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Jürgen Klopp und Ralf Holtmeyer „Zusammengewürfelte Haufen gibt es genug“

Wenn man zwei der erfolgreichsten Trainer zum F.A.Z.-Gespräch bittet, entdeckt man schnell die Gemeinsamkeit: Jürgen Klopp und Ralf Holtmeyer sind neugierig geblieben und wollen ständig die Leistung ihrer Teams optimieren.

© dpa Vergrößern Die Kollegen vom Achter befördern ihren Steuermann Martin Sauer nach dem Olympiasieg ins Wasser

Sie trainieren beide Mannschaften, in denen es sehr auf Teamgeist ankommt. Ist für Sie der Achter der Inbegriff für Teamgeist, weil buchstäblich alle in einem Boot sitzen?

Klopp: Unter diesem Aspekt habe ich das eigentlich nie gesehen. Mich begeistert die Bereitschaft zur maximalen Ausbelastung. Ich habe mal in meinen Anfangsjahren als Trainer einen Film über die „All Blacks“ (neuseeländische Rugby-Nationalmannschaft) gesehen, und da ist der Satz gefallen: Wenn du das Trikot anziehst, ist unter 100 Prozent nicht erlaubt. Und im Achter stelle ich mir das auch so vor: Unter 100 Prozent bei nur einem der acht bedeutet: chancenlos. Das ist mein Gefühl, aber da kann der Kollege natürlich mehr zu sagen. Über Taktik oder Teamgeist im Achter habe ich keine Ahnung. Anders als bei uns steht deren neunter und zehnter Mann ja neben dran und kann nicht eingewechselt werden. Das ist sicher eine ganz spezielle Herausforderung an den Trainer.

Gibt es Teamgeist im Achter?

Holtmeyer: Die Frage ist ja immer: Was ist Teamgeist? Für viele ist Teamgeist die Illusion von totaler Harmonie. Das denken Journalisten gerne - wenn ein Boot gut ist, dann herrscht da totale Harmonie. Ich glaube da aber nicht dran, auch im Fußball nicht. Da gibt es auch Konkurrenz und Wettbewerb untereinander. Das heißt aber nicht, dass da kein Teamgeist herrscht. Viele denken immer, je größer die Harmonie ist, umso größer ist der Teamgeist. Aber Harmonie, das gibt es in der Thekenmannschaft, die treffen sich einmal in der Woche, haben auch keine Konkurrenz und trinken hinterher ein Bier zusammen. Um international weiterzukommen, oder wie die Borussia jede Woche dreimal zu spielen, da muss untereinander Konkurrenz herrschen. Teamgeist bedeutet auch, dass ich als Sportler sage, ich will mit den Besten spielen oder rudern. Dann habe ich da vielleicht einen Kumpel, aber der ist nicht so gut, und deshalb möchte ich den anderen dabeihaben. Das ist auch Teamgeist.

Das ist ein gemeinsames Ziel ...

Holtmeyer: Ja, aber das Team soll erfolgreich sein, und dafür müssen nicht die zusammen im Boot sitzen, die sich am besten verstehen. Wir müssen nur die gleichen Werte und Ziele haben.

Klopp: Ich glaube, dass die Messlatte im Rudern ein bisschen deutlicher ist als im Fußball. Ich weiß nicht, wie die individuelle Leistungsstärke bei euch eruiert wird, möglicherweise ist das ja messbar am Ruder-Ergometer, und dann nimmst du einfach die acht Stärksten. Bei uns ist das schwammiger, es spielen nicht die elf Besten. Es spielen die, mit denen die Wahrscheinlichkeit am höchsten ist, zu gewinnen. Das sind nicht automatisch die elf Besten, weil auf jeder Position andere Aufgaben zu erfüllen sind. Und der Begriff Teamgeist wird tatsächlich ein wenig überstrapaziert. Jeder muss akzeptieren, dass die Gruppe insgesamt so stark sein muss, dass man auf alles reagieren kann. Die Jungs müssen verstehen, dass an dem Tag, an dem sie ausfallen oder nicht in Form sind, wir einen anderen haben müssen, der mindestens so gut ist, damit wir erfolgreich bleiben. Die Drucksituation ist groß, aber als Konkurrenz beschreibe ich das ungern, das klingt für mich nicht nach gleichen Zielen. Aber der Wettkampf ist ausgeprägt, ganz klar.

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