09.02.2012 · Der ehemalige Radprofi Jan Ullrich ist vom Internationalen Sportgerichtshof Cas des Dopings schuldig gesprochen. Sein dritter Platz bei der Tour de France 2005 wird ihm aberkannt. Ullrich ist aber nicht als Wiederholungstäter verurteilt.
Die Welt ist wieder etwas größer geworden für Jan Ullrich in den vergangenen Monaten. Es ist immer noch eine Welt des Radsports, von dem er nicht loskommt, den er gar „vergöttert“, wie er sagt. Er hat sich wieder auf diesen Sport zubewegt, er bietet ihm eine neue Perspektive. Als eine Art Botschafter zum Beispiel, als ein Zugpferd für Hobbyradfahrer, für Jedermänner. Ullrich weiß, dass diese Klientel ihn immer noch schätzt, dass sie ihn als einen ehemaligen Radprofi betrachtet, der Herausragendes im Sattel geleistet hat.
Nach Jahren der Isolation findet Ullrich in dieser Szene eine neue Aufgabe, neue Bestätigung. Just am Mittwoch hatte er wieder einen solchen Auftritt, in Bielefeld, wo er für ein Unternehmen als Werbeträger für ein Jedermann-Rennen posierte. Nichts an Ullrich deutete bei dieser Gelegenheit auf große Unruhe hin wegen des bevorstehenden Urteils des Internationalen Sportgerichtshofs (Cas), er wirkte gelöst, fast fröhlich. Es wurde gelacht und gescherzt in Bielefeld, und Ullrich war mittendrin, vielleicht sogar in der Hoffnung, dass aus Lausanne kein Ungemach auf ihn zukommen würde.
Doch jetzt müssen er, der Doping stets geleugnet hat, und seine neuen Partner damit zurechtkommen, dass die Richter in der Schweiz - fünf Jahre nach Ullrichs Rücktritt - eindeutig votierten: schuldig!
Der Cas sieht eine Verwicklung Ullrichs in die Affäre um den spanischen Arzt Eufemiano Fuentes - und damit Blutdoping - als erwiesen an. Wegen dieses Falles war der Rostocker 2006 von der Tour de France suspendiert worden, im Jahr darauf erklärte er seine Profikarriere für beendet.
Der Cas sperrte den einzigen deutschen Sieger der Tour de France am Donnerstag rückwirkend vom 22. August 2011 an für zwei Jahre für alle Aktivitäten im Profiradsport - angeblich soll er auch bei Benefizrennen nicht starten dürfen. Zudem annullierte das Gericht alle Ergebnisse Ullrichs seit dem 1. Mai 2005 - darunter Platz drei bei der Tour de France 2005 und den Gesamtsieg bei der Tour de Suisse 2006.
Nach Überzeugung des Cas war Ullrich spätestens vom 1. Mai 2005 an Kunde von Fuentes. Er habe sich, wovon auch bereits die Staatsanwaltschaft Bonn überzeugt war, des Blutdopings schuldig gemacht. Dies hätten Dokumente belegt. Unter anderem habe Ullrich mehr als 80 000 Euro an den spanischen Mediziner bezahlt. Die Besuche in Madrid hatte sein früherer belgischer Mentor Rudy Pevenage organisiert. Pevenage gab das im Jahr 2010 zu; explizit über Dopingpraktiken sprach er allerdings nicht.
Der Radsport-Weltverband (UCI) hatte in der Cas-Anhörung in der Causa Ullrich am 22. August 2011 einen lebenslangen Bann gefordert. Weil Ullrich aber nicht als Wiederholungstäter anzusehen sei, beschränkte sich das Gericht auf eine Zwei-Jahres-Sperre. In einer Mitteilung drückte der Cas seine Überraschung aus, dass Ullrich sich in der Sache nicht gegen die Vorwürfe und Beweise wehrte, sondern nur nach formalen Schlupflöchern suchte.
Bereits im April 2007 hatte die Bonner Staatsanwaltschaft nach einem DNA-Abgleich Blutbeutel, die bei Fuentes gefunden worden waren, eindeutig Ullrich zugeordnet. Ein Jahr später stellte die Behörde die Untersuchungen gegen Ullrich wegen Betruges ein. Im Gegenzug zahlte der einstige Radstar, der auch von öffentlich-rechtlichen Fernsehsendern hofiert worden war, 250.000 Euro für gemeinnützige Zwecke. Pevenage entrichtete eine Buße von 25.000 Euro.
Auf ein Verfahren gegen ihn wurde danach verzichtet. Der Belgier beklagte, dass nur wenige Personen bestraft worden, viele andere hingegen unbehelligt geblieben seien - obwohl doch die Hälfte des Pelotons dieselben Dinge wie er und Ullrich gemacht hätte. „Es gibt keine Solidarität im Radsport.“
Ullrich, der als Profi üppig dotierte Verträge gehabt und selbst für einen Startschuss beim Münchner Sechstagerennen 50.000 Euro Gage erhalten haben soll, lebt seit Jahren in Scherzingen auf der Schweizer Seite des Bodensees. Er hielt bis 2006 die Schweizer Profilizenz. Swiss Cycling hatte 2010 die Ermittlungen vor dem Hintergrund des Skandals um Fuentes eingestellt - mit dem Hinweis auf „fehlende Disziplinargewalt“. Gegen diese Entscheidung war die UCI vor den Cas gezogen.
Am Donnerstag nahm der 38 Jahre alte Ullrich zu dem Spruch aus Lausanne - wie die UCI - zunächst nicht Stellung. „Die Anwälte prüfen das Urteil“, sagte sein Manager Falk Nier, mit dessen Hilfe Ullrich zuletzt um seine Rehabilitierung kämpfte. Am Mittwoch hatte der Tour-Sieger von 1997 und Olympiasieger von Sydney noch behauptet, der Donnerstag werde ein Glückstag für ihn sein. Weil dann endlich ein Schlussstrich gezogen werde: „Ich habe sechs Jahre auf das Urteil gewartet“, sagte Ullrich, „ich habe sehr viel leiden müssen, bis hin zum Burnout.“ Er wolle das Thema nun abhaken und damit auch endgültig seine Profilaufbahn beschließen.
Sie war wechselvoll für Ullrich - und für den deutschen Radsport insgesamt. Im Zuge der Doping-Debatten in Deutschland hatte das Team T-Mobile, einst der führende deutsche Rennstall, seinen Betrieb eingestellt. Ehemalige Weggefährten Ullrichs - Rolf Aldag, Udo Bölts oder Erik Zabel - legten Dopinggeständnisse ab, teilweise unter Tränen. Ihr Kapitän aber blieb beharrlich bei seiner Aussage, niemanden betrogen zu haben.
Auch im Jahr 2002, als er in der Rehabilitation nach einer Knieoperation positiv auf Amphetamine getestet wurde, hatte er sich ausweichend geäußert. Ullrich hatte den Befund mit der Einnahme einer Pille in einer Diskothek erklärt. Der Bund Deutscher Radfahrer belegte ihn damals wegen Medikamentenmissbrauchs mit einer Zwangspause von sechs Monaten.
Zurück in der Öffentlichkeit
Unterstützt von seinem neuen Management hatte Ullrich im Vorjahr wieder - mit vorsichtigen Schritten - das Licht der Öffentlichkeit gesucht. Im Sommer zeigte er sich als Hobbyfahrer beim Ötztal-Marathon im alten Metier; er konnte sich des Beifalls der Radsportfans sicher sein. Ullrich behauptet deshalb: „Die Leute wollen mich immer noch live auf dem Fahrrad sehen.“
Unlängst erschien er mit seiner Frau beim „Ball des Sports“ in Wiesbaden. Neben der neu entflammten Lust am Radsport nehmen ihn auch andere Projekte in Anspruch. So stieg Ullrich im Herbst vergangenen Jahres als Gesellschafter ins Management eines Technologieunternehmens ein. Die Firma mit Sitz in Dubai bietet Trainingsmethoden und Patente rund um künstliches Höhenklima an.
Ullrich bewegt sich dabei auf vertrautem Terrain. Als Radrennfahrer hatte er sich bereits in einer speziellen Höhenkammer in seinem Schweizer Haus auf große Rundfahrten vorbereitet. Daraus zumindest hatte der sonst so verschlossene Ullrich kein Geheimnis gemacht.
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ich bin auch ddr-bürger!
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Wenn Ulle schon des Dopings überführt ist, paßt es ja in
Bielefeld super rein
Petra Meyer (PetraMeyer)
- 09.02.2012, 23:03 Uhr