Falls Tiger Woods noch keine Pläne für den Spätsommer 2020 hat - seit ein paar Tagen kann er sich den ersten Termin dick im Kalender anstreichen. Die PGA of America gab nämlich bekannt, wo sie in 15 Jahren den Ryder Cup, den Erdteilkampf im Golf, austragen wird: an den windigen Gestaden des Lake Michigan auf einem von Hunderten von Bunkern übersäten Platz namens Whistling Straits.
Die Nachricht wirkte kurios. Lebt man nicht gerade im Sport mit und von der Maxime "Erstens kommt es anders und zweitens, als man denkt"? Gilt von jetzt an: Je mehr Vorlaufzeit, desto besser? Zumindest nicht beim Internationalen Olympischen Komitee. Der Zuschlag für 2012 wird erst im Juli erteilt - die verbleibenden sieben Jahre müssen reichen, um die Mammutveranstaltung auf die Beine zu stellen. Mit solchen Fristen sollte man doch erst recht beim Ryder Cup auskommen. Der Traditionswettbewerb, der alle zwei Jahre mal auf der einen, mal auf der anderen Seite des Atlantischen Ozeans stattfindet, ist im Vergleich zu Olympia ein gemütliches kleines Wochenend-Spektakel. Die logistischen Probleme mit maximal 40 000 Zuschauern pro Tag sind weit geringer als beim Oktoberfest. Und Überschüsse in einer Größenordnung von fünfzig Millionen Euro sind garantiert. Trotzdem steht bei den Golfern Planungssicherheit hoch im Kurs. Das muß das ferne innere Echo einer Sportart sein, in der die Uhren so langsam ticken, als ob sie noch immer auf Sandbetrieb laufen.
Die frühe Festlegung hat jedoch viele Vorteile. Unter anderem reduziert sie das hektische Gedränge der Aspiranten auf ein entspanntes Buhlen. Wer mit derartigen Zeitläufen kalkulieren kann, nimmt das Leben gewöhnlich sehr viel lockerer als etwa die Männer, die die Winterspiele nach Salt Lake City holen wollten und dies mit allerlei Bestechungsaktivitäten garnierten. Das heißt nicht, daß man in den Vereinigten Staaten und Schottland, in denen das Erbe der Sportart Golf auf gediegene Weise administriert wird, nicht flexibel wäre. Als die amerikanischen Golfer kurz nach den Terroranschlägen vom 11. September 2001 Angst vor einer Reise zum anstehenden Ryder-Cup-Termin in England hatten, wurde der Kontinentalvergleich um zwölf Monate verschoben - und findet deshalb seitdem in den geraden Jahren statt.
Im übrigen sind bis 2020 nicht alle Termine bereits vergeben. Es gibt noch eine Vakanz. Und zwar im Jahr 2018, wenn das Turnier turnusmäßig in Europa Station macht. Nachdem der Cup 1997 in Spanien ausgespielt wurde, kommen eine ganze Reihe von Aspiranten in Frage. Nicht Irland (2006 an der Reihe), nicht Wales (Ausrichter 2010) und nicht Schottland (schon für 2014 gebucht), sondern theoretisch zum Beispiel Deutschland. Als Bernhard Langer, damals Europas Ryder-Cup-Captain, beim letzten Wettbewerb in Detroit gefragt wurde, was er von einer solchen Idee halte, sagte er unumwunden seine Unterstützung zu. Aber er nannte im gleichen Atemzug die Schwierigkeiten für sein Heimatland: Vonnöten ist ein herausragender Golfplatz mit guter Verkehrs- und Hotellerieanbindung, den die Profis nicht jedes Jahr im Rahmen der European Tour abklappern. Und was vor allem gebraucht wird, sind Sponsoren, die das Interesse mit seriösen finanziellen Zusagen untermauern. So wie die Dinge liegen, sollte man sich in deutschen Golfkreisen alsbald mit dem Thema beschäftigen. 2018 scheint noch weit entfernt. Aber wenn niemand die Sache in die Hand nimmt, bekommt binnen kurzem ein anderes Land den Zuschlag.
Jürgen Kalwa