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Kommentar: Anti-Aufklärer

Doping mit Unterstützung der Freiburger Wissenschaft hat Tradition. Das Kapitel sollte geschlossen werden, ein für allemal. Dafür bedarf es der Aufarbeitung.

Freiburg, immer wieder Freiburg: Warum nur ist man skeptisch, wenn aus dem schönen Breisgau Anti-Doping-Bekenntnisse zu hören sind, mitunter ja flammende Appelle gegen die Manipulation? Darauf verstand sich schon der selige Olympiaarzt Joseph Keul: Doping? Wir doch nicht! Gleichzeitig stellten Blutpanscher und Anabolikafreunde in seiner Abteilung für Sportmedizin an der Universität deutsche Spitzensportler auf Sieg ein.

Anno Hecker Folgen:  

Das Kapitel sollte geschlossen werden, ein für allemal. Deshalb brüstet sich die Universität seit ein paar mageren Geständnissen rund um die Enttarnung des Dopingsystems der Telekom-Radler 2007 mit der Einrichtung von Aufarbeitungs-Kommissionen, mit dem unbedingten Drang des Wissenschaftlers, die Wahrheit herauszufinden. Manches kam dabei ans Tageslicht. Dass Doping an der Uni ein Werk von Einzeltätern im weißen Kitteln gewesen sein soll.

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Dass ein überführter Doper, der ehemalige Olympiaarzt Huber, nach seiner Suspendierung bald wieder mit seinem Porsche vorfuhr und nicht entlassen wurde. Dass der bis heute von Dopern geschätzte Starkmacher Testosteron, wie die Uniklinik damals zur zwischenzeitlich behauptete, ja gar keine Leistungssteigerung verursachte. Nun wirft die Evaluierungskommission dem ehemaligen Rektor in einem dicht dokumentierten Dossier vor, die Aufarbeitung behindert zu haben. Und pariert vorausgegangene Angriffe auf die Arbeitsschnelligkeit mit der, ebenfalls präzisen Antwort, auf Unterlagen Keuls zehn Monate gewartet zu haben.

Es scheint so, als hätten gewisse Kräfte in Freiburg kein großes Interesse, der Geschichte des westdeutschen Dopings auf die Spur zu kommen. Mit dieser Haltung wäre man in guter Gesellschaft. Denn die Aufarbeitung in Deutschland ist seit den sechziger Jahren ein einziger mühsamer, zermürbender, von wenigen Schultern getragener Kampf gegen Widerstände aus Sport und Politik. Sie lohnt sich trotzdem. Weil die Freilegung des Wurzelwerkes nicht nur das schiefe Bild vom ostdeutschen System- und vom westdeutschen Gelegenheits-Doping begradigt. Man kann auch die Entwicklung bis in die Gegenwart erkennen und entsprechend handeln. Die Freiburger Universität wird so einen exzellenten Dienst zur eigenen Befreiung von Altlasten nun nicht mehr leisten. Stattdessen droht mit jeder weiteren externen Enthüllung eine Verfestigung des Rufes: Freiburg, ehemalige Brutstätte des westdeutschen Dopings.

Quelle: F.A.Z.

 
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Veröffentlicht: 07.02.2013, 18:46 Uhr

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Von Michael Horeni

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