seine solide Finanzpolitik konservativ nach dem alten Kaufmannsgesetz des ausgewogenen Gebens und Nehmens ausrichtet. Der deutsche Rekordmeister, obwohl immer wohlhabender als die einst neureichen und heute notleidenden Dortmunder, hat die Börse bis heute gemieden und gut daran getan.
Die Borussia dagegen übernahm sich mit ihrem ambitionierten Programm "Steine und Beine"; ihre Protagonisten und Geschäftsführer Gerd Niebaum und Michael Meier überforderten sich und ihre Fähigkeiten, den BVB unternehmerisch und weitsichtig in die Zukunft zu führen. Der Verein, dessen Fußballprofis von einer Kapitalgesellschaft auf Aktien viel zu hoch bezahlt wurden, ist heute wieder das, was er nie mehr sein sollte: ein Skandalklub, dem nicht zu Unrecht Geldvernichtung, Verschwendungssucht und eine fatale Hemmungslosigkeit vorgeworfen werden. Die Marke Borussia, einst von Arbeitern geprägt, ist inzwischen zu einem Begriff für Mißwirtschaft geworden, die auch durch drei deutsche Meisterschaften, einen Champions-League- und einen Weltpokaltriumph in der achtzehnjährigen Regentschaft unter Präsident Gerd Niebaum nicht mehr aufzuhellen ist.
Schlimmer noch: Inzwischen wird der Dortmunder Anwalt von seinen Gegenspielern ausgetrickst, zumal da er sich durch seinen zuletzt großzügigen Umgang mit der Wahrheit auch noch selbst zu Fall gebracht hat. Daß dieser Niebaum noch einmal aufsteht, weiterkämpft und seine gelb-schwarzen Vereinsfahnen am Ende wieder in die Gewinnzone trägt, wer außer ihm selbst mag daran noch glauben? Die Basis verprellt, den Kredit bei den Fans vermutlich aufgebraucht, die Gremien erschrocken, die Geldgeber irritiert - und dann kommt auch noch ein Großaktionär mit dem Leumund des rabiaten Spekulanten daher und mischt sich in die Vereinspolitik ein. Spätestens jetzt weiß auch der letzte Börsengläubige, in welche Abhängigkeiten ein schlecht geführtes Fußballunternehmen kommen kann, selbst wenn der Verein nach den Regeln der Deutschen Fußball Liga (DFL) die Hoheit über seine geldwerten und weniger goldrichtigen Entscheidungen behalten muß. Die Wirklichkeit heißt Florian Homm, der mit seinem Aktienpaket verständlicherweise Geld verdienen und en passant auch über die Gremien des Klubs Einfluß nehmen will.
Borussia Dortmund hoch verschuldet, Schalke 04 nicht ganz so hoch, aber ebenfalls besorgniserregend - das ist eine Situation, in der die DFL ihre Lizenzierungsregeln überarbeiten und der Faszination des schnell besorgten großen Geldes Zügel anlegen sollte. Zum Schutz des Wettbewerbs, zum Schutz der Substanz der Bundesliga.
Roland Zorn