31.05.2002 · Am 31. Mai ist Weltnichtrauchertag. Das diesjährige Motto: „Smokefree Sports“. Was steckt hinter diesem Motto? Ein FAZ.NET-Interview.
Am 31. Mai ist Weltnichtrauchertag. Gerade in Deutschland kann man ihn gut brauchen: der deutsche Zigarettenmarkt ist mit 174,5 Milliarden gerauchter Zigaretten (2001, plus 500 Mio gegenüber 2000) einer der größten weltweit. Das diesjährige Motto lautet: „Smokefree Sports“. Was steckt hinter diesem Motto?
Und was hat die „Koalition gegen das Rauchen“, eine auf heute 80 Organisationen angewachsene Aktionsgemeinschaft, in den zehn Jahren ihres Bestehens erreicht? Ein FAZ.NET-Interview mit Dr. Anja Leppin, Privatdozentin an der der Uni Bielefeld (Fakultät Gesundheitswissenschaften) und Mitglied im Expertengremium der Nichtraucherbewegung.
Sind rauchende Sportler heute ein größeres Problem als die Nikotinsucht der unsportlichen Normalbevölkerung?
Nein, ganz so ist es sicherlich nicht. Vor allem US-amerikanische Studien zeigen eindeutig, dass Personen, die sich intensiv sportlich betätigen, seltener Raucher sind als sportlich inaktive Menschen. Aber umgekehrt gilt eben auch, was Umfragen der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung gezeigt haben: viele, die Sport treiben, lassen das Rauchen ganz konkret deshalb sein, weil es die die physische Fitness und die körperliche Leistungsfähigkeit beeinträchtigt.
Insofern eignet sich der Sport als Mittel präventiver Arbeit gegen das Rauchen. Gleichzeitig gibt es aber auch unter denen, die sportlich aktiv sind - und dies gilt gerade für Jugendliche - einen beträchtlichen Anteil, der gelegentlich oder regelmäßig zur Zigarette greift. Damit ist also der Sport in doppelter Hinsicht von Bedeutung für unsere Arbeit gegen das Rauchen.
Direkten Einfluss auf die Raucher haben vor allem ihre Hausärzte. Laut einer Umfrage der Universität Bern unter knapp 1000 Rauchern wird jedoch nur ein Drittel unter ihnen vom Arzt dazu ermahnt, das Rauchen aufzugeben.
Ärztliche Ermahnungen allein reichen sicher nicht aus. Außerdem führen die bedrohlich wirkenden Informationen über die ohnehin bekannten Gefahren des Rauchens eher zu Abwehrreaktionen. Stattdessen sollten Ärzte und Ärztinnen betonen, wo die persönlichen gesundheitlichen Vorteile des Nichtrauchens liegen: dass schon zwei bis vier Wochen nach der letzten Zigarette die Lungenfunktion beginnt besser zu werden, Kurzatmigkeit und Husten langsam nachlassen, und nach einem Jahr das Risiko einer koronaren Herzerkrankung nur noch halb so groß ist wie vorher.
Darüber hinaus ist die psychologische Unterstützung wichtig: das Gespräch über die Gründe eventuellen Scheiterns und gemeinsame Überlegungen, was man besser machen kann. Solche Beratung sollte im Übrigen auch Eingang in die medizinische Ausbildung finden.
Die „Koalition gegen das Rauchen“- mit heute 80 Mitgliedern, darunter Kliniken, Krankenkassen, Gesundheitsverbände - ist genau zehn Jahre alt. Was hat sie bisher erreicht?
Ein zentraler Schwerpunkt ist der Informations- und Erfahrungsaustausch untereinander - auf Tagungen oder im Internet. Entscheidender noch sind aber die Information der Öffentlichkeit über die Medien und die politische Lobbyarbeit, unter anderem zu Themen wie Nichtraucherschutz oder Werbeverbote für die Tabakindustrie. Dadurch ist es der Koalition gelungen, das Thema „Rauchen“ immer wieder in die öffentliche Debatte einzubringen.
Daneben gibt es eigene Projekte und Kampagnen, zum Beispiel das WHO-Partnerschaftprojekt „Quit und Win 2002“ in Zusammenarbeit mit der Bundeszentrale für Gesundheitliche Aufklärung. Hier geht es darum, möglichst viele Raucherinnen und Rauchen dazu zu bringen, mindestens einen Monat pro Jahr (nämlich im Mai) nicht zu rauchen. Dass dies in nennenswertem Umfang möglich ist, haben Evaluationen der letztjährigen Kampagne gezeigt.
Die Ziele sind mehr Prävention, mehr Ex-Raucher, mehr Schutz für Passivraucher. Was will die Koaltion noch?
Seit Jahren setzt sich die Koalition auch dafür ein, dass die Kosten besonders für die präventive Arbeit aus der Tabaksteuer finanziert werden, analog zur Mineralölsteuer, die ja auch für Investitionen im Verkehrsbereich zweckgebunden ist.
Mit welchem Erfolg?
Eine solche grundsätzliche Regelung ist bisher leider nicht in Sicht. Stattdessen hat das Gesundheitsministerium vor kurzem einen Vertrag mit der Tabakindustrie geschlossen, der vorsieht, dass ein Prozent der jährlichen Investitionen für Tabak-Werbung und Promotion in die Prävention fliessen sollen.
Diese - auf den ersten Blick vielleicht positiv erscheinende - Vereinbarung ist von der Koalition heftig kritisiert worden, da zu befürchten ist, dass der ohnehin nicht geringe Einfluss der Tabakindustrie auf die Politik gerade in Deutschland dadurch eher noch vergrößert wird. Aus gutem Grund haben deshalb andere Länder wie Holland in Übereinstimmung mit Forderungen der WHO solche Angebote abgelehnt.