25.07.2006 · Radprofi Jan Ullrich hat alle Dopingvorwürfe rigoros zurückgewiesen und will im nächsten Jahr bei der Tour de France noch einmal um den Sieg kämpfen. „Ich habe niemals in meiner ganzen Karriere einen anderen Rennfahrer betrogen. Das ist Fakt.“
Richtlinien für Lesermeinungen
Die FAZ.NET-Redaktion bietet allen registrierten und eingeloggten Nutzern die Möglichkeit, sich mit den aktuellen Beiträgen auf FAZ.NET konstruktiv und kritisch auseinanderzusetzen und eigene Leser-Kommentare zu veröffentlichen. Für jede Meinungsäußerung stehen 1000 Zeichen zur Verfügung. Voraussetzung für eine Veröffentlichung ist, dass die Verfasser und Verfasserinnen ihren wirklichen Namen nennen, d.h. in ihrer FAZ.NET-Registrierung den korrekten Vor- und Nachnamen eingetragen haben. Im Falle der Veröffentlichung des Leser-Kommentars weisen wir am Beitrag sowohl den Klarnamen als auch den Nickname des Lesers aus. Unter Pseudonym oder anonym verfasste Texte können nicht berücksichtigt werden.
Veröffentlicht werden nur Beiträge, die auf den jeweiligen Artikel und sein Thema seriös und sachbezogen eingehen. Links- und rechtsradikale, pornographische, rassistische, beleidigende, verleumderische sowie ruf- und geschäftsschädigende Inhalte können nicht berücksichtigt werden, ebenso wenig sachlich falsche oder in angemessener Zeit nicht nachprüfbare Behauptungen. Links sind in den Leser-Kommentaren von FAZ.NET nicht gestattet. Die Redaktion behält sich vor Leser-Kommentare zu kürzen oder zu modifizieren. Jeder verfasste Beitrag wird von der Redaktion geprüft und schnellstmöglich veröffentlicht, sofern er diesen Richtlinien für FAZ.NET-Lesermeinungen nicht zuwiderläuft. Nutzern, die wiederholt versuchen, den Richtlinien nicht entsprechende Beiträge zu veröffentlichen, kann die Registrierung entzogen werden.
Für veröffentlichte Meinungsbeiträge gewähren Sie uns das unentgeltliche, zeitlich und örtlich unbegrenzte und nicht ausschließliche Recht, diese Aussagen ganz oder teilweise zu nutzen, zu vervielfältigen, zu modifizieren, anzupassen, zu veröffentlichen, zu übersetzen, zu bearbeiten, zu verbreiten, aufzuführen und darzustellen, Dritten einfache Nutzungsrechte an diesen Aussagen einzuräumen sowie die Aussagen in andere Werke und/oder Medien zu übernehmen.
Wir möchten Sie ausdrücklich darauf hinweisen, dass der gesamte Auftritt von FAZ.NET von verschiedenen Suchmaschinen intensiv ausgewertet wird und die Inhalte dort auch gelistet werden. Das schließt die Leser-Kommentare automatisch ein, so dass diese auch über FAZ.NET hinaus im Internet jederzeit recherchierbar sind.
Für den T-Konzern ist es ein Balanceakt. Nicht jeder ist bereit, bei Jan Ullrich von jetzt auf gleich vom 'Hosiannah' auf 'Kreuziget ihn' umzuschalten. Hinzu kommen die rechtlichen Kompliziertheiten.
Daß der Straßenrennsport augenfällig besonders tief im Doping-Sumpf steckt, hat mit seinen tradierten Strukturen zu tun, angefangen mit seiner frühen Professionalisierung. Vielleicht gelingt es ihm jetzt endlich, auch als erster wieder da herauszukommen. Wäre diesem ebenso publikumswirksamen wie ästhetischen wie kulturhistorisch (!) interessanten und faszinierenden Sport zu wünschen.
Man muß nicht Klavier spielen können
Aber bei dieser Diskussion ist es hilfreich, wenn man mal selbst den Stelvio rauf ist.
Dann erhellt sich leichter, auch in der Relation, was menschenmöglich erscheint und was nicht.
Und um sich eine erste Gewißheit zu verschaffen, braucht es nur ein Asthmamittel, wie die Hälfte des Pelotons es in den Pässen stehen hat. Jan Ullrich auch.
