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Iranische Fußballerinnen Keine neunzig Minuten Freiheit

01.06.2007 ·  Die iranische Nationalmannschaft der Frauen wollte in Berlin ein Fußballspiel austragen. Nun soll ein „technisches Problem“ die kurzfristige Absage erzwungen haben: kurze Frauenkleider und männliches Publikum.

Von Swantje Karich
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Die Absage traf per E-Mail vom Sprecher des iranischen Fußballbundes ein, und sie kam völlig überraschend. Freitag Abend hätte im Berliner Katzbach-Stadion ein sensationelles Fußballspiel stattfinden sollen: das Rückspiel zwischen den Spielerinnen des türkischen Vereins Al-Dersimspor aus Kreuzberg und der iranischen Fußballnationalmannschaft der Frauen (F.A.Z. vom 9. Mai). Vor einem Jahr hatte es ein Hinspiel in Teheran gegeben, das sowohl in Iran als auch in Deutschland für Aufsehen gesorgt hatte. Es war das erste öffentliche Frauen-Fußballspiel in einem iranischen Stadion seit der Revolution 1979. Damals feierte man diese Begegnung als Sieg über die religiösen Fundamentalisten in Iran und als wichtigen Schritt für die Freiheit der dortigen Frauen.

Nun soll ein „technisches Problem“ die kurzfristige Absage erzwungen haben. Ayat Najafi, einer der Organisatoren des Spiels, der erst vor wenigen Monaten aus Teheran nach Berlin gezogen ist, weiß diese Formulierung zu deuten: „Das ist eine bezeichnende Wendung, ein Sicherheitsbegriff, den wir in Iran verwenden, wenn wir durchblicken lassen wollen, dass etwas aus politischen Gründen abgesagt werden muss.“

Deutsche Selbstverständlichkeit wird von Iran nicht akzeptiert

Die iranischen Spielerinnen werden offenbar mit vagen Versprechungen hingehalten. Einige berichteten gestern auf Nachfrage dieser Zeitung, das Spiel sei nur verschoben worden und könne in einigen Wochen doch noch stattfinden. Andere sprachen sogar von einem Termin in der nächsten Woche. Doch Ayat Najafi hat wenig Hoffnung: „Wir müssen nun leider erkennen, dass unser Spiel im vergangenen Jahr kein wirklicher Sieg über die Strukturen und Repressionen in Iran war; es hat die schlimmen Entwicklungen in meinem Land lediglich für neunzig Minuten vergessen lassen.“

Die wahren Gründe der Absage sind also klar: Die Ayatollahs und die iranische Regierung um Präsident Ahmadineschad verbieten iranischen Frauen, in der Öffentlichkeit Fußball zu spielen. Die dortigen Spielerinnen trainieren normalerweise in geschlossenen Räumen und dürfen sich im Freien nur mit einem speziellen weiten Trainingsanzug und Kopftuch sehen lassen. Ihre deutschen Gastgeberinnen hatten geplant, anders als bei dem Spiel in Teheran selbst in kurzer Sportbekleidung aufzulaufen und auch Männer als Zuschauer im Stadion zu dulden. Diese deutsche Selbstverständlichkeit wird von Iran nicht akzeptiert.

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