Home
http://www.faz.net/-gtl-qx8y
HERAUSGEGEBEN VON WERNER D'INKA, BERTHOLD KOHLER, GÜNTHER NONNENMACHER, FRANK SCHIRRMACHER, HOLGER STELTZNER

Interview „Ich fahre, bis ich die Tour gewonnen habe“

24.07.2005 ·  Für Jan Ullrich geht die dreiwöchige „Leidensfahrt“ mit einem Happyend zu Ende - und er kündigt einen neuen Anlauf auf den Tour-Thron an. 2006 will er beim bedeutendsten Radrennen der Welt noch einmal ganz vorn sein.

Artikel Bilder (1) Interaktiv (1) Lesermeinungen (0)

Für Jan Ullrich geht die dreiwöchige „Leidensfahrt“ mit einem Happyend zu Ende - und er kündigt einen neuen Anlauf auf den Tour-Thron an. 2006 will er beim bedeutendsten Radrennen der Welt noch einmal ganz vorn sein.

Jan Ullrich, Sie haben durch den zweiten Platz im Zeitfahren noch den Sprung auf das Podium geschafft. Wie fällt Ihr Fazit aus?

Ich bin total happy über Platz drei. Für mich war das nach all den Stürzen und Verletzungen eine sehr, sehr gute Tour. Ich hätte jetzt auch im Krankenhaus liegen können, statt dessen stehe ich auf dem Podium. Gesundheit zählt für mich mehr als der Sieg. Das soll aber nicht heißen, daß ich nicht heiß auf den Sieg bin. Ich habe gekämpft bis aufs Messer. Mehr war nicht drin. Ich kann mir nichts vorwerfen.

Interview mit Bjarne Riis: „Jan Ullrich fehlt die Angriffslust“

Sie sprechen die Stürze an. Hätten Sie denn ansonsten zum Beispiel mit Ivan Basso mithalten können?

Ich wäre auf jeden Fall näher dran gewesen. Beim Prolog, als ich von Armstrong eingeholt wurde - das war ich nicht. Da bin ich mit einer Gehirnerschütterung reingegangen. Natürlich hat mich das behindert. Dann hatte ich noch diesen schweren Sturz, als ich mich dreimal überschlagen habe. Mir schmerzen immer noch die Rippen, ich hatte teilweise schlaflose Nächte. Ich wünsche keinem Gegner solche Schmerzen, das war Quälerei pur. Dazu kam in den Pyrenäen der Hungerast. Aber das sollen alles keine Ausreden sein. Ich bin einfach nur glücklich, daß ich bis zum Ende durchgekommen bin.

Manche Kritiker sagen, Sie hätten dennoch nicht Ihre Topform gehabt. Vor allem wäre seit der Tour de Suisse keine Steigerung zu verzeichnen gewesen.

Das stimmt nicht. Ich habe mich wahnsinnig gesteigert. Bei der Tour de Suisse lag ich noch hinter Michael Rogers. Den habe ich hier über eine Stunde hinter mir gelassen. Ich habe mich gut auf die Tour vorbereitet.

Im abschließenden Zeitfahren haben Sie gegen Armstrong knapp verloren. Wie sehr ärgert Sie das?

Ich bin schon ein wenig traurig, daß ich den großen Lance nur wegen ein paar Sekunden nicht schlagen konnte. Ich hatte mir das Rennen gut eingeteilt. Es ist eigentlich gut gelaufen.

Lance Armstrong holt den siebten Toursieg. Was zeichnet ihn so aus?

Erst einmal ein großes Kompliment an das Urgestein Armstrong: Chapeau! Ich hätte nie gedacht, daß einer auch nur sechsmal die Tour gewinnen kann. Lance ist immer auf den Punkt genau topfit gewesen. Er ist der Mann, der nie Schwächen zeigte. Er wird uns allen fehlen.

Werden Sie im nächsten Jahr wiederkommen?

Klar, die Tour ist das Größte, ich will noch einmal ganz vorne sein. Ich werde so lange fahren, bis ich noch einmal die Tour gewonnen habe.

Wird es im nächsten Jahr einfacher, wenn Armstrong nicht mehr dabei ist?

Es war schon in diesem Jahr so, daß es nicht nur Lance war, den es zu schlagen galt. Rasmussen ist für mich der Aufsteiger der Tour. Und Basso hat sich vor allem im Zeitfahren sagenhaft gesteigert.

Wie wichtig ist der erste Platz in der Teamwertung?

Sehr wichtig, dafür arbeiten wir das ganze Jahr. Der erste Platz zeigt, daß wir top drauf waren und alles gegeben haben. Da kann man keinen Fahrer ausnehmen. Das war eine dufte Truppe. Wir haben soviel gelacht wie noch nie.

Im nächsten Jahr wird Alexander Winokurow nicht mehr für T-Mobile fahren. Wie schwer wiegt der Abgang?

Mit Wino geht ein guter Freund und Topfahrer. Ich kann seine Entscheidung aber verstehen. Er will Kapitän in einem Team sein, wo acht Fahrer für ihn arbeiten. Das wäre bei uns nicht gegangen. Wir werden aber auch im nächsten Jahr eine gute Mannschaft haben. Ich denke, daß wir gute Leute eingekauft haben.

Werden Sie im August bei der Deutschland-Tour an den Start gehen?

Ja, denn ich fahre gern in Deutschland. Das ist immer beeindruckend, das sagen auch die ausländischen Fahrer. Wenngleich es für mich natürlich auch stressig ist. Aber wenn ich die Form mitnehmen kann, werde ich sicher eine gute Leistung bringen.

Quelle: FAZ.NET mit Material von sid
Hier können Sie die Rechte an diesem Artikel erwerben

  Weitersagen Kommentieren Merken Drucken
Weitersagen
Themen zu diesem Artikel

Ein Renner

Von Michael Wittershagen, Monte Carlo

Mit 43 Jahren beschleunigt Michael Schumacher noch einmal - sich und andere. Doch die Maschine zeigt ihm immer wieder Grenzen auf. Die Führung des Teams steht nun in der Verantwortung. Mehr