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Kirch-Pleite : Bundesliga muss um 100-Millionen-Rate bangen

  • Aktualisiert am

Was aus Premiere wird, weiß auch die Zeitung nicht. Bild: dpa

Die Pleite von KirchMedia trifft die Fußball-Bundesliga offenbar doch schneller als erwartet.

          Nach der Pleite der KirchMedia spitzen sich die Probleme für die Fußball-Bundesliga schneller als befürchtet zu. Während es bisher hieß, dass die in drei Wochen fällige nächste Rate aus dem Fernsehvertrag in Höhe von 100 Millionen Euro sicher sei, müssen die 36 Proficlubs jetzt doch um das Geld bangen.

          Es mehren sich die Anzeichen, dass die Rate nicht wie vereinbart an die Deutsche Fußball-Liga (DFL) gezahlt werden kann. Und ein neuer Käufer für die TV-Rechte, der nur annähernd so viel zahlt wie bisher, ist nirgendwo in Sicht. Alle Sender müssen sparen, und mit Fußball-Übertragungen lässt sich kein Geld verdienen.

          DFL bleibt Zuversichtlich

          Aufgeschreckt wurden die Vereine am Wochenende durch Äußerungen von Michael Jaffé, dem vorläufigen Insolvenzverwalter der KirchMedia. Jaffé „kann und will“ nach Angaben des Nachrichtenmagazins „Der Spiegel“ zu etwaigen Zahlungen momentan nichts sagen, „zumal ich selbst weiß, welch ungeheuren Sprengstoff das Thema Bundesliga-Rechte birgt“.

          Diese Äußerung weicht von allen bisherigen Versprechungen, dass die nächste Rate sicher komme, deutlich ab. Ungeachtet der Tatsache, dass KirchMedia offiziell zahlungsunfähig ist, plant die DFL weiter mit dem vereinbarten Geld. Das sagte DFL-Chef Werner Hackmann am Sonntag. „Wir gehen davon aus, dass die Rate gezahlt wird“, versicherte Hackmann.

          Zukunftskonzept bei KirchMedia offen

          Von der KirchMedia und ihrer neuen Geschäftsführung habe es bisher keine anders lautenden Signale gegeben. Der vorläufige Insolvenzverwalter will in den kommenden Tagen mit Hilfe der vier Gläubigerbanken einen so genannten Massekredit von 100 Millionen Euro aufnehmen. Doch sei das Geld ausschließlich „für das operative Geschäft“ vorgesehen, sagte Jaffé.

          Dass er dazu auch die fällige Rate zählt, scheint derzeit unwahrscheinlich. Weiter ungeklärt ist, ob die Bundesliga im Zukunftskonzept für KirchMedia überhaupt eine Rolle spielt. Dagegen spricht, dass der DFL ausdrücklich erlaubt wurde, für einen neuen TV-Vertrag Interessenten zu suchen. Und für KirchMedia ist der bis 2004 laufende Kontrakt mit ausstehenden Zahlungen von insgesamt noch rund 900 Millionen Mark ein enormer Kostenfaktor.

          Premiere müsste 350 Millionen Euro zahlen

          Die DFL, die die 36 Proficlubs der 1. und 2. Liga vertritt, steht unter Zeitdruck. Fast alle Clubs sind auf das TV-Geld angewiesen, die in den meisten Fällen mehr als 50 Prozent des Gesamtetats decken. Es gilt in TV-Kreisen als sehr unwahrscheinlich, dass ein neuer Fernsehvertrag den Vereinen so viel Geld bringt wie der nun wackelnde Kontrakt.

          Nach dpa-Informationen kosten die Free-TV-Rechte rund 125 Millionen Euro. Das restliche Geld aus dem Gesamttopf von etwas mehr als 350 Millionen Euro kommen vom hoch defizitären Pay TV-Sender Premiere, der verzweifelt gegen die eigene Insolvenz kämpft.

          Die TV-Sender ARD, ZDF und RTL haben sich bisher mehr oder weniger deutlich abweisend zu einem möglichen Kauf der Bundesliga-Rechte geäußert. Als einziger Interessent ist bisher der Münchner Filmhändler Herbert Kloiber aufgetreten. Er will am 28. April mit einem neuen Fernsehsender „Tele 5“ an den Start gehen und plant auch einen Pay TV-Kanal. Allerdings hat auch Kloiber erklärt, dass die Rechte bisher viel zu teuer waren und an Wert verloren haben.

          Quelle: dpa

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