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Interview Wolfgang Maier: „Eine zweite Martina Ertl sehe ich nicht“

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Wolfgang Maier ist die Hälfte seines Lebens Ski-Trainer. 40 Jahre alt, 20 Jahre Coach. Wie kein anderer personifiziert der Berchtesgadener die Leidenschaft für den Skisport: „Ich komme als erster und gehe als Letzter.“ Diese Einstellung vermisst der Mann mitunter im deutschen Nachwuchs. „Viele sind da lange nur mit runter gerutscht.“

Die jüngsten WM-Erfolge von Martina Ertl und Hilde Gerg haben ihn überwältigt. „Das war für beide einzigartig“, sagt der Damen-Cheftrainer im Gespräch mit FAZ.NET, „aber eine zweite Martina Ertl sehe ich nicht.“ Mehr Effekt würde sich Wolfgang Maier von dem Beirat mit Markus Wasmaier und Armin Bittner wünschen. Seine Kritik: „Die haben keine klare Linie.“

Ganz vorne stehen Martina Ertl, Hilde Gerg und Petra Haltmayer. Sie sorgen für die Platzierungen und die Medaillen. Aber wie steht es um den Nachwuchs, die zweite Reihe?

Mit Abstrichen zähle ich Sibylle Brauner, Regina Häusl auch zu den ersten Fünf. Doch es gibt noch einige, die genießen die gleiche Förderung. Ich habe da welche im Sog, die nie Verantwortung übernehmen. Ich rechtfertige mich dann immer für die gleichen. Wir haben die Trainer ausgewechselt, das Training geändert, die Uniklinik Freiburg kooperiert mit uns, wir haben im Umfeld Neuerungen eingeführt. Irgendwann kommt der Punkt, an dem auch der Athlet gefragt ist. Die jungen Leute werden Juniorenweltmeisterin, kommen dann aber später bei den Damen als Zwanzigste an. Das kann nicht unser Ziel sein.

Hilde Gerg hat extrem hart an ihrem Comeback gearbeitet. Vermissen sie diesen Ehrgeiz bei den Jüngeren?

Der Skiport ist immer mehr zum Ganzkörper-Sport geworden. Der Rumpf wird viel stärker beansprucht. Erst recht durch die Anforderungen mit den taillierten Skiern. Wenn man Bilder von vor fünf Jahren siehst, denkst du doch, da fahren Oma und Opa runter. Ich habe drei Jahre lang zugeschaut, es war meine einzige Chance, die Läufer in die Pflicht zu nehmen. Sie werden von der Regierung mit Geldern gefördert, von der Wirtschaft unterstützt, sie bekommen ja auch mal einen Audi. Das alles nehmen sie gerne an. Dann kann ich nicht mit einem Platz 25 zufrieden sein. Ich musste klare Signale setzen und den leistungsorientierten Gedanken vermitteln.

Das hat ihnen auch Kritik eingebracht.

Ja, es hieß, der Maier kritisiere seine Leute. Aber wenn die nicht gut genug sind? Dann hieß es, wer nicht hören will, muss fühlen. Ich bin für die sportliche Linie verantwortlich, sogar die Eltern der Sportler haben zugegeben, dass ich sie gar nicht in die Pfanne gehauen habe. Dann hat sich das ja auch gebessert: Früher sind sie nur den Berg runtergerutscht, dann haben sie sich plötzlich bewegt. Ich will, dass die Läuferinnen an ihr persönliches Maximum gehe. Wenn sie alles gegeben haben, ist mir egal, ob sie Erster oder Zwölfter ankommen. Wenn ich einen Flug nicht buche, die Pisten nicht bestelle, kriege ich auch einen drauf. Ich komme als Erster und gehe als Letzter - das erwarte ich von meinen Mädels.

Wer wird der neue Star bei den Damen?

Eine zweite Martina Ertl sehe ich nicht. Marina Huber oder Stefanie Wolf haben ein riesiges Potenzial. Aber das Problem ist: Mit Talent reicht es nur zu Rang 20. Den Rest musst du dir hart erarbeiten. So wie Hilde Gerg, die hat ihr ganzes Leben dafür geschuftet.

Könnte dem deutschen Skiverband da nicht noch von anderer Seite Hilfe zuteil werden? Im DSV-Beirat sitzen mit Markus Wasmaier, Armin Bittner und Christian Neureuther kompetente Leute. Was bringt das den Trainern?

Zu wenig. Der Beirat muss sich klar werden, was er will. Ich würde mich freuen, es käme einer und würde mir Hilfestellung geben. Würde sagen, das ist richtig und das ist verkehrt. Ich stelle mich und lasse über alles mit mir reden. Doch im Beirat sind verschiedene Individuuen, da ist noch keine Linie drin.

Liegt das nicht auch am Skiverband?

Nein, nein. Der Verband hat die Tür aufgemacht. Jetzt sind die Beiratsmitglieder an der Reihe, daraus etwas zu machen. Sie müssen das mit Leben ausfüllen. Ich wäre auch bereit, mich an einen runden Tisch mit denen zu setzen. Das habe ich dem Armin Bittner auch gesagt. Die müssen jetzt etwas machen.

Der DSV wähnt sich nach der WM sicherlich wieder in einer besseren Position. Wie fällt ihre Halbzeitbilanz aus?

Die kann nur positiv ausfallen, das Ergebnis spricht für uns. Wie Hilde Gerg zurück gekommen ist, nach so einer Verletzung unter die ersten Drei zu fahren, war für sie ein persönlicher Sieg. Und Martina Ertls Comeback war so wichtig, weil sie bisher immer die Kronprinzessin war. Für beide war die Ski-WM einzigartig.

Gerade von Martina Ertl war das ja nicht zu erwarten.

Natürlich hat man sich gefragt, was ist mit Janica Kostelic los. Die ist im Slalom einfach perfekt. Und dann macht sie einen Fehler, den sie die letzten zwei Jahre nicht gemacht hat. Dann hat Martina Ertl einfach die Ski laufen gelassen. Sie ist jetzt auch im Slalom und Riesenslalom im Kreis der Medaillenanwärter, nur sollten wir sie nicht auf diese Plätze fixieren.

Das Gespräch führte Frank Hellmann

Quelle: @ad
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