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Klopp-Kommentar Schlecht gebrüllt

 ·  Emotionen an der Seitenlinie gehören im Fußball zwar dazu. Mit seinem Zornesausbruch gegen Neapel hat BVB-Trainer Jürgen Klopp aber eine Grenze überschritten. Respekt gewinnt er nicht, indem er ständig explodiert.

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© dpa Vergrößern Ausgerastet: BVB-Trainer Jürgen Klopp

Ein gut geschnittener Anzug ersetzt noch keine Manieren. Was im richtigen Leben gilt, lässt sich ohne weiteres auch für den Fußball sagen. Da ist es ja schon länger in Mode, sich zu besonderen Anlässen in den feinen Zwirn zu werfen. Blöd nur, wenn ausgerechnet dann Form und Inhalt auseinanderfallen. Ein tobender Trainer in Schlips und Kragen sieht einfach nicht nur unvorteilhaft aus, sondern gleich auch ein bisschen komisch.

Herrisches Gebaren

Zum Lachen war es natürlich nicht, was Jürgen Klopp am Mittwochabend in Neapel aufführte. Der Dortmunder Trainer fiel im Champions-League-Spiel beim SSC Neapel beim erstbesten Anlass so aus der Rolle, dass sämtlichen Beobachtern nichts anderes übrigblieb, als irgendwie an den nahen Vulkan zu denken – der allerdings, im Gegensatz zu Klopp, schon eine ganze Weile kein Feuer mehr gespuckt hat. Klopp, das ist in der Bundesliga bekannt, ist in Sachen Beschimpfung des vierten Offiziellen ein Wiederholungstäter. Dreimal wurde er schon auf die Tribüne geschickt, die Geldstrafen addieren sich zu einem hübschen Sümmchen. Seit Mittwochabend weiß auch Europa, dass es neben dem charmant parlierenden und einen ziemlich faszinierenden Fußball lehrenden Klopp noch einen anderen gibt: den Choleriker. Das ist sicher nicht das Bild, das die Borussia im Jahr eins nach der Saison, die sie auf dem ganzen Kontinent beliebt gemacht hat, abgeben wollte.

Zugegeben, es ist schon für zahmere Gemüter nicht immer leicht, das bisweilen herrische Gebaren der Männer an der Seitenlinie gleichmütig zu ertragen. Und selbstverständlich ist ein gewisses Maß an Emotionen die Würze, die alle am Fußball so gern mögen. In Neapel aber wirkte es eher so, als habe einer einfach seine Arbeit getan, sehr penibel zwar, aber doch auch vollauf regelkonform, und dafür aus heiterem Himmel eine ziemliche Dortmunder Dröhnung bekommen. Und so wird man bei Klopp das Gefühl nicht los, dass sich da einer einfach nicht im Griff hat. Dem die innere Kraft fehlt, Grenzüberschreitungen dieser Art vermeiden zu lernen. Oder sich sogar ein wenig über den Dingen wähnt. Vor einiger Zeit gelobte er in einem ähnlichen Fall einmal, dass es solche Bilder von ihm nie wieder geben werde – ein Versprechen, das längst gebrochen ist. In Neapel folgte dem Zornesausbruch dann wieder einmal der Auftritt des netten Jürgen, der reumütig zu seinem Fehler stand und bei allen um Entschuldigung bat. Eine Sperre aber könnte ihm dennoch blühen. Und womöglich wird sich auch die Mannschaft Gedanken machen, ob Klopp ihr, anstatt sie zu schützen, mal wieder einen Bärendienst erwiesen hat. Ein Trainer mag manchmal wie ein Vulkan sein – mit einem großen Unterschied: Respekt gewinnt er nicht, indem er ständig explodiert.

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20.09.2013, 13:01 Uhr

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