Die Sportgesetze und -instanzen, der Sport selbst (und das gilt selbstverständlich nicht nur für den Radsport) werden das Problem nicht lösen können. Hier müssen die nationalen Behörden ran, wie das in einigen Ländern schon der Fall ist (Frankreich, Italien, Spanien). Legislative, Polizei, Staatsanwaltschaft, Richter, Vollzugsbeamte.
Wir machen uns alle etwas vor - die Zuschauer, die Medien und die Sponsoren. Tun betroffen und bestürzt - Dopinggerüchte um Jan Ullrich - das kann nicht sein...
Liebe Landsleute, als Ergebnis vieler Verfahren kann als sicher gelten, dass in der früheren DDR systematisch gedopt worden ist. Wer hat also geglaubt, dass das System bei Jan Ullrich eine Ausnahme gemacht hat? Wer glaubt heute, dass der sympathische Mecklenburger Jens Voigt ("Werft sie alle auf den Scheiterhaufen") nie unerlaubte medizinische Hilfsmittel genommen hat?
Nicht der Radsport ist krank, nicht der Ausdauersport - die Erwartungen der Öffentlichkeit und der Geldgeber sind pervers. Mit etwas Geschick findet man im Internet dutzende Foren, in denen sich ambitionierte Hobbysportler Anleitungen geben, wie sie mit Hilfe von Präparaten ihre Leistungen steigern können.
Sport ist, liebe Freunde, wenn man selbst einen Pass fährt oder einen Marathon läuft. Die Tour de France und andere Sportereignisse sind Business - es geht den Organisatoren und den Sponsoren ums Geschäft. Ich mag sie trotzdem, die Große Schleife und auch alle Helden, die sie hervorgebracht hat. Übrigens gab es mit Bernard Hinault und Greg Lemond die nie mit Doping in VErbindung gebracht wurden..
Nun mag es sein, daß ich die Kommentare nicht richtig gelesen, oder auch nicht recht verstanden habe. Aber ein Verherrlichen des Herrn Ullrich oder eines deutschen Helden kann ich nicht erkennen. Doping ist auch kein Problem, das mit der Moral-Keule behandelt oder durch die Schwarz-Weiß-Brille gesehen werden darf.
...wer hat hier "deutsche Helden" gefordert? Ullrich jedenfalls ist keiner, solange er sich beim Dopen erwischen lässt und den Namen der Frankreichrundfahrt nicht richtig aussprechen kann ("Tour de Frongs").
Frank Bach
Bei der Jagd nach Weltrekorden hat sich eine neue Spezies "Sportler" entwickelt.
Diese vermittelt der breiten Öffentlichkeit, dass immer noch Steigerungspotential im menschlichen Körper vorhanden ist, obwohl keine chemischen Hilfsmittel angewendet werden.
Die Dopingkontrolle unterscheidet zwischen legalen und illegalen Mitteln und ist vergleichbar mit den Obstbehandlungsmöglichkeiten.
Man nehme drei verschiedene Pestizide und bleibe jeweils unter den zugelassen Werten. Im Gesamtergebnis ist natürlich eine Überbelastung vorhanden, die aber nicht bewertet wird.
Erst kommt das Fressen dann die Moral
So war das und so wird es lange sein. Die Moderatoren wollen moderieren und dafür bezahlt werden. Dafür muß es ein Spektakel geben. Wer will denn sehen, daß die Profis mit 15km/h nach Alp d´Huez hochgurken? Wir wollen nie da-gewesenes, also müssen sie mit 25 km/h hoch. Sollen sie doch sehen wie sie das hinkriegen, für weniger bezahle ich doch nicht, kaufe auch nicht das Trikot des 160sten.
Wenn ich dann auf dem Sofa sitze, wegen der Kopfschmerzen in der heißen Bude zwei Aspirin einschmeisse und zwei Kaffee nachgiesse ist das schließlich auch legitim. Man stelle sich vor am Arbeitsplatz würden Kaffee, Tee, Medikamente etc. verboten! Vor dem Antritt im Büro erst einmal pinkeln.
Aufputschmittel und Drogen gehören zur Menschheit seit Tausenden von Jahren. Die Firma Bayer hat mit der legendären Erfindung "Heroin" (eine "Bayer" Wortschöpfung!) zunächst einen riesen Reibach gemacht, sei völlig ohne Nebenwirkungen und alle haben es gefressen.
