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Mittwoch, 19. Juni 2013
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Kampf gegen Doping Schily: „Nada-Gründung ist ein großer Schritt“

 ·  Prominenz aus Politik und Sportpolitik traf sich beim Gründungsakt der Nationalen Anti-Doping-Agentur in Bonn.

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Der deutsche Sport und die deutsche Politik verbinden mit der Fundamentierung der Nationalen Anti-Doping-Agentur (Nada) große Hoffnungen im Kampf gegen Doping.

Neben dem Präsidenten des Deutschen Sportbundes (DSB), Manfred von Richthofen, NOK-Präsident Walther Tröger, der Vorsitzenden der Sportminister-Konferenz, Annegret Kramp-Karrenbauer, Bonns Oberbürgermeisterin Bärbel Dieckmann und Ulrich Haas, Vorsitzender der Anti-Doping-Kommission (ADK) des deutschen Sports, nahm auch Otto Schily am Gründungsfestakt teil.

Deutschland sei es mit der Bekämpfung des Dopings im Sport sehr ernst, sagte der Bundesinnenminister. „Mit der Gründung der Nada in Bonn kommt Deutschland im Kampf gegen das Doping einen großen Schritt voran“, meinte Schily im Alten Rathaus von Bonn.

Nada-Startkapital: 6,6 Millionen Euro

Die ehemalige Bundeshauptstadt ist auch Sitz der Agentur, die als unabhängige Stiftung ein Startkapital von 6,6 Millionen Euro hat. Hauptgeldgeber der Stiftung mit 5,1 Millionen Euro ist der Bund. Die Länder steuern eine Million Euro bei, die Stadt Bonn 380.000 Euro. Die Deutsche Telekom AG und die Deutsche Bank AG haben für die kommenden Jahre insgesamt eine weitere Million Euro zugesagt.

Dieses Engagement würdigte Schily und forderte gleichzeitig alle gesellschaftlichen und wirtschaftlichen Bereiche auf, „sich finanziell und mit ihrem Know-how in die Nada einzubringen.“ Deutschland habe stets bewiesen, „dass es im Kampf gegen Doping an vorderster Front steht, national wie international, aber das Ziel der Zukunft muss es sein, weitere Sponsoren zu finden.“

Mehr Geld gefordert

Schily hofft auch, „dass sich die Bundesländer in Zukunft stärker engagieren, die bisher für das Stiftungskapital zur Verfügung gestellte Summe nimmt sich eher bescheiden aus.“ Eine mögliche Zwangsabgabe in Form eines „Nada-Cents“, wie von der saarländischen Innenministerin Kramp-Karrenbauer in Bonn in Aussicht gestellt, lehnte Schily allerdings rigoros ab: „Ich halte nichts von Zwangsabgaben oder Sondersteuern, das müssen freiwillige Leistungen bleiben.“

Auch der DSB-Präsident spielt auf finanzielle Steigerungsmöglichkeiten an. „Wir hätten uns eine großzügigere finanzielle Basis gewünscht, denn zum seriösen Sportsponsoring gehört das offensive Anti-Doping-Engagement“, sagte Manfred von Richthofen unmissverständlich.

Die Alternative zum Kampf gegen Doping, so von Richthofen, „wäre ein Versinken im Dopingsumpf gewesen und hätte das Aus für alle verantwortungsbewussten Spitzensport-Träume bedeutet. Wenn Deutschland im internationalen Leistungsvergleich auch weiter vordere Plätze anstrebt, dann sollte ein Spitzensplatz im Kampf gegen Doping selbstverständnlich sein.“

Haas schaut neidvoll nach Italien

Laut Ulrich Haas sei der Nada bereits im Vorfeld der Gründung eine hohe Bedeutung zugekommen. Mit der Agentur schließe Deutschland zu den im Anti-Doping-Kampf führenden Nationen auf.

Haas plädierte zugleich für eine strafrechtliche Verfolgung von Doping: „Das eine oder andere Mal schaue ich sehr neidvoll nach Italien, welche Möglichkeiten dort gegeben sind, um gerade das Umfeld strafrechtlich zu belangen und damit den Sumpf auszutrocknen.“

Im Gespräch mit FAZ.NET hatte Haas betont: „Ich glaube, dass ein Diskussion über ein Anti-Doping-Gesetz geführt werden sollte.“ Neben wichtigen Nada-Aufgaben wie Ausbau der Wettkampfkontrollen, Aufklärung im Kampf gegen Doping und Schaffung eines Schiedsgerichtes unter dem Dach der Nada müsse für „internationale Vernetzung und Zertifizierung“ gesorgt werden.

ADK wird aufgelöst

Die seit 1991 bestehende ADK wird mit der Nada aufgelöst. Die ADK wird bis Ende dieses Jahres 45.000 Dopingkontrollen durchgeführt haben. Die Anzahl der Trainings- und Wettkampfkontrollen wurden auf insgesamt 7800 pro Jahr gesteiger.Bei mehr als 95 Prozent der Trainingskontrollen liegen die Ankündigungszeiten unter zwei Stunden. Die Ausgaben für die Dopingforschung stiegen auf 1,78 Millionen Euro.

Noch mehr muss es unter der Ägide der Nada werden, die von vorneheirein die Zusammenarbeit mit der Welt-Anti-Dopingagentur Wada zu forcieren gedenkt. „Ich will die intensive Kooperation von Wada und Nada“, so Schily, „denn ein erfolgreicher Kampf gegen das Doping im Hochleistungssport kann nur ein internationaler Kampf sein.“

Und Manfred von Richthofen forderte für Deutschland: „Alle Macht der Nada, damit die unterschiedlichen Zuständigkeiten im Kampf gegen Doping ein Ende haben.“

Wettkampfkontrollen zentral abwickeln

Vorsitzender der neuen Stiftung wird Peter Busse, zuletzt Stellvertretender Leiter der Berliner Gauck-Behörde. Für die Nada sind fünf hauptamtliche Kräfte vorgesehen. Neben der Organisation der Trainingstests sollen künftig auch die Wettkampfkontrollen von der Nada zentral abgewickelt werden.

Die Nada wird vorläufig allerdings nur eingeschränkt arbeitsfähig sein. Da Umbaumaßnahmen in einem früheren Gebäude der Bundesregierung in der Bonner Heuss-Allee nicht rechtzeitig abgeschlossen wurden, können die Mitarbeiter ihr neues Quartier voraussichtlich erst im Herbst 2002 beziehen. Das DSB-Präsidium lehnte es ab, dass die Nada übergangsweise in ein provisorisches Büro einzieht.

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