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Im Gespräch: Sportstudio-Moderator Steinbrecher „Man soll gehen, wenn es am schönsten ist“

Seit 1992 moderiert der 47 Jahre alte Fernsehjournalist die einstige Vorzeigesendung des ZDF. Ende August wird er vom Sportstudio Abschied nehmen. Im Interview spricht er über den Sport als Unterhaltungsware, die Kritik am Sportstudio und seinen Ausstieg.

© picture-alliance/ dpa Vergrößern Gibt das Mikrofon ab: Michael Steinbrecher verabschiedet sich vom ZDF-Sportstudio

Nach über zwanzig Jahren und rund 330 Sendungen hören Sie als Moderator im „Aktuellen Sportstudio“ auf, warum?

Von der ZDF-Medienforschung wird alle zwei, drei Jahre eine Untersuchung bei einem Institut in Auftrag gegeben, das unsere Sendung aber auch die Moderatoren aus Zuschauersicht genau unter die Lupe nimmt. Ich habe mich noch nie so gefreut über ein Profil wie in dieser Untersuchung zu Anfang des Jahres. Einige Wochen später hat Dieter Kürten, der mich 1992 in die Sendung geholt hat, zu der Jubiläumssendung  50 Jahre Sportstudio zugesagt. Ich dachte, es wäre eine schöne Abrundung, diese Sendung mit ihm zu erleben und dann Ende August meine Arbeit im Sportstudio komplett zu beenden. Man sagt ja: man soll gehen, wenn es am schönsten ist.

Wenn man Kritiken nach Ihren ersten Sendungen nachliest, hieß es damals, das Sportstudio habe einen jungen Moderator, der Herz und Verstand für den Sport besitzt. Sind das heute noch Kriterien, nach denen man einen Moderator aussuchen würde?

In zwanzig Jahren müssen sich Kriterien verändern, auch weil der Sport sich verändert hat. Auch die Einstellung zum Sport hat sich verändert. Spätestens nach den Doping-Skandalen im Radsport kann kein Journalist mehr daran vorbei, dass es flächendeckendes Doping und entsprechende Netzwerke gibt. Leidenschaft, Neugier, Sachorientierung und kritisches Nachhaken müssen immer dazugehören.

Der Sport, für den ARD und ZDF viel Geld bezahlen, wird doch immer stärker als Unterhaltung präsentiert – das steht im ziemlichen Gegensatz zu den Kriterien, die Sie sich wünschen.

Man muss da schon die verschiedenen Formate unterscheiden, aber bleiben wir beim „Sportstudio“. Welche Sendung gibt es schon fünfzig Jahre? Welche Sendung hat solche Identifikationselemente wie die Musik oder die Torwand? Diese Elemente zeigen aber auch schon das Profil an. Das Sportstudio als Liveformat muss immer die Balance halten zwischen Unterhaltung und journalistischem Anspruch. Diesem Anspruch muss auch der Moderator gerecht werden. Aber einen Sendeplatz für hintergründige Sportberichterstattung gibt es nicht. Jeder in der Redaktion würde sich eine Nachfolge für den legendären „Sportspiegel“ wünschen – auch wenn eine solche Sendung nicht ansatzweise an die Reichweite eines Livespiels heranreichen würde.

In den vergangenen Jahren dürfte die anspruchsvollste Sendung diejenige über Gewalt im Fußball und die Ultraszene gewesen sein. Warum so was nicht öfter – und stattdessen immer Bundesliga?

Das betrifft auch die Frage, wo das Sportstudio derzeit strukturell steht. Durch das Abendspiel der Bundesliga haben wir ein exklusives Angebot. Das wird sehr geschätzt, der Marktanteil ist signifikant gestiegen, wir haben deutlich über zwei Millionen Zuschauer. Aber: Durch die vertraglichen Rahmenbedingungen ist eine Mindestdauer für das Abendspiel festgelegt, zudem eine Mindestdauer für die anderen Spiele – und auch die zweite Liga. Das bedeutet, dass die Flexibilität für einen zweiten Gast, für eine andere Sportart, für eine große Diskussionsrunde enger geworden ist. Ich gebe Ihnen recht: Das Sportstudio braucht diese Akzente. Seitdem hatten wir auch ein 35-minütiges Interview mit Tyler Hamilton über Doping und sein Verhältnis zu Lance Armstrong. Diese Sendungen sind sehr wichtig. Wir sollten sie häufiger ins Programm bringen. Solche Sendungen, wie über Gewalt im Fußball, müssen sein - das ist das Sportstudio. Diese Tradition muss fortgesetzt werden.

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