Bei dem derzeitigen Doping ist zudem die ärztliche Versorgung sehr zweifelhaft. Wäre es freigestellt, dann wäre zumindest die wissenschaftliche Aufarbeitung möglich und Gefahren würden früher erkannt. So dopt trotzdem jeder und wenn was passiert war er selber Schuld (siehe Pantani).
War das Duell zwischen Armstrong und Ullrich nicht ein sportliches Ereignis par excellence? Der eine der ewige Verlierer, der andere der Bessere in jeder Hinsicht: erst durch die gleich langen Dopingspieße konnte uns der Wettbewerb von Intelligenz, Selbstdisziplin, Systematik, Taktik, Organisationstalent und Willensstärke so plastisch und lehrreich vorgeführt werden.
Frank Bach
Ich kann die Argumente des Herrn Hofmann komplett nachvollziehen. Doch was ist die realistische Alternative für Herrn Ullrich? Offensichtlich der Rausschmiss aus dem Team, keine Tour 2006 (bei sehr guten Chancen diese zu gewinnen). Wäre es nicht vernünftiger oder zumindest pragmatischer gewesen die "DNA-Kröte" zu schlucken als jetzt als Bösewicht dazustehen.
Was die Verschwörungstheorien anbelangt, kann man vermutlich gar nicht absurd genug denken. Letztlich ist auch der Fall Baumann nicht restlos geklärt worden; und in dessen Verlauf sind auch durchaus in die zitierte Richtung gehende Praktiken der STASI offenbar geworden.
Eine Lösung für das Problem Doping wird es vermutlich erst geben, wenn alles erlaubt ist (keine schöne Vorstellung) oder wenn wieder der vergessene Amateursport eingeführt wird (was kaum vorstellbar ist) So lange mit schnell in die Pedale treten oder schnell laufen jährlich hohe ein bis zweistellige Millionenbeträge zu verdienen sind wird es immer Menschen geben, die nachhelfen.
Und ich bleibe auch dabei: die letzten sieben tour-Siege sind nicht nur mit Milch eingefahren worden.
Mich ärgern nicht die Gedopten
Auch an den bisherigen Lesermeinungen verblüfft mich immer wieder, mit welcher Hartnäckigkeit unausgesprochen an der Hoffnung festgehalten wird, dass bei einer Tour de France Doping nur von ein paar Missetätern praktiziert wird. Es ist doch offensichtlich, dass Doping eine gängige Praxis zum Erfolg ist. Sicher, es mag ein paar Fahrer geben, die bewusst ungedopt teilnehmen. Die haben mit dem Ausgang des Rennens "natürlich" nichts zu tun. Im Endergebnis sind sie Stunden vom professionellen Hauptfeld getrennt. Sie wissen es vorher. Sie fahren für sich. Möglicherweise gibt es sogar eine interne Meisterschaft der bewusst Ungedopten. Aber auch sie haben es akzeptiert, die Praxis des Dopens nicht öffentlich anzuprangern. Nur, was auffliegt und schlechterdings nicht mehr geleugnet werden kann, wird zugegeben. Das gehört zur Branche wie die geheimen Blutwurstsrezepturen zum Metzgerhandwerk.
Mich ärgert nicht das Verschwiegenheitskartell, denn ich erkenne darin nur Allzumenschliches im Umfeld eines einträglichen Geschäftes. Mich ärgert die Verlogenheit der öffentlichen Kommentatoren, die über die "Sünder" herfallen und sich moralisch empören zu müssen glauben.
Frank Bach
Ich würde auch keinen DNA-Test über mich ergehen lassen und kann die Haltung von Jan Ullrich mehr als verstehen. Außer handschriftlichen Aufzeichnungen und sonstigen sehr dünnen Indizien aus den Händen eines noch dubioseren spanischen Arztes liegt nichts vor und es gilt nach wie vor die Unschuldsvermutung.
Das fatale an einem DNA-Test ist, dass er als der 100%ige, unumkehrbare Beweis gilt. Keinem wird es gelingen, diesen zu widerlegen. Das eineindeutige daran ist dabei das fatale. Weiß jemand, ob sich eine Person einer Blutprobe von Herrn Ullrich bemächtigen konnte, weiß jemand, ob im Doping-Labor alles mit rechten Dingen vorkehrt und keine Inszenierungen stattfand? Mir liegt es fern, Verschwörungstheorien aufzustellen, doch genau diese Gründe sind hinreichen warum, man DNA-Tests nicht als Beweis-Mittel zulassen sollte bzw. umgekehrt die Verweigerung zu einem DNA-Test mit einem Schuldanerkenntnis gleichsetzen sollte.
P. S. Muss man der Frau, die einen Vaterschaftstest nicht durchführen lassen will und ihre Genehmigung hierzu unterlässt unterstellen, dass Sie etwas zu verheimlichen hat?
Eine ehrenwerte Gessellschaft !
Haette Ullrich nichts zu verbergen, koennte er dem genetischen Abgleich der in Spanien gefundenen Proben mit einer von ihm abgegebenen Blutprobe gelassen entgegensehen. Boete sich doch die Moeglichkeit des wasserdichten Unschuldsbeweises und damit die Chance, den ramponierten persoenlichen Ruf und den des Profiradsports wiederherzustellen. Stattdessen verschanzt Ullrich sich hinter der Feststellung, dass nicht der Beklagte seine Unschuld, sondern der Anklaeger die Schuld des Beklagten zu beweisen habe. Juristisch ist das korrekt, menschlich ist es entlarvend. ALLE Indizien zeigen, dass die von der diesjaehrigen Tour ausgeschlossenen Stars, ALLE systematisch gedopt haben. Anstatt die Gelegenheit zu nutzen, reinen Tisch zu machen, zeigt sich mal wieder mangelndes Unrechtsbewusstsein, der dreistesten Art. Der Profiradsport ist wohl in so mafioesen Strukturen verfangen, dass Ulrich mit seiner Behauptung, nie einen anderen Rennfahrer betrogen zu haben, nur auf perverse Art recht haben kann: Wenn ALLE Rennfahrer dopen, hat er auch keinen Rennfahrer betrogen. Im Gegenteil: Erst das Gestaendnis systematischen Dopings wuerde von den Profi(rennfahrern) und Kollegen als Betrug gewertet werden. Eine wahrhaft ehrenwerte Gesellschaft!
Wenn Jan Ullrich meint, die Abgabe von etwas Speichel zwecks einer DNA-Analyse mit dem Ziel, schwerwiegende Vorwürfe gegen ihn zu entkräften, sei menschenunwürdig, dann ist das einfach lächerlich, nicht ernst zu nehmen und lediglich als Ablenkungsmanöver zu verstehen.
Es ist Jan Ullrich aber entgegen zu halten, daß (Blut)-Doping, unter dessen Verdacht er steht, sicher menschenunwürdig ist.
Ein gedopter Sportler, erst recht bei einem Grossereignis wie der Tour-de-France, ist auch entgegen seiner Meinung sicher als Betrüger auch einem Verbrecher gleichzusetzen.
Jan Ullrich hätte unter diesen Gesichtspunkten allen Grund, sich durch eine DNA-Analyse zu entlasten, wenn er denn tatsächlich unschuldig wäre.
Detlef Stark
So ärgerlich es sowohl für Jan Ullrich als auch für den Radsport insgesamt ist, daß immer wieder gedopt wird, muß sich Jan Ullrich die Frage stellen wohin er mit seiner Haltung wohl noch kommen wird. Selbstverständlich ist es schwer nachzuvollziehen, daß aufgrund dubioser Verdachtsmomente der Ausschluß aus dem Team erfolgt ist. Doch Gerechtigkeitssinn hin oder her, wieviel hätte es ihn wirklich gekostet ein wenig Blut oder auch nur eine Speichelprobe abzugeben? Steht der Verlust an Ansehen und nicht zuletzt die verpasste Teilnahme an der letzten Tour wirklich dafür? Ist es nicht vielmehr die Pflicht eines so exponierten Sportlers mit allen Mitteln sicher zu stellen, daß er sich an die geltenden Regeln gehalten hat? Am Ende bleibt die Frage, ist er wirklich so stur (wie es sein ehemaliger Trainer in einem aktuellen Interview vorhergesagt hat) oder war doch was dran an den Vorwürfen. Womit auch der schon fast vergessene "Disko-Ausrutscher" ein "Gschmäckle" erhält.
Dann war da noch am Rande der diesjährigen Tour ein Bauer mit der Empfehlung "dopt mit Milch" zu sehen. Ob die letzten sieben Toursiege alle mit Milch erfahren wurden?
Wer gewinnt das Champions-League-Finale 2013?