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Japan und Südkorea Fußball war Vorreiter - Baseball ist Trumpf

 ·  „Baseball-Profi“ geben 21 Prozent der japanischen Jungen als Traumjob an - Fußball-Profi gerade mal elf.

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Soll bloß keiner sagen, dass sich der Südkoreaner nicht für Fußball interessiert. Als am Sonntag die eigene Nationalmannschaft gegen Titelverteidiger Frankreich spielte, um ein letztes Mal für die WM zu üben, gab es in der Hauptstadt Seoul kaum einen Supermarkt, ein Geschäft oder ein Restaurant, in dem nicht der Fernseher lief.

Südkorea verlor mit 2:3, doch das Gekreische junger Frauen, die selbst die Wiederholungen der Treffer ihrer Mannschaft begeistert bejubelten, war unüberhörbar. Dabei kommt „König“ Fußball in der südkoreanischen Öffentlichkeit sonst nur mühsam über die Rolle des Kronprinzen hinaus.

Baseball von früh bis spät

Stattdessen gibt es einem Fernsehkanal, der von früh bis spät Baseball zeigt. Und ähnlich sieht es in Japan aus. Bei einer Umfrage gaben kürzlich 21 Prozent der Jungen an, dass Baseball-Profi ihr Traumjob sei; nur 11 Prozent würden gerne mit Fußball ihr Geld verdienen. Baseball-Spiele sind in beiden Ländern weitaus besser besucht als Fußball-Partien, und höhere TV-Einschaltquoten erreichen sie sowieso.

Dabei hat der Fußball in beiden Ländern eine Vorreiterrolle übernommen. Bereits 1965 schlossen sich in Japan acht Fußball-Klubs zur ersten organisierten Sport-Liga im Land zusammen. Der Nachbar Südkorea führte 1983 als erstes asiatisches Land eine Profiliga ein, in der nicht Baseball, sondern Fußball gespielt wurde.

Exportschlager Yasuhiko Okudera und Bum-Kun Cha

Und ehe der erste japanische Baseball-Spieler in die nordamerikanische „Major League“ wechselte, hatte ein Fußballer schon zwei Jahrzehnte früher für Aufsehen im Ausland gesorgt. Der Japaner Yasuhiko Okudera war der erste exportierte Profisportler seines Landes. Zwischen 1977 bis 1986 absolvierte er 234 Bundesligaspiele für den 1. FC Köln und Werder Bremen.

Noch viel populärer als der Japaner wurde in Deutschland aber der Südkoreaner Bum-Kun Cha, der zwischen 1979 und 1989 für Eintracht Frankfurt und Bayer Leverkusen 98 Bundesligatore erzielte und damit auf Rang drei der ewigen Ausländer-Torschützenliste liegt.

Sükoreas Teams dominieren in Asien

Anerkennung in Europa finden seit einigen Jahren aber ausschließlich die Kicker aus Nippon. Hidetoshi Nakata ebnete dem AC Parma Anfang Mai mit einem Tor gegen Juventus Turin den Weg zum italienischen Pokaltriumph, Shinji Ono gehörte zu den besten Spielern von Feyenoord Rotterdam beim 3:2-Sieg im Uefa-Pokalfinale über Borussia Dortmund. Yunichi Inamoto ist mit Arsenal London englischer Meister und Cupsieger geworden.

In Asien haben die Südkoreaner das Heft in der Hand. Suwon Samsung hat in diesem Jahr zum zweiten Mal in Serie den asiatschen Landesmeister-Pokal gewonnen. Der Finalgegner Anyang Cheetahs kam ebenfalls aus der südkoreanischen K-League. Auf dem Weg ins Finale schaltete Suwon auch Japans Rekordmeister Kashima Antlers aus.

Japan hat die besseren Fußball-Strukturen

Doch in einigen Jahren dürfte sich das Blatt wenden. Voraussetzung dafür: Die in Asien einzigartigen Strukturen der japanischen J-League. Der Unterbau besteht inzwischen aus zwei weiteren Profiligen, die Talentsichtung beginnt in den Schulen. Sieben Erstligisten wollen Jugendleistungszentren nach französischem und englischem Vorbild errichten.

Dort hinken die Südkoreaner deutlich hinterher. Einen professionellen Unterbau für die K-League mit ihren zehn Klubs, die zumeist von Großunternehmen finanziert werden, gibt es nicht, die Talentsichtung wird mehr dem Zufall überlassen. Trotzdem hat es die Nationalmannschaft nun schon zum fünften Mal in Folge zur Endrunde der WM geschafft.

Was tun mit den vielen WM-Stadien?

Der Zuschauerschnitt der K-League liegt nach Liga-Angaben mittlerweile bei 20.000 Besuchern pro Partie, dennoch erscheint es fragwürdig, warum Südkorea gleich zehn neue WM-Stadien für insgesamt 1,83 Milliarden Euro baute: Einige Stadien werden nach der WM nicht mehr benutzt.

Beispielsweise das Jeju-Stadion in der Provinzstadt Seogwipo auf der Insel Cheju. Erst nach dem Zuschlag begann der Bürgermeister des 86.000-Einwohner-Nestes über eine weitere Nutzung des 110-Millionen-Euro-Projektes nachzudenken: „Vielleicht können andere Profiklubs bei uns spielen, wenn auf dem Festland schlechtes Wetter ist.“

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