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Jonathan Akpoborie Vom Pranger ins Abseits

 ·  Ein Jahr nach dem Skandal um Jonathan Akpobrie kämpft der nigerianische Stürmer um sein Comeback und die Wiederherstellung seiner Ehre.

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Die jüngsten Meldungen über Jonathan Akpoborie, Fußballer des 1. FC Saarbrücken, waren die ersten seit langem. Und es waren keine guten Nachrichten: Der ehemalige Bundesligastürmer habe Mietschulden gemacht, war zu lesen.

Seine schwere Knieverletzung, die er in der abgelaufenen Saison erlitten hatte, sein Versuch, wieder fit zu werden und sein Seelen-Unfrieden nach der Verbannung aus Wolfsburg, all das war indes kaum öffentlich geworden in den letzten Monaten. Im Mittelpunkt stand Akpoborie zuletzt im Sommer letzten Jahres. Besser gesagt: Am Pranger.

Lückenbüßer des medialen Sommerlochs

Daran erinnerte auch die jüngste Randnotiz, die Akpoborie über sich lesen musste. Denn in einem Nebensatz der Mietschulden-Enthüllung stand wieder dieses für den 33jährigen Nigerianer so verhängnisvolle Wort “Kindersklaven-Affäre“ geschrieben. „Diese sogenannte Affäre hat meine Karriere zerstört und noch schlimmer mir meine Ehre genommen“, sagt der einstige Torjäger Hansa Rostocks, des VfB Stuttgart und VfL Wolfsburg.

Aus Akpoborie spricht gleichermaßen Enttäuschung, Frust und Kritik. Kritik an der Behandlung durch die Öffentlichkeit, die ihn fast schon als Kriminellen abgestempelt hat, obwohl er womöglich nur Lückenbüßer des medialen Sommerlochs war.

Wochenlange Verdächtigungen

Zur Erinnerung: Akpoborie wurde vor knapp einem Jahr in Verbindung mit Kinderhandel und einem angeblich zum Sklavenschiff umfunktionierten Kahn namens “Etireno“ im afrikanischen Benin gebracht. Den Vorfall in die Öffentlichkeit lanciert hatten, ohne den Fußballer beim Namen zu nennen, die beiden Hilfsorganisationen UNICEF und Terre des Hommes. Diese enthüllten lediglich den Namen des Schiffes.

Rasend schnell geriet die Angelegenheit in die Presse. Die Aufklärung indes gestaltete sich deutlich verhaltener: Der Kutter gehörte tatsächlich Akpoborie doch der Vorwurf des Kinderhandels ließ sich nicht erhärten. Wochenlange Verdächtigungen, Ermittlungen, Nachforschungen und Berichte beraubten ihn seiner Reputation. Seine Unschuld konnte er nicht nachweisen, seine Schuld aber ließ sich ebenso wenig beweisen.

Schuldig oder nicht aus Sicht der Volkswagen-Bosse, die beim VfL Wolfsburg das Sagen haben, war der 21malige Nationalspieler nicht mehr tragbar, dem Image des Weltkonzerns abträglich.

Keine Klage aktenkundig

Akpoborie musste trotz laufenden Vertrages gehen. Beim 1. FC Saarbrücken fand er eine neue Anstellung, während die Ermittlungen zunehmend stagnierten. Nicht einmal die Nachforschungen von Akpobories Juristen bei der deutschen Botschaft im Benin und der beninischen Vertretung in Deutschland brachten bislang Licht ins Dunkel.

Mittlerweile ist nicht einmal mehr auszuschließen, dass das angeblich eingeleitete Verfahren eingestellt wurde. Eine Anklage, ein Verfahren gar nichts davon ist aktuell trotz intensiver Recherchen in der Hamburger Kanzlei, die mit der Wahrnehmung von Akpobories Interessen beauftragt ist, aktenkundig.

Mehr als Gerüchte gebe es zur Zeit nicht. Wieder einmal. Auch UNICEF und Terre des hommes halten sich bedeckt, scheinen an der Aufklärung des von ihnen losgetretenen Skandals um einen ehemals prominenten Fußballer nicht mehr interessiert.

„Wurde nie rehabilitiert“

Mit der Gerechtigkeit aber ist das so eine Sache. Denn einen Freispruch gibt es schließlich auch nicht. „Ich wurde nie rehabilitiert“, sagt der Nigerianer. Rund eine Million Euro, rechnen seine Agenten vor, habe ihn die vermeintliche Affäre obendrein gekostet, möglicherweise wird das Gegenstand einer juristischen Gegenoffensive des Akpoborie-Lagers.

„Durch die Veröffentlichungen der beiden Organisationen und dem daraus entstandenen Druck des Hauptsponsors des VfL Wolfsburg hat Johnny seinen Job verloren. Es ist daher sicher legitim, dass wir in seinem Interesse alle Möglichkeiten ausschöpfen und prüfen, ob Schadensersatzansprüche geltend gemacht werden können“, erklärt Stefan Backs, Sprecher der Beraterfirma ROGON, zu deren Klientel der Stürmer zählt.

„Größte Katastrophe meiner Laufbahn“

Sportlich und persönlich ging es mit dem dreifachen Familienvater nach dem unrühmlichen und unfreiwilligen Abschied aus Wolfsburg derweil weiter bergab. „Die letzten zwölf Monate waren die größte Katastrophe meiner Laufbahn“, bilanziert er mit Blick auf den sportlichen Niedergang seines Arbeitgebers und seinen Kreuzbandriß, der operiert werden musste, was eine Entzündung als Folge des Eingriffes nach sich zog.

Das drohende Karriere-Ende, die Invalidität, hofft Akpoborie jedoch noch abwenden zu können. Vielmehr will er im Ausland noch einmal bei höherklassigen Fußballspielen mitmachen, als es ihm in Saarbrücken möglich wäre, sollte der Abstieg des Vereins in die dritte Liga Bestand haben.

Eine Fortsetzung seiner Laufbahn sei durchaus zu erwarten, bekam er vor kurzem ermutigende Auskunft von den Ärzten im Reha-Zentrum von Regensburg, wo Akpoborie derzeit für sein Comeback schuftet. Ein Wechsel käme folglich ebenfalls in Betracht. Und die Mietschulden sind mittlerweile beglichen.

Zum Abschluss einmal erbauliche Nachrichten für Jonathan Akpoborie.

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10.05.2002, 17:45 Uhr

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