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Kamerun-Skandal belastet FIFA-Treffen

14.05.2004 ·  Der Internationale Sportgerichtshof ist gefragt

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F.A.Z. FRANKFURT. Der Schweizer Joseph Blatter und sein Faible für Afrika - diese Beziehung hat einen schweren Knacks bekommen, spätestens seit der Abzug von sechs Punkten für Kamerun in der am 4. Juni beginnenden Qualifikation zur WM 2006 von der letzten Instanz des Internationalen Fußball-Verbandes (FIFA) bestätigt worden ist. Grund für die Auseinandersetzung mit der FIFA ist, daß die Nationalmannschaft Kameruns beim Turnier um den Afrika-Cup im Januar in Tunesien mit hautengen Einteilern des Herzogenauracher Sportartikel-Herstellers "Puma" angetreten war. Diese entsprachen nicht der FIFA-Regel, wonach eine Spielkleidung unter anderem aus einem Hemd und aus einer Hose bestehen muß. Bei dem Urteil habe man die Spielstärke Kameruns berücksichtigt, hieß es aus Kreisen der Sportrichter. Das Team könne die Qualifikation trotz des Handicaps schaffen. Ein Satz, der so skandalös ist wie das gesamte Verfahren. Die einzige Möglichkeit, gegen das Urteil und den in dieser Woche zurückgewiesenen Einspruch vorzugehen, sieht Kamerun nun im Gang vor den Internationalen Sportgerichtshof (CAS) in Lausanne.

Ein solches Urteil wäre nie gefällt worden, wenn anstelle von Kamerun eine etablierte Fußball-Nation wie Deutschland oder England betroffen gewesen wäre, vermutet nicht nur der Trainer Kameruns, der Deutsche Winfried Schäfer. Durch den Punktabzug sieht Schäfer die Chancen auf eine erfolgreiche WM-Qualifikation als ausgesprochen gering an. "Man muß praktisch alles gewinnen", sagte er. In der Ausscheidung trifft Kamerun in der Gruppe drei auf Ägypten, Libyen, die Elfenbeinküste, Sudan und Benin. Es sind wohl viele Mosaiksteine, die zur harten Haltung Blatters gegen Kamerun geführt haben. So hatte ausgerechnet der aus Kamerun stammende afrikanische Verbandspräsident Issa Hayatou den Schweizer bei dessen Wiederwahl zum FIFA-Chef 2002 herausgefordert.

Hersteller "Puma" sieht sich trotz des zurückgewiesenen Einspruchs gegen das Urteil der Disziplinarkommission vom 16. April 2004 weiter im Recht. "Wir haben alle Wege eingehalten und die nötige Zustimmung aller Behörden eingeholt", versicherte ein Sprecher. Im August vergangenen Jahres habe man das neue Trikot der FIFA vorgestellt. Diese habe auf die Zuständigkeit des afrikanischen Verbandes verwiesen, der wiederum die Erlaubnis für den Afrika-Cup 2004 erteilt habe. Die Kameruner Mannschaft fordert von der FIFA in deren Jubiläumsjahr (100 Jahre) Fair play - Blatter scheint dazu allerdings nicht bereit zu sein.

Quelle: Frankfurter Allgemeine Zeitung, 15.05.2004, Nr. 113 / Seite 35
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