06.08.2001 · Wilfried Erdmann hat es geschafft: Nach 343 Tagen hat der 61-Jährige seine zweite Weltumseglung vollendet.
Von Uwe Jansen und Jochen Rieker, Autoren der Zeitschrift YACHTWilfried Erdmann ist zurück von einer Reise, die ihn fast ein ganzes Jahr auf dem härtesten Kurs rund um die Welt geführt hat. Schon den zweiten Törn um den Erdball hat der 61-Jährige geschafft. Im Interview der Zeitschrift „Yacht“ zieht der sturmgebeutelte Heimkehrer Bilanz:“ Es war an der Grenze.“
Herr Erdmann, vor mehr als drei Jahren haben Sie diese Fahrt in Gedanken begonnen. Empfinden Sie jetzt, da der Törn zu Ende geht, so etwas wie Trauer oder Wehmut?
Wehmut? Nein. Es reicht ja jetzt auch.
Sie haben bei der Abfahrt in Cuxhaven gesagt, dass dies Ihre letzte große Reise sei. Endet damit ein Lebensabschnitt für Sie?
Ich bin einfach nur froh. Es hat ja ganz schön gedauert. Ich hätte nie gedacht, dass wir so lange unterwegs sein würden.
Eigentlich wollten Sie einen Monat früher zu Hause sein.
Das hatte ich gehofft. Aber als die 320 Tage, die ich mir gegeben hatte, vorüber waren und wir noch so weit weg waren, das fiel mir schwer.
Seit wann wussten Sie, dass Sie es packen würden?
Ich wäre nicht losgefahren, wenn ich daran nicht von Anfang an geglaubt hätte. Aber ein paar Mal war's schon eng. Vor allem vor Kapstadt. Da hab ich meine Detailkarten rausgeholt, die ich für den Notfall dabei hatte, und mir vorgestellt, wie schön es wohl im Hafen wäre. Ich bin dann aber doch weiter. Ich habe gedacht: Ich muss da durch, deshalb bin ich ja da und mache das alles.
Wenn Sie jetzt Bilanz ziehen: War es unterm Strich eine Freude oder eine Qual?
Das war schon gut. Ich habe ja mehr glückliche Momente erlebt als schlechte.
Vor Ihrem letzten Nonstop-Törn hatten Sie sich schon gefragt, ob Sie mit 44 Jahren nicht zu alt seien. War es jetzt, mit 61, nicht noch viel härter?
Es war an der Grenze. Aber ich will nicht klagen. Ich habe mir das gewünscht. Ich wollte noch einmal etwas ganz Besonderes machen.
Ist Ihre Sehnsucht nach langen Schlägen damit gestillt?
Ja, jetzt sind mal andere an der Reihe. Ich hoffe, da gibt es welche. Wir sind ja weit weg von den großen Ozeanen. Die Engländer und Franzosen haben es da besser. Wenn ich mir vorstelle, die brauchen nur einen Tag zu segeln und sehen schon dieses schöne tiefe, blaue Wasser.
„Kathena nui“ hat Sie zwei Mal sicher um die Welt getragen. Ist sie das ideale Schiff für Sie?
Ich habe mir manchmal ein größeres Boot gewünscht. Nicht so sehr wegen der Geschwindigkeit, aber wegen des Lebensraums und der Bewegungen. Im Southern Ocean habe ich nur die Mittagspositionen genommen, weil alles andere zu viel Arbeit gemacht hätte. Das schräge Hängen vor dem Kartentisch, das hat einmal am Tag gereicht.