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Ironman Hawaii : Das große Leiden im Paradies

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Triathlon in Hawaii: Einer der größten Tage, die der Sport zu bieten hat Bild: REUTERS

Show und Selbstbeweihräucherung in Kailua-Kona. In den Tagen vor der Ironman-WM muss sich der Mythos Hawaii gegen viel Trubel wehren. Doch am Tag des Rennens sind einsame Triathleten nur noch auf der Suche nach sich selbst.

          Wie erklärt man jemandem, der auf Hawaii lebt und nur Hawaii kennt, was das Paradies ist? Vielleicht saß Mark Twain im Jahre 1866 dort, wo nun die Fischer sitzen und sich über die Schwimmer im Wasser ärgern. Vielleicht saß er am Strand, wo Riesenschildkröten neben Touristen tauchen. Man stelle sich vor, nicht die hochtrainierten Ironman-Triathleten hockten im „Lava Java“, dem angesagtesten Café in Kailua-Kona, unter den Palmen, direkt am Pier.

          Man stelle sich vor, dort wäre Mark Twain, auf seiner Amerikareise, die ihn auch auf Hawaii führte. Er dachte damals nicht daran, durch die Wüste zu radeln. Er dachte darüber nach, wie die Missionarstätigkeit auf Hawaii wohl ausgesehen hatte, und kam zu einer ironischen Frage: Was konnte ein Missionar einem Hawaiianer vom Himmel erzählen? Oder von der Hölle? Warum sollte ein Hawaiianer Gott folgen? Was könnte er im Paradies haben, was ihm jetzt fehlte? Es muss, fand Twain, eine überaus bemerkenswerte Aufgabe gewesen sein, den Menschen auf diesem wunderschönen Fleck Erde das Leid zu predigen und die Erlösung.

          Was würde Mark Twain denken? Besessene und Traumerfüller beim Start zum Triathlon Hawaii
          Was würde Mark Twain denken? Besessene und Traumerfüller beim Start zum Triathlon Hawaii : Bild: dapd

          Auf einer dieser paradiesischen Inseln, auf Big Island, starten am Samstag mehr als 2000 Athleten aus der ganzen Welt beim 35. Ironman-Triathlon. Um 6.30 Uhr wird der Pfarrer der Gemeinde wieder ein Gebet für die Athleten sprechen, es wird dann einen Schlag tun, ein Kanonenböller, und dann wird ein riesiger Körper mit Tausenden Armen hinaus in den Pazifik kraulen. 3,8 Kilometer im Meer, dann 180 Kilometer auf dem Rennrad und 42,195 Kilometer zu Fuß, die klassische Ironman-Distanz.

          Es werden die Profis starten, die im Jahr selten mehr als zwei Ironman-Rennen hinter sich bringen, die das ganze Jahr auf diesen einen Tag hinleben. Für sie ist die Weltmeisterschaft auf Hawaii der Tag, an dem in der Regel nicht alles rund läuft. Ein Schlag beim Getümmel im Wasser, und der Anschluss an die Spitzengruppe ist verloren. Allein auf die Radstrecke, dann am Anfang zu schnell und am Ende zu langsam. Durchfall, Dehydrieren, eine Zeitstrafe, was auch immer, es kann viel passieren, und der wichtigste Tag des Jahres ist verloren.

          Traumerfüller und Besessene

          Es werden in den Altersklassen auch die Freaks starten, die neben ihrem Beruf in der Woche 30 Stunden und mehr trainieren, Traumerfüller, Amateure, die trainiert haben wie Profis, jahrelang, um das schier Unmögliche, die Qualifikation, zu schaffen. Die ein Vermögen ausgegeben haben, um hier dabei zu sein. Besessene, die am Tag des Ironman, der Mutter aller Triathlons, am Ziel ihrer Leidenschaft sind - wenn sie das Ziel erreichen. Unter ihnen auch die paar Glücklichen, die ihren Startplatz in der Ironman-Lotterie gewonnen haben und ein einsames Abenteuer, einen elend langen Tag mit ungewissem Ausgang vor sich haben.

          Der Schwarm: 3,8 Kilometer Meeresschwimmen als erste Disziplin
          Der Schwarm: 3,8 Kilometer Meeresschwimmen als erste Disziplin : Bild: REUTERS

          Hawaii ist ein mythischer Ort. 4000 Kilometer entfernt vom Festland, geboren aus einem Vulkan, der aus dem Meer hervorstieg, vor tausend Jahren besiedelt von Polynesiern, die von Tahiti auf Booten mit Paddeln und Segel kamen. 1978 ist der Ironman hier geboren, auf Oahu, 1981 zog er auf Big Island um - nach Kailua-Kona.

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