Es gibt also doch noch ein Ehrgefühl im Sport. Die Strategen des britischen Profi-Radteams Sky haben sich daran erinnert angesichts des Falls von Lance Armstrong. Jetzt werden sie ihren Profis unter Führung des Tour-de-France-Siegers Bradley Wiggins Ehrenerklärungen auf den Tisch knallen und ihnen gleich einen Füllfederhalter - Stil muss sein - in die Hand drücken.
Man kennt das aus Kriminalfilmen: Der Zeigefinger des Vertragspartners deutet auf die Unterschriftenzeile: hier signieren, gefälligst sofort und leserlich. Damit ein für alle Mal dokumentiert ist, dass der Unterzeichner nie gedopt hat und nie dopen wird. Kein Pedaleur soll dem Rennstall, ja der Welt da draußen, ein X für ein U vormachen. Andernfalls - Prozess am Hals. Zumindest kündigte Sky Verweigerern und Lügnern eine Entlassung an.
Hurra, hier wird durchgegriffen! Sky hält seine Idee für eine ziemlich saubere Sache. Als würden Doper im Angesicht der Ehrenerklärung von einer Wahrheitsattacke erfasst - ohne Rücksicht auf eigene Verluste. Das ist schon mal schiefgegangen. Als Trainer des DDR-Staatsdopings zu Ehrenerklärungen in der Bundesrepublik gezwungen wurden, kapierten sie, was die Stunde geschlagen hatte: Das System ging in Deckung und gab die volle Verantwortung an das Individuum weiter.