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Kommentar Auf der Ölspur

15.08.2003 ·  Von Christian Eichler

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Und hier die erste Stellenanzeige dieser Ausgabe, ausnahmsweise schon auf Seite 28: Sie sind zwischen 18 und 33 Jahre alt, haben bereits internationale Erfahrungen gesammelt, beherrschen ein wenig Englisch und sind bereit, sich in umgerechneten Rubel bezahlen zu lassen. Tankkarte wird gestellt. Bitte schicken Sie Ihre Bewerbung an: Gouverneur R. Abramowitsch, Anadyr, Provinz Tschukotka, Rußland. Luftpost empfohlen.

Keine Angst, liebe Fußballprofis, die mögliche Arbeitsstätte liegt nicht am Ort der Postanschrift, Beringstraße, gleich gegenüber von Alaska; dort ist nur der Chef zu Hause. Sein neuestes Geschäft betreibt er woanders: Stamford Bridge, London SW 6. Wer von dieser Adresse noch keine Post hat, sollte augenblicklich aktiv werden. Dieses Wochenende geht die Arbeit los, und selbst Herr Abramowitsch kann nicht jeden Tag einkaufen gehen. Zuletzt hat er die Herren Veron (22 Millionen Euro), Cole (10 Millionen) und Mutu (23 Millionen) erworben und damit die Ausgaben seines sommerlichen Einkaufsbummels auf weit mehr als 300 Millionen Euro erhöht: 210 Millionen für die Aktienmehrheit und Schuldenübernahme beim FC Chelsea, 110 Millionen für sieben neue Spieler. Aber noch bleiben dem zweitreichsten Mann Rußlands ein paar Milliönchen übrig, allein schon aus dem Taschengeld der letztjährigen Dividende seines Öl- und Gaskonzerns Sibneft. Sie brachte ihm eine halbe Milliarde Dollar.

Der Ölpreis steigt, die Preise auf dem Fußballmarkt werden wohl folgen. Denn mancher Fußballprofi, der zuletzt das Gefühl bekommen mußte, überbezahlt, ja überflüssig zu sein, hat nun wieder verbesserte Verhandlungsbedingungen - so wie Claude Makelele, der nach einem Angebot von Chelsea erst mal die Arbeit bei Real Madrid niederlegte und mehr Gehalt forderte. Insgesamt mehr als 400 Millionen Euro soll der "FC Chelski" über die schon abgemachten Einkäufe hinaus in den vergangenen Wochen vorerst erfolglos für weitere Luxusspieler geboten haben. Darunter sind Namen wie Nesta, Davids, Vieira, Emerson, Henry, Raúl, Vieiri, aber auch ein 19 Jahre alter Spanier namens Fernando Torres, für den bei Atletico Madrid angeblich eine 40-Millionen-Euro-Offerte eingegangen ist. Schön, daß es so was noch gibt!

Beinahe hätte der in die Premier League rollende Rubel sogar den Bayern ihren Transferpoker mit Roy Makaay vermasselt, als Chelsea für den Holländer eben mal 21 Millionen Euro bot, fast zwanzig Prozent mehr als der deutsche Rekordmeister. Für den war es der größte Transfer seiner Geschichte, für Chelsea aber nur ein Klingeln mit der Portokasse. Wie gern hätten wir bei dieser Gelegenheit einmal erfahren, was der solide kalkulierende Wurstfabrikant Ulrich Hoeneß von Leuten hält, die ruckzuck vom Genossen zum Ölmilliardär wurden.

Die Quelle, aus der das frische Geld für den zuvor darbenden Transfermarkt kommt, hatte man wohl nicht auf der Rechnung. Dabei sprudelt sie immer, ob die Ökonomie strahlt oder nicht. Das amerikanische Ölkartell mag das Weiße Haus und die Weltherrschaft übernommen haben, das russische Öl fängt erst einmal kleiner an und erobert nicht gleich die Weltkugel, sondern erst mal den Fußball.

Übrigens machen nicht nur die russischen Reserven Reservisten zu Ölmillionären, auch die arabischen mischen mit. Aus den hundert Millionen Dollar, die der Sohn des Emirs von Katar seinen zehn Profiklubs spendierte, hat man frühere Stars wie Batistuta, Romario, Leboeuf an den Persischen Golf geholt und aus der Bundesliga Effenberg und Basler dazu.

Letzter Aufruf: Sie sind über 33 Jahre alt, streben mehr strategische als operative Aufgaben an (wollen lieber andere laufen lassen), beherrschen etwas Englisch und sind bereit, sich in Riyal bezahlen zu lassen. Tankkarte wird gestellt. Schicken Sie Ihre Bewerbung an: Scheich Jassim Bin Hamad, Palast, Doha, Katar.

Quelle: Frankfurter Allgemeine Zeitung, 16.08.2003, Nr. 189 / Seite 28
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