09.01.2003 · Wilfried Spronk, Macher des Münchner Sechstagrennens, wehrt sich gegen eine vermeintliche Krise der Sixday-Veranstaltungen.
Stecken die Sechstagerennen in der Krise? Wilfried Spronk, Chef der Olympiapark GmbH und Ausrichter der Münchner Sixdays, wehrt sich gegen diesen Eindruck. Im Gespräch mit FAZ.NET räumt der frühere Radsport-Funktionär indes Handlungsbedarf ein.
In dieser Wintersaison werden nur noch an acht Standorten Sechstagerennen veranstaltet. Die Rezession hat auch die Sixdays erfasst?
Nein, das sehe ich anders. Es hat auch in unserem Geschäft immer ein leichtes Auf und Ab gegeben.
Aber auch in München waren im November 2002 die Zuschauerzahlen rückläufig.
Wir hatten einen leichten Rückgang von 76.000 auf 73.000 Zuschauern. Dennoch haben wir höhere Einnahmen erzielt, weil sich der Werbemarkt positiv entwickelt hat und wir die teureren Karten besser verkauft haben. Deshalb haben wir wieder ein gutes Plus erwirtschaftet.
Also sind die Klagen unberechtigt?
Wir sollten nicht jammern. In Zürich gibt es kein Rennen mehr, weil es Probleme mit der Halle gab und der Abwärtstrend sich seit Jahren abzeichnete. In Kopenhagen ist das Dach eingestürzt. Das ist tragisch. Aber ich sehe kein Grund, einen Abgesang auf die Sixdays zu formulieren. Statt dessen sollten wir darüber nachdenken, was wir verbessern können.
Was denn?
Der Nachwuchsbereich macht mir Sorgen. Wer kommt denn danach? Wir müssen die guten Bahnfahrer wieder zu den Sechstagerennen bewegen. Sonst bekommen wir Probleme. Die Straßenfahrer früher, wie etwa Siggi Renz, die waren auf das Salär angewiesen, dass sie bei den Sixdays verdienen konnten. Damals haben die Straßenfahrer noch keine Riesengage bekommen.
Mario Cipollini ist doch auch in München gefahren?
Damals ist er sogar bei mir durchgefahren. Aber wenn ich ihn heute frage, hat er keinen Bock darauf. Und er hat es auch finanziell nicht mehr nötig.
Es heißt, die Stars vom Team Telekom dürften keine Sixdays mehr fahren.
Ich habe die Information, dass es ihnen freigestellt ist. Aber da kamen ja ohnehin nur Erik Zabel und Rolf Aldag in Frage. Und Erik Zabel, der das ganze Jahr Vollgas gibt, ist die große Ausnahme. Es gibt ja kaum einen Straßenfahrer, der bei diesen Anforderungen mitfahren kann. Der hat dann nach zwei Tagen 14 oder 18 Runden Rückstand und das Publikum wundert sich, so dass man den eigentlich aus dem Programm nehmen müsste.
Der Weltverband UCI gilt nicht gerade als Freund der Sixdays.
Ich weiß auch nicht, warum UCI-Präsident Hein Verbruggen uns als Konkurrenz ansieht. Es werden Wettbewerbe bei einer WM über Distanzen veranstaltet, die nicht den Sechstageprofis entgegenkommen. Umgekehrt hat es oft für uns keinen Sinn gemacht, einen guten Bahnfahrer zu holen, weil der so weit hinterhergefahren ist. Dabei müssten wir eigentlich zusammenarbeiten: Wenn es keine Sechstagerennen mehr gibt, bekommt der ganze Bahnradsport große Probleme.
Warum? Der Bahnradsport braucht die Sechstagerennen als Bühne?
Unbedingt. Wir müssen alle begreifen, dass Sport heute Show ist. Bei einer Bahnrad-WM sitzen in einer kleinen Halle ein paar Experten. Aber erst beim Sechstagerennen haben die Leute die Erlebnis-Veranstaltung, die sie brauchen. Weil Kopenhagen ausfällt, sind die Berliner auf die Idee gekommen, ihr Rennen mit den „Siegern der Saison“ zu bestreiten. Das sind die richtigen Wege.
Das klingt sehr zuversichtlich?
So müssen wir auch denken. Wir brauchen wieder mehr Sechstagerennen. In Hamburg wird es nicht klappen, aber warum nicht in Kiel. Umso mehr Gelegenheiten gibt es auch für die Fahrer, Geld zu verdienen.
Wann sollen derlei Ideen umgesetzt werden?
Nach dem Sechstagerennen in Moskau treffen alle internationalen Veranstalter zusammen. Da wird einiges zur Sprache kommen. Und wir müssen über unser Verhältnis zum Weltverband reden.