14.10.2006 · Der finale Moment von 1997 in Jerez wird Schumacher wohl auf ewig verfolgen. Er offenbarte seine größte Stärke als zugleich größte Schwäche. Und: Villeneuve wurde Weltmeister.
Außer Kontrolle: Der finale Moment von 1997 in Jerez de la Frontera wird Michael Schumacher wohl auf ewig verfolgen. Er offenbarte die größte Stärke als zugleich größte Schwäche. Und er verlieh Schumacher, als „Roboter“ verschrien, etwas Menschliches: Er kann nicht verlieren. Als Jacques Villeneuve mit seinem Williams überraschend rechts am Ferrari Schumachers vorbeiziehen und die Führung übernehmen wollte, packte den Deutschen der Frust einer drohenden Niederlage.
Sein Einlenkverhalten ließ keinen Spielraum: Schumacher rammte den Williams-Renault, landete aber selbst im Kiesbett, während Villeneuve auf Kurs blieb, zum ersten und einzigen Mal Weltmeister wurde. Schumacher einmal unkontrolliert. Das war die erste Überraschung des Tages. Die zweite folgte, als alle Welt Stunden später glaubte, der überehrgeizige Verkehrssünder habe sich ohne Entschuldigung aus dem Staub gemacht.
Seite an Seite, Arm in Arm
Tatsächlich traf Schumacher am späten Abend in der Vorhalle des Fahrerhotels auf Villeneuve. Man einigt sich, zusammen zu feiern. Weil der Hotelchef die Bar nicht mehr öffnen wollte, plünderten der Sieger und der große Verlierer des Tages die Minibars ihrer Zimmer. Die folgende Zufallsparty in der Lobby überzeugte die Hotelleitung: Sie öffnete die etwas abgelegene Bar. Den Ausschank übernahmen Villeneuve und Schumacher. Seite an Seite, Arm in Arm mixten sie mehr oder weniger ungenießbare Getränke - mit hoher Umdrehung. Als sei nichts geschehen.
Morgens gegen sieben löste sich die Gesellschaft fröhlich auf. Stress gab es erst später, als Bilder des Schumacher-Clans veröffentlicht wurden. Fortan ließ Villeneuve kein gutes Haar mehr an Schumacher. Auf der Piste kam der Kanadier nie mehr in Schwung. Schumacher aber trieb ihn noch in der Frühpension zu Extremen: „Er ist“, ließ Villeneuve ausrichten, „ein Lügner.“