29.10.2005 · Der Rekordmeister hat die Krise bei den Rheinländern verschärft. Kölns Coach Rapolder muß mehr denn je um seinen Arbeitsplatz bangen.
Rekordmeister FC Bayern München hat die Krise beim 1. FC Köln verschärft. Nach der 1:2-Niederlage vor 50.000 am Ende maßlos enttäuschten Fans im RheinEnergieStadion muß Kölns Chefcoach Uwe Rapolder trotz einer guten Leistung seiner Profis mehr denn je um seinen Arbeitsplatz bangen.
Für den Aufsteiger war es die sechste Niederlage hintereinander. Die nur in den zweiten 45 Minuten überlegenen Münchner verteidigten mit den Treffern von Lucio (54.) und Michael Ballack (74.) ihre Spitzenposition. Ballacks fünftem Saisontreffer ging ein allerdings nicht berechtigter Eckstoß voraus, und Lucio wehrte wenig später den Ball im eigenen Strafraum mit der Hand ab. Doch der fällige Pfiff blieb aus. Matthias Scherz (28.) hatte Köln in Führung gebracht.
„Das hatte ich mir anders vorgestellt“, zog Bayern-Chefcoach Felix Magath wenig zufrieden Bilanz nach den 90 Minuten, in denen sein Team zu selten Klasse aufblitzen ließ. „Wir freuen uns über einen glücklichen Sieg.“ Rapolder wirkte trotz des 1:2 zufrieden, gab aber auch zu, „bitter enttäuscht“ zu sein: „Mit der Unterstützung des Publikums hat die Mannschaft alles gegeben, ist aber nicht belohnt worden.“ Zur Leistung von Schiedsrichter Lutz Wagner (Hofheim) merkte Rapolder mit Blick auf Lucios Handspiel an: „Das hat jeder im Stadion gesehen, nur er nicht.“
Köln mit Leidenschaft und Einsatzwillen
Die Bayern liefen in ihrer Startformation mit Spielmacher Ballack auf, der sich trotz seiner Rückenprobleme aus dem Pokalspiel in Aue fit meldete. Auch Valerien Ismael (Knieprobleme) war mit von der Partie, in der sich die Roten aus München, im Vergleich zum 1:0 im Pokal in Aue von Beginn an mit Zé Roberto und Sebastian Deisler, großer Leidenschaft und höchstem Einsatzwillen der Kölner gegenüber sahen.
Rapolders Appell an seine Spieler, gegen die Bayern um jeden Meter Boden zu fighten, fruchtete. Auch ohne Patrick Weiser, Markus Feulner (beide verletzt) sowie Imre Szabics und Carsten Cullmann (Aufbautraining) und mit fünf Neuen in der Startformation gegenüber dem 3:6 in Frankfurt, unter ihnen auch Scherz, boten die Kölner dem Favoriten fast zu jeder Zeit Paroli.
Zé Roberto vor Platzverweis
Fünf Tage vor dem Champions-League-Spiel bei Juventus Turin ließen sich die Bayern vom Aufsteiger zunächst sogar fast den Schneid abkaufen. Die Münchner hatten in den ersten 45 Minuten nur durch einen Lucio-Kopfball, den Youssef Mokhtari (15.) auf der Linie klärte, eine Großchance. 13 Minuten später nahm Scherz eine Matip-Steilvorlage auf und ließ Nationalkeeper Oliver Kahn keine Abwehrmöglichkeit. 180 Sekunden später stand Zé Roberto nach einem heftigen Gerangel mit Kölns Albert Streit vor dem Platzverweis, doch Schiedsrichter Lutz Wagner (Hofheim) beließ es für beide bei Gelb.
Nach dem Wechsel ging vom Rekordmeister wesentlich mehr Initiative aus, und schon in der 53. Minute war eigentlich der Ausgleich fällig, als Ismael aus drei Metern Entfernung nur die Latte traf. 60 Sekunden danach stand Lucio allein vor Kölns Keeper Stefan Wessels und ließ sich diese Chance nicht nehmen. Nach Ballacks 2:1 hatte Özalan Alpay elf Minuten vor dem Ende das 2:2 auf dem Kopf, doch Kahn klärte mit einer Glanzparade. Und als die Kölner in der Schlußphase Elfmeter forderten, als Patrick Helmes im Strafraum zu Fall kam, zeigte Schiedsrichter Lutz Wagner Helmes wegen einer Schwalbe zurecht die gelbe Karte.