14.06.2002 · Einem Wechsel zum Hamburger SV als Sportdirektor hat er eine Absage erteilt. Oliver Bierhoff, dessen Karriere-Ende naht, hat sich vorgenommen, „die WM zu genießen“.
Oliver Bierhoff wird sich aus der Nationalmannschaft nach dieser WM verabschieden. 66 Länderspiele und 37 Tore stehen bislang als stolze Bilanz zu Buche. Die womöglich letzten Tage seiner Karriere will er mit einer positiver Stimmung genießen. Eine Zukunft als Sportdirektor des Hamburger Sv sieht er kurzfristig nicht.
Es heißt die Stimmung der Mannschaft sei gut, die von Oliver Bierhoff schlecht. Ist dem so?
Die Überzeugung in der Mannschaft ist groß, dass wir gegen Paraguay weiterkommen. Vor dem Turnier haben wir geflachst, dass wir ins Finale kommen, jetzt wird darüber ernster geredet. Die Stimmung ist wirklich gut. Und auch ich habe mir jetzt fest vorgenommen, eine positive Stimmung zu erzeugen. Ich möchte es genießen. Und nicht hier griesgrämig herum laufen oder Ärger mit mir herumschleppen.
Haben Sie verstanden, warum Sie nicht gespielt haben?
Gegen Kamerun hatte ich Verständnis, dass ich nicht hereinkomme. Klar hätte ich gerne einen Stammplatz. Aber ich habe nie gegen einen Konkurrenten gestichelt, so wie es dargestellt worden ist. Fakt ist: Ich habe mich in der Vorbereitung aufgedrängt, fühle mich in Form und war der Meinung, dass ich gegen Saudi-Arabien von Beginn an hätte spielen müssen.
Werden Sie ungeduldig?
Es war für mich vor der WM klar, dass ich nicht hundertprozentig Stammspieler sein würde. Aber ich kann geduldig sein, ich kann warten. Das habe ich oft genug in meiner Karriere gezeigt. Auch bei der EM 1996. Jedes Spiel, in dem wir weiterkommen, ist auch für mich eine Hoffnung, dass ich spiele. So schlecht ist meine Bilanz ja nicht: Ich habe bisher 35 Minuten gespielt und ein Tor gemacht.
Die Bilanz von Miroslav Klose ist besser.
Er hat die Initialzündung bekommen, die für so ein großes Turnier wichtig ist. Er hat das nötige Quäntchen Selbstvertrauen. Er bringt sehr viel mit : ein großes Talent und eine wunderbare Kopfballtechnik. Die Familie gibt ihm viele Tipps, er hat mit Michael Becker einen guten Berater, so dass seine Karriere einen guten Lauf nimmt. Auch bei einem Topverein wird er die Ambitionen und Erwartungen gut meistern. Nur der Trubel um ihn ist ihm derzeit gar nicht so recht.
Ist er ein Konkurrent?
Nein, sehe ich nicht. Es heißt ja immer, Klose und Neuville auf der einen oder Jancker und Bierhoff auf der anderen Seite.
Also spielen Sie am Samstag neben Klose?
Ich habe noch keinen Hinweis vom Teamchef.
Es gab Hinweise, dass Sie als Spieler oder Sportdirektor zum Hamburger SV wechseln wollen?
Ich kann es jetzt sagen: Ich schließe aus, dass ich in den nächsten drei oder vier Jahren als Spieler oder Sportdirektor in die Bundesliga zurückkehre.
Warum?
Weil ich andere Ziele habe. Ich möchte einen gewissen Abstand vom Fußball haben. Ich bin zu lange fremd bestimmt worden. Es wird Zeit, dass man einmal aus der Mühle rauskommt. Sportdirektor beim Hamburger Sv zu sein, ist sicherlich die interessanteste Aufgabe der Bundesliga. Ein tolles Umfeld, eigenes Stadion, eine Mannschaft die viel besser ist, als sie platziert war. Nur dann habe ich wieder eine 60-Stunden-Woche. Ich brauche nach dem Ende der Karriere einfach Abstand. Vielleicht spiele ich aber auch noch ein Jahr.
Wann fällt die Entscheidung?
In den nächsten Tagen oder Wochen. Es wird eine Bauch-Entscheidung. Ich kann das auch geographisch nicht eingrenzen. Es gibt drei Aspekte für mich: den sportlichen, finanziellen und menschlichen Bereich. Ich kann mir nicht vorstellen, dass ich zu einem sportlich interessanten Club gehe, wenn das Geld nicht stimmt und es menschlich nicht passt. Vielleicht mache ich was, wo mir einfach das Land passt.
Würde ihnen Korea passen?
Das Quartier in Korea ist zwar schön und fein, uns fehlt es an nichts. Ich habe aber den Eindruck, die meisten Menschen hier verstehen uns nicht. Sie haben ein Obrigkeitsdenken, dass mich irritiert. Hier wird nichts gemacht, was nicht von oben freigegeben ist.