Die Nord-Amerikaner haben ein Problem mit Jacques Rogge. Nicht nur, dass er der siebte von acht Präsidenten des Internationalen Olympischen Komitees (IOC) ist, der aus der Alten Welt stammt.
Nicht nur, dass die US-Amerikanerin Anita Defrantz nicht einmal die Stimmen der zwölf Frauen im IOC erhalten hat und Richard Pound sich schmachvoll mit dem dritten Platz hinter dem zwielichtigen Südkoreaner Un Yong Kim zufrieden geben musste. Nein, das Hauptproblem scheint zu sein, dass kein Amerikaner den Namen des aus dem flämischen Teil Belgiens stammenden neuen Herrn der Ringe aussprechen kann.
„ROH-guh“ sei der Mann auszusprechen, empfahl die US-Nachrichtenagentur Associated Press (AP) ihren Kunden in Lautschrift. Nicht wirklich hilfreich war auch der Rat von Rogge selbst in der Sieger-Pressekonferenz: „Versuchen sie es gar nicht erst, wenn sie nicht meine Muttersprache sprechen.“ Der neue Mann an der Spitze des IOC gibt sich mit „Rogge“ oder der wohl korrekten Version „Roche“ zufrieden, ganz der Diplomat. Samaranch darf ihn sogar „Dr. Rock“ aussprechen.
Erwartungen an Rogge
Wohl noch nie hat ein IOC-Präsident zu Beginn seiner Amtszeit so viel Lob geerntet wie Jacques Rogge. Wo immer der 58 Jahre alte Belgier bei seinen weltweiten Antrittsbesuchen auftrat, machte er eine glänzende Figur und ließ seinen mächtigen Vorgänger Juan Antonio Samaranch schier vergessen.
Nach fünf Monaten im Amt steht für den Schweizer Alt-Olympier Marc Hodler (83) gar fest: „Er ist der beste Präsident, und ich habe die letzten fünf alle aus der Nähe beobachtet. Er kennt sich im Sport unglaublich gut aus.“ Letzteres stimmt, doch ob auch der Superlativ zutrifft, muss sich noch erweisen. Denn vom Präsidenten der Ankündigungen werden nun Taten erwartet.
Ende der Ära Samaranch
Die Nord-Amerikaner werden sich an Rogge und seinen Namen gewöhnen müssen. Seine Wahl zum ersten Mann im Weltsport war das sportpolitische Ereignis des Jahres 2001. Die IOC-Session in Moskau war gleichzeitig der letzte Auftritt von Juan Antonio Samaranch. Das Ende einer Ära mit Olympischen Höhepunkten und Abgründen nach 20 Jahren.
Und in Moskau fiel noch eine weitere weitreichende und gleichzeitig umstrittene Entscheidung: Peking wird die Olympischen Sommerspiele 2008 ausrichten. Der letzte Wunsch wurde Samaranch erfüllt.
Terror verändert auch Olympia
In die russischen Hauptstadt hatten auch die potentiellen deutschen Olympiakandidaten für 2012 ihre Gesandten geschickt. Und im November fiel die Entscheidung. Nach den von der Nazi-Propaganda missbrauchten Spielen 1936 in Berlin und den von Terroristen attackierten „heiteren Spielen" 1972 in München will Deutschland zum dritten Mal Olympia-Gastgeber werden. Frankfurt, Hamburg, Düsseldorf, Stuttgart und Leipzig haben sich mit ihren Regionen beworben.
Das Jahr 2002 wird mit den Olympischen Winterspielen vom 8. bis 24. Februar in Salt Lake City beginnen. Nach dem Terroranschlägen vom 11. September drohen Spiele in einer „Olympischen Festung". Spiele, bei denen der Schatten der Angst allgegenwärtig sein wird.
Doch den Athleten und Funktionären aus aller Welt kann es auch gelingen, ein kleines Zeichen für den Weltfrieden zu setzen.