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Interview Markus Babbel: "Glaube an mein Comeback"

Im Interview mit FAZ.NET spricht der deutsche Fußballer vom FC Liverpool über seine Nervenerkrankung, seine Gefühle und die Heilungschancen.

© dpa Vergrößern Schwer erkrankter Markus Babbel: „Gehe an meine Grenzen”

Markus Babbel vom FC Liverpool leidet unter dem Guillain-Barré-Syndrom, einer schweren Nervenerkrankung. Vor knapp drei Wochen begannen die Reha-Maßnahmen in der Neurologischen Klinik Bad Aibling.

Mühsam quält er sich jeden Tag, um eines Tages wieder Fußball spielen zu können. Nach anfänglichen Schwierigkeiten geht es langsam bergauf. Nachdem vor zwei Monaten noch seine Hände und Beine, ab dem Knie abwärts, taub waren, fehlt ihm zurzeit nur noch in den Füßen das Gefühl.

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Hilfe erfährt er von Freunden, seiner Familie und auch seinem Klub. Der FC Liverpool hat unlängst den Vertrag mit Babbel bis 2006 verlängert - ungeachtet der gesundheitlichen Probleme. Erstmals nach seiner Entlassung aus dem Krankenhaus, sprach der Ex-Nationalspieler jetzt über die Krankheit, seine Gefühle und die Heilungschancen.

FAZ.NET: Herr Babbel, lange war von Ihnen nichts zu hören. Die letzten Bilder sahen wir im Dezember vor Weihnachten und die waren doch recht erschreckend. Sie saßen im Rollstuhl und konnten kaum laufen. Wie geht es Ihnen mittlerweile?

Babbel, Rollstuhl © dpa Vergrößern Aus dem Rollstuhl zurück auf den Rasen: Markus Babbel plant sein Comeback

Babbel: Viel besser. Es ist toll zu sehen welche Fortschritte ich gemacht habe. Heute kann ich ohne fremde Hilfe schon wieder gehen. Damals im Dezember waren drei Treppenstufen mit zwei Helfern an meiner Seite das Maximum. Jetzt kann ich alleine aus dem Untergeschoss der Rehaklinik bis in den dritten Stock über die Treppe gehen. Das geht zwar nur relativ langsam, und wenn ich ankomme, bin ich total erschöpft, aber es geht, und das ist wichtig.

Wie sieht zur Zeit Ihr Reha-Programm aus?

Ich absolviere hier schon ein knochenhartes Programm. Jeder Normalbürger würde zwar über die Anforderungen lachen, aber ich gehe dabei mehrmals am Tag an meine Grenzen. Das geht über Koordinations- und Kräftigungsübungen bis hin zu Strombädern und Arbeit auf dem Laufband. Mittlerweile schaffe ich schon zwei Kilometer pro Tag. Vor einigen Wochen war an solche Dinge noch überhaupt nicht zu denken.

Trotzdem haben Sie noch dieses Taubheitsgefühl in Ihren Füßen. Wie können wir uns das vorstellen: Laufen ohne seine Füße zu spüren?

Für mich ist es im Moment gar nichts Besonderes mehr, weil ich da langsam reingewachsen bin. Vorher war ja alles ab der Knie taub. Vielleicht trifft es aber der Vergleich mit den eingeschlafenen Füßen. Es ist natürlich schon komisch und es ist auch ein Lernprozess mit diesen Füßen zu laufen, aber mit Training gewöhnt man sich daran.

Am 28. November wurde bei Ihnen das GBS-Syndrom diagnostiziert. Wie sind Sie selbst darauf aufmerksam geworden, dass etwas nicht stimmt?

Es hat angefangen mit Zehenkribbeln, wie bei Durchblutungsstörungen. Zunächst habe ich mir keine großen Gedanken gemacht. Ich habe gefragt, ob das normal ist und man hat mir gesagt, das sei in drei Wochen wieder weg. Doch dann wurde es immer schlimmer. Ich hatte plötzlich größte Mühe, in meinem Haus die Treppen hochzukommen. Das ging nur noch mit extremer Unterstützung der Arme, von den Beinen kam überhaupt nichts mehr. Zum Glück bin ich gleich zum richtigen Arzt gegangen - Professor Haberl vom Krankenhaus in Harlaching. Er hat die Krankheit glücklicherweise sofort erkannt

Jetzt hatten Sie gerade eine schwere Krankheit auskuriert - das Pfeiffersche Drüsenfiber - und standen kurz davor wieder in das Fußballgeschehen einzugreifen. Wie haben Sie diesen Schock verkraftet und wie oft haben Sie sich gefragt: warum eigentlich ich?

Ich stand bis jetzt immer auf der Sonnenseite des Lebens. Mit dem FC Liverpool hatte ich gerade eine super Saison gespielt. Bis dahin hatte ich auch immer sehr viel Glück mit meiner Gesundheit, daher habe ich mich nie gefragt, „warum gerade ich?“. So etwas passiert nun mal. Ich denke positiv. Ich kann nun ein Jahr länger Fußball spielen, weil ich jetzt ein Jahr Pause hatte.

Stecken Sie die Schicksalsschläge wirklich so locker weg, hatten Sie nie Bedenken?

Ja schon. Nachdem meine Krankheit auch in der Öffentlichkeit bekannt wurde, bekam ich drei bis vierhundert Briefe von anderen Patienten mit dem Guillain-Barré-Syndrom. Aber als ich die ersten zwei Briefe gelesen hatte, verging mir die Lust weiterzulesen, denn das waren ganz schöne Horrorgeschichten. Die Patienten schrieben von ihren Erlebnissen mit dem GBS-Syndrom. Das ging von kompletter Lähmung über Blutwäsche bis hin zu Leuten, die nicht wieder komplett gesund wurden. Da ist mir erst bewusst geworden, wie schwer diese Krankheit ist und ich hatte schon heftigen Bammel. Aber bei mir ist es glücklicherweise nicht ganz so schlimm.

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Veröffentlicht: 05.02.2002, 23:00 Uhr

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