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HERAUSGEGEBEN VON WERNER D'INKA, BERTHOLD KOHLER, GÜNTHER NONNENMACHER, FRANK SCHIRRMACHER, HOLGER STELTZNER

Kommentar Ausgemosert

16.03.2004 ·  Der Querfeldeinlauf durch die Fernsehstudios, als Comeback-Tour gedacht, endete als Abschiedstournee. An deren letzter Station, im "Blickpunkt Sport", sah Karl-Heinz Wildmoser ganz müde, ganz erschöpft, ganz mitgenommen aus.

Von Roland Zorn
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Der Querfeldeinlauf durch die Fernsehstudios, als Comeback-Tour gedacht, endete als Abschiedstournee. An deren letzter Station, im "Blickpunkt Sport" des Bayerischen Fernsehens, sah Karl-Heinz Wildmoser am Montag abend ganz müde, ganz erschöpft, ganz mitgenommen aus. Eine zwölf Jahre lange, gutsherrlich-derbe Präsidentschaft beim Fußball-Bundesligaklub TSV München 1860 ging unter dem Gejohle krakeelender Fans an der Grünwalder Straße schroff zur Neige. Doch einen würdigen Abgang von der großen Showbühne Bundesliga hatte sich Wildmoser durch seine mögliche Verwicklung in den Schmiergeldskandal rund um die neue Münchner Allianz Arena vorher schon verscherzt. Ob ihn nun sein Sohn, der inzwischen zugegebenermaßen in die verhängnisvolle Affäre verwickelt ist, reingerissen hat oder nicht: der hemdsärmlige Großgastronom hatte nach Bekanntwerden dieser anrüchigen Münchner G'schichte keine Chance mehr, König der "Löwen" zu bleiben.

Nun, da er grollend ging und böse Sätze hinterließ wie: "Wenn man zwölf Jahre lang permanent beschimpft und dumm angemacht wird, geht einem das irgendwann auf den Geist", soll auch noch einmal an den guten alten Wildmoser erinnert werden. Der massige Bilderbuch-Oberbayer führte die auf biederes Bayernliga-Niveau abgerutschten Sechziger im Verein mit seinem früheren Männerfreund Werner Lorant binnen zwei Jahren zurück in die Beletage des deutschen Fußballs. Von da an baute der mal wie ein Patriarch, mal wie ein Despot herrschende, kämpferische Münchner seine Regentschaft immer mehr zu einem Teil der Wildmoserschen Familienunternehmen aus. Schließlich stand sein Sohn Karl-Heinz, der besseren Unterscheidung wegen "Heinzi" genannt, als potentieller Nachfolger des "Alten" schon bei Fuß.

Sportlich gesehen, blieb die Bundesliga-Bilanz in einem Dutzend Jahren unter Wildmoser eher mausblau. Die "Löwen", die ihr Boß sehr zum Ärger der Hardcore-Fans des Giesinger Arbeiterklubs ins ungeliebte Olympiastadion delegiert hatte, kamen nur ganz selten über tristes Mittelmaß hinaus. Nach dem Abschied des jahrelang unverrückbaren Chefs und der Amtsenthebung seines Juniors droht der Abstieg in die zweite Liga.

Die neuen Männer, die den Verein jetzt voranbringen und ihm die verlorengegangene Seriosität an der Spitze zurückerobern sollen, haben keinerlei Erfahrung mit dem Bundesliga-Alltag. Das muß kein Nachteil sein, solange sich der "Löwen"-Sportdirektor Dirk Dufner, Trainer Falko Götz und die Mannschaft zum Wohle des Klubs professionell ins Zeug legen. Sollte tatsächlich Rolf Rüssmann als künftiger Technischer Direktor ante portas stehen, bereicherte ein weiterer Fachmann des Fußballs die Bundesliga-Crew an der Grünwalder Straße. Karl Auer, der neue Präsident, und Hans Zehetmair, der "Vize" und Präsidentenflüsterer, haben anderes, zur Zeit Wichtigeres zu tun: tête-à-tête glaubwürdig und vertrauensbildend ihren Klub hin zu mehr Transparenz und Demokratie zu führen und dazu im Verein mit dem FC Bayern das große Stadionprojekt ohne weitere Störfälle voranzutreiben. Auer und Zehetmair sind, so gesehen, nicht nur Vorständler eines Bundesligaklubs, sondern auch Botschafter Münchens in der globalen Großfamilie des Fußballs.

Quelle: Frankfurter Allgemeine Zeitung, 17.03.2004, Nr. 65 / Seite 33
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