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Interview Biathlon-Olympiasiegerin Kati Wilhelm: „Wir behalten die Nerven“

 ·  Doppelsieg im Biathlon-Sprint: Kati Wilhelm und Uschi Disl über die unerwartet erfolgreichen Deutschen im FAZ.NET-Doppel-Interview.

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Nach einer enttäuschenden Saison beherrschen die deutschen Biathleten die Wettbewerbe bei den Olympischen Winterspielen in Salt Lake City. Nach Gold über 20 km durch Andrea Henkel siegte die 25-Jährige Kati Wilhelm bei ihrem Olympia-Debüt vor Routinier Uschi Disl und der favorisierten Schwedin Magdalena Forsberg im 7,5 km-Sprint. Frank Luck (20 km) und Sven Fischer (10-km-Sprint) verbesserten die deutsche Bilanz mit zwei weiteren Silbermedaillen.

Im FAZ.NET-Doppel-Interview erklärt Kati Wilhelm das Erfolgsgeheimnis der deutschen Skijäger und die 31 Jahre alte Uschi Disl verrät, wie lange sie ihre erfolgreiche Karriere nach ihren vierten Olympischen Winterspielen noch fortsetzen will.

Kati Wilhelm Sie sind als einzige Spitzenläuferin beim Schießen fehlerfrei geblieben. Wie bewerten sie diese Leistung in einem olympischen Rennen?

Kati Wilhelm: Das war das Schießen meines Lebens. Das war wirklich großartig, bei solch einem riesigen Wettkampf null Fehler zu schießen. Und ich bin wahnsinnig glücklich darüber.

Uschi Disl Sie haben Ihre siebte Medaille bei Olympischen Spielen gewonnen. Sind Sie traurig, dass es Silber ist?

Uschi Disl: Nein, ich bin sehr zufrieden, weil ich eine Strafrunde geschossen habe und da habe ich schon gar nicht mehr damit gerechnet, dass es eine Medaille wird. Mein Traum von einer Medaille ist in Erfüllung gegangen.

Was ging Ihnen durch den Kopf, als Sie den Fehler realisiert haben?

Uschi Disl: Ich war im ersten Moment sehr enttäuscht, weil ich gedacht habe, dass die Medaille dahin wäre. Aber als ich aus dem Schießstand herausgelaufen bin, hat mir mein Trainer gesagt, dass ich auf der zweiten Position liege.

Wie haben Sie trainiert, um beim Saisonhöhepunkt so gut zu schießen? In der Weltcupsaison sind die deutschen Biathletinnen ja oft an Schießfehlern gescheitert.

Kati Wilhelm: Gerade ich habe viel trainiert, weil ich ja einige Probleme hatte. Liegend habe ich mich sehr konzentriert, viel geübt und auch etwas am Gewehr verändert. Ich wusste, dass ich hier gut zurechtkomme, weil ich im Training schon gute Schießergebnisse gebracht habe. Ich wusste, dass ich es einfach immer so machen muss wie im Training. Es ist auch eine Kopfsache.

Was haben Sie an ihrem Gewehr verändert?

Kati Wilhelm: Wir haben schon im Sommer etwas am Schaft verändert, damit der Anschlag stabiler wird. Man sieht, es hat sich gelohnt, das liegend Schießen ist schon sehr stabil geworden.

Sie haben gesagt, es ist auch eine Kopfsache, bei Olympia zu gewinnen. Normalerweise tritt ein Sportler ja eher bei unwichtigen Wettkämpfen befreit auf und steht bei Olympia mehr unter Druck. Bei den deutschen Biathletinnen scheint es umgedreht zu sein. Haben sie sich mental besonders intensiv vorbereitet?

Kati Wilhelm: Nein, wir haben nichts anders gemacht, wir haben auch nicht mit Psychologen zusammen gearbeitet. Wir haben uns konzentriert und vielleicht können wir das bei Olympischen Spielen besser.

Sie sind als Sprint-Weltmeisterin nach Salt Lake City gekommen, haben Sie damit gerechnet auch Sprint-Olympiasiegerin zu werden?

Kati Wilhelm: Nein, ich habe nicht damit gerechnet. Ich habe gehofft, dass ich vielleicht um eine Medaille mitkämpfen kann. Das wäre schon großartig gewesen. Der Druck war größer als letztes Jahr, als mich noch niemand gekannt hat. Als Weltmeisterin ins Rennen zu gehen, das war schon eine größere Anspannung. Aber ich habe versucht, mich nicht verrückt machen zu lassen.

Sie haben gesagt, es war das Schießen ihres Lebens. Nach dem Ziel lagen Sie lange erschöpft im Schnee, war es auch der Lauf ihres Lebens?

Kati Wilhelm: Ich war sicherlich nicht langsam auf der Strecke, es war wahnsinnig anstrengend. Auf der Zielgeraden kam dann noch der Spurt mit Andrea Henkel, der hat noch einmal ganz schön Kraft gekostet. Ich war wahnsinnig kaputt.

Mit dem Sieg im Sprint haben Sie die beste Ausgangsposition für die Verfolgung. Welche Hoffnungen setzen Sie in dieses Rennen?

Kati Wilhelm: Darüber mache ich mir noch keine Gedanken. Ich habe jetzt eine Goldmedaille und die kann mir keiner mehr wegnehmen.

Werden Sie diesen Doppelsieg ausgiebig feiern?

Uschi Disl: Wir werden mit Sicherheit noch nicht so viel feiern, denn wir haben noch zwei Wettkämpfe vor uns. Aber wir haben am 18. Februar schon unseren letzten Wettkampf und wir fliegen erst am 26. heim. In der Zeit werden wir sicher noch ein oder zwei Tage zum Feiern finden.

Die deutschen Biathleten haben in den ersten vier Rennen zwei Siege und fünf Medaillen geholt. Wie erklären Sie sich diesen unerwarteten Erfolg?

Kati Wilhelm: Wir haben in den zwei Wochen vor den Olympischen Spielen wahnsinnig gut in Silverstar in Kanada auf der gleichen Höhe trainiert. Ich denke, dass wir gerade zu den großen Wettkämpfen einfach die Nerven behalten und fit sind.

Uschi Disl, die Winterspiele in Salt Lake City sind bereits ihre vierten, sie zeigen keinerlei Ermüdungserscheinungen, wie lange werden Sie noch weitermachen?

Uschi Disl: Ich werde auf jeden Fall noch ein Jahr weitermachen. Dass ich noch einmal zu Olympischen Spielen fahre, glaube ich nicht, denn ich möchte ja auch irgendwann einmal eine Familie haben. Ich lasse mich überraschen. Solange es mir noch Spaß macht, mache ich weiter. Im Moment habe ich noch nicht abgeschlossen mit Biathlon.

Das Gespräch führte Cai Philippsen, Soldier Hollow

Quelle: @phi
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