Die Krönung blieb dem besten Basketballer bei der Europameisterschaft in der Türkei verwehrt. Dirk Nowitzki verlor am Samstagabend mit der deutschen Nationalmannschaft im Halbfinale gegen die Gastgeber hauchdünn nach Verlängerung, im Spiel um Platz drei am Sonntag dann knapp gegen Spanien.
Aber auch ohne die erhoffte Medaille profilierte sich der NBA-Star von den Dallas Mavericks, der zum Abschluss gegen die Iberer noch einmal sagenhafte 43 Punkte erzielte, in Antalya und Istanbul als stärkster Allrounder unter und um den Korb.
Im Gespräch mit FAZ.NET schilderte der 23-Jährige seine türkischen Impressionen - und mehr.
Herr Nowitzki, vor zwei Jahren waren Sie bereits mit der deutschen Nationalmannschaft bei der Europameisterschaft in Frankreich dabei. Damals belegte das Team den 7. Platz. Was hat sich seitdem verändert?
Dirk Nowitzki: Die ganze Mannschaft ist besser geworden als vor zwei Jahren. Die jungen Spieler haben sich weiterentwickelt - und klar, ich bin auch reifer geworden als Spieler und als Mensch. Natürlich bin ich jetzt mit 23 Jahren besser als damals mit 21.
In Deutschland soll die Leistung der Mannschaft eine Welle der Begeisterung hervor gerufen haben...
Keine Ahnung. Jetzt müssen wir erstmal schauen, was daheim überhaupt los ist. Es wird schon von einem Rummel gesprochen, aber wir haben ja gar nicht mitgekriegt, was daheim los ist. Wenn ein Boom entsteht, dann müssen wir ihn natürlich irgendwie ausnützen und die Kids weiter beim Basketball behalten. Es würde mich freuen, wenn der Basketball in Deutschland wieder auflebt. Es wäre toll, wenn der Empfang herzlich und begeistert ist. Aber wenn alle Leute nur nach Nowitzki schreien, muss ich sagen: Ich bin nicht der einzige Star in der Mannschaft.
Was muss man tun, um einen zweiten Nowitzki zu entwickeln?
Ach, ich glaube Talente gibt es genug in Deutschland. Es muss halt nur Coaches geben, die sich die Zeit nehmen und die Kinder dann ausbilden. Die wirklich jeden Tag mit den Kids arbeiten wollen. Da habe ich Glück gehabt, dass ich den Holger (Holger Geschwindner, seinen Entdecker, persönlichen Trainer und Berater; d. Red.) getroffen habe mit 16 Jahren. Ohne ihn wäre ich mit Sicherheit nicht da, wo ich jetzt bin.
Jeder erwartet von Ihnen, dass Sie in jedem Spiel 30 Punkte und mehr erzielen. Wie halten Sie diesem Erwartungsdruck stand?
Dafür kriege ich auch in der Verteidigung meistens die schwächeren Leute, nicht um mich da auszuruhen, aber schon, um mich etwas zu entlasten. In der Defensive übernimmt dafür Ademola Okulaja die besten Spieler des Gegners.
Welchen Anteil am Erfolg des deutschen Teams hat das Trainer-Triumvirat Dettmann, Blackman und Prigge?
Den Trainern gehört der Erfolg genauso gut wie uns. Ohne diese Drei wären wir jetzt nicht hier. Sie passen einfach gut zusammen, die Chemie stimmt zwischen ihnen und der Mannschaft.
Und was kann Holger Geschwindner während der Spiele für Sie persönlich tun?
Er ist ja meistens in der Halle anwesend, seit ich 16, 17 Jahre alt bin. Das sind einfach kleine Tipps, die er mir während des Spiels gibt. Das kann ich normalerweise auch gut umsetzen, nur in der Partie gegen die Türkei hat es nicht so gut funktioniert.
Das deutsche Team hat sich hier in der Türkei für die Weltmeisterschaft im kommenden Jahr in Indianapolis qualifiziert. Wird Bundestrainer Henrik Dettmann auch dort auf Sie setzen können?
Ja klar, eine WM im Mutterland des Basketballs, das wird eine Riesensache. Ich hoffe, dass wir da sehr gut abschneiden. Wenn bei mir keine Verletzungen dazwischen kommen, gehe ich davon aus, dass ich dabei bin. Die WM-Qualifikation war ja unser Ziel, und das haben wir geschafft.
Aber Sie träumen auch den olympischen Traum.
Das ist wahr. Die Olympischen Spiele in Athen sind mein Traum. Sydney haben wir ja leider verpasst, aber jetzt werden wir alles tun, um nach Athen zu kommen.
Sie sind ohne College-Erfahrung, ohne Spielerfahrungen in einer europäischen Spitzenmannschaft direkt in die nordamerikanische Basketball-Profiliga NBA gewechselt. Diesen enormen Sprung hat man Ihnen vor drei Jahren nicht zugetraut.
Dallas hatte ein junges Team, sie haben mir die Chance gegeben, ich hatte viel Spielzeit. Das hat mir den Einstieg in die NBA enorm erleichtert.
Was haben Sie sich für die kommende NBA-Saison vorgenommen?
Für uns kann das Ziel immer nur Play-offs heißen. Wir haben letztes Jahr einen Riesenschritt nach vorne gemacht, und jetzt wollen wir natürlich noch einen Schritt weiter gehen. Das ist vielleicht der Einzug in die Western Conference Finals, wenn das möglich wäre. Mein persönliches Ziel ist es, der Mannschaft zu helfen, die Play-offs zu erreichen.
Im nächsten Jahr sind Sie ein sogenannter Free Agent, Sie haben Millionen Dollar-Angebote auch anderer Teams. Wo spielen Sie in Zukunft?
Geld ist für mich nicht so wichtig. Natürlich ist es schön zu wissen, sich darüber nie mehr Gedanken machen zu müssen. Aber eigentlich gibt es für mich keinen Grund, Dallas zu verlassen. Wir haben ein Team mit Zukunft, einen fantastischen Klubbesitzer und ich fühle mich dort wohl. Ich lasse das in Ruhe auf mich zukommen und entscheide dann. Aber gut möglich, dass ich bei den Mavericks bleibe, die mir bestimmt auch ein gutes Angebot unterbreiten werden.
Gegen die Türkei haben Sie vor 10.500 euphorisierten Zuschauern gespielt. Haben Sie solche Verhältnisse in der NBA schon einmal erlebt?
Nein, so verrückt noch nicht. Dass die Zuschauer 40 Minuten lang rumspringen und kreischen, das gibt es in Amerika nicht.