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Im Gespräch: DFB-Generalsekratär Niersbach „Fehlverhalten darf nie lange unerkannt bleiben“

17.02.2010 ·  Der Fall Amerell und die Turbulenzen um die vorerst gescheiterte Vertragsverlängerung von Bundestrainer Löw - beim DFB geht es seit Wochen rund wie lange nicht. Im Interview spricht Generalsekretär Wolfgang Niersbach über die Fehler des Verbands.

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der Fall Amerell (siehe: DFB: Zerrüttete Verhältnisse im Männerbund) und die Turbulenzen um die vorerst gescheiterte Vertragsverlängerung von Bundestrainer Löw (siehe: DFB-Machtkampf: Fragezeichen nach dem Friedenskonvent) - beim DFB geht es seit Wochen rund wie lange nicht. Im Interview spricht Generalsekretär Wolfgang Niersbach über die Fehler des Verbands.

Die tollen Tage des Karnevals sind vorbei, die tollen Tage beim Deutschen Fußball-Bund (DFB) auch, oder leidet der Verband weiter an akuter Formschwäche?

Wir wissen nie, was am nächsten Wochenende passieren kann und erleben das, was auch im richtigen Leben geschieht: dass durch bestimmte Ereignisse plötzlich der Eindruck entsteht, da laufe etwas aus dem Ruder. Wir haben den DFB nie als Insel der Selbstgerechten gesehen und sind nicht gegen Fehler gefeit. Es gibt aber auch Entwicklungen, auf die der DFB nur bedingt Einfluss hat. Wenn wir solche Fehler oder Verfehlungen erkennen, werden sie mit Nachdruck aufgearbeitet.

Wie haben Sie denn die Turbulenzen der vergangenen Tage und Monate erlebt?

Vor drei Monaten deuteten alle Daten und Fakten auf eines der erfolgreichsten Jahre in der DFB-Geschichte: Insgesamt standen fünf Europameistertitel zu Buche, die A-Mannschaft war direkt für die Weltmeisterschaft qualifiziert, wirtschaftlich war und ist alles in Ordnung. Dann hat uns der Tod Robert Enkes erschüttert, es kam der Wettskandal, dann folgten die Turbulenzen um die Verträge für Bundestrainer Löw und sein Team, als wir in guter Absicht klare Verhältnisse schaffen wollten. Und nun beschäftigt uns (. Der DFB ist natürlich nicht aus den Fugen geraten, aber wir haben einiges zu tun. In puncto Schiedsrichter fragen wir uns zum Beispiel, wie wir die Strukturen verändern können, um derartige Vorfälle zu vermeiden.

Wie soll das