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Interview „Ich werde meinen Stil nicht ändern“

 ·  Jens Nowotny wieder verletzt, die Mannschaft im Abstiegskampf - Trainer Klaus Toppmöller über Wege aus der Krise für Bayer Leverkusen.

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Darf er bleiben und Bayer Leverkusen aus der Krise führen? Oder verliert er seinen Job, weil der sportliche Absturz der Überraschungsmannschaft des vergangenen Jahres ungebremst weitergeht?

Im F.A.Z.-Interview spricht Trainer Klaus Toppmöller über die schwere Verletzung von Jens Nowotny, eigene Fehler und Strategien zur Bewältigung der Krise.

Es stürzt in diesen Tagen einiges auf Sie ein. Wie sehr hat sie die neue Verletzung von Jens Nowotny getroffen?

Es ist schrecklich für Jens persönlich und auch für uns als Verein. Denn er ist nun mal mein Kapitän, mein Führungsspieler. Aber es paßt in die Situation.

Nun müssen Sie mitten im Abstiegskampf auf Ihren wichtigsten Mitarbeiter verzichten. Was haben Sie Nowotny, was haben Sie der Mannschaft gesagt?

Ich habe ihm gesagt, daß er Geduld haben muß und daß er dann im Sommer einen Neuanfang mit uns gemeinsam macht. Die Mannschaft muß nun für ihn mitfighten. Das sind wir ihm alle schuldig, weil er sich so zurückgequält und sofort zur Verfügung gestellt hat, als die medizinische Abteilung grünes Licht gab. Das zeigt alles über den Einsatzwillen für den Verein. Da muß jetzt jeder auch für ihn die Prozentpunkte draufpacken, um noch eine einigermaßen gute Saison zu spielen.

Trotzdem benötigen Sie offensichtlich Verstärkung, um die sich der Verein auch bemüht. Haben Sie einen Kandidaten, der vielleicht schon am Sonntag in Dortmund mitspielen kann?

Dazu sage ich nichts. Aber daß wir an einem Transfer stricken, versteht sich ja von alleine. Wir haben in der Abwehr noch andere Probleme. Lucio fällt noch zwei Monate aus, und Juan war auch oft verletzt.

Dennoch stehen Sie viel schlechter da, als es jeder für möglich gehalten hat. Welchen Vorwurf müssen Sie sich selbst machen?

Ich habe doch schon gegen Ende der vorigen Runde zigmal gesagt, daß wir in der nächsten Saison ordentlich Schläge bekommen, weil wir die Meßlatte so hoch gelegt haben. Ballack und Zé Roberto gingen, Nowotny fiel mindestens ein halbes Jahr aus, Kirsten läßt die Karriere ausklingen - da fehlen vier absolute Kracher aus einer Mannschaft, die über ihre Verhältnisse gespielt hat. Dazu hatten wir immer wieder sehr viele Verletzungen. Wir konnten nie mit einer eingespielten Mannschaft antreten.

Trotzdem hat Bayer-Manager Calmund erklärt, all das dürfe kein Alibi mehr sein. Das Potential sei da. Was stimmt also? Die Mannschaft hat nicht einmal ansatzweise an frühere Spielstärke angeknüpft. Haben Sie die Entwicklung unterschätzt?

Daß es so schlimm nach unten geht, konnte man nicht erwarten.

Aber es geht ja offensichtlich weiter, trotz der Vorbereitung in der Winterpause. Haben Sie eine Erklärung dafür?

Wir konnten nie die komplette Mannschaft stellen, die erfolgreich spielen könnte. Jetzt fehlte gegen Cottbus die gesamte Kreativabteilung mit Schneider und Bastürk.

Was Sie aber schon vor Weihnachten wußten, weil beide gesperrt waren. Warum ist es Ihnen nicht gelungen, dem restlichen Team eine Struktur zu vermitteln?

Wir haben Cottbus ja pausenlos unter Druck gesetzt. Nur haben wir nicht die Möglichkeiten gefunden, uns so zu Torchancen freizuspielen, wie es normalerweise der Fall ist, wenn alle spielen können.

Liegt es auch daran, wie einige in der Klubführung vermuten, daß viele Spieler den Blick immer noch nach oben richten und nicht begreifen, daß nun Grundlagenarbeit gefordert ist?

Vielleicht hätte ich die Erwartungshaltung noch mehr relativieren können. Mit Bayern und Dortmund konnten wir nicht mithalten, klar. Aber man geht ja auch positiv in eine Saison. Wir stehen jetzt auf einer Position, wo wir einfach nicht hingehören. Mit einem kompletten Kader spielen wir in anderen Regionen. Aber jetzt muß jeder begreifen: Es geht nur noch gegen den Abstieg.

So haben sie schon vor sechs Wochen gesprochen - und sind keinen Schritt weiter. Was können Sie noch tun?

Arbeiten, arbeiten, arbeiten. Aggressiv spielen. Im Training die Zweikampfstärke holen. Auch mal aus der Distanz schießen, wenn man mit spielerischen Mitteln gegen Mannschaften wie Cottbus nicht durchkommt.

Sie haben also nach wie vor das Gefühl, daß Sie den Spielern die nötige Einstellung vermitteln können?

Da werden nun von außen plötzlich Gründe gesucht: Ist er zu nahe an der Mannschaft, redet er zuviel mit den Spielern? Das war im letzten Jahr noch Erfolgsgeheimnis, und jetzt ist das alles verkehrt. Meinen Stil werde ich nicht ändern. Ich kann die Jungs doch jetzt nicht links liegen lassen. Ich will, daß jeder einzelne besser wird.

Viel Zeit wird Ihnen nicht gegeben. Sie selbst haben von vier Spielen gesprochen - und sich damit, wie es bei Bayer heißt, unnötig ein Damoklesschwert über den Kopf gehängt. Sehen Sie das auch so?

Das kann jeder sehen, wie er will - ich sehe das anders. Wir können schon im nächsten Spiel gegen den amtierenden deutschen Meister einiges an Image zurückgewinnen.

Das Interview führte Jörg Stratmann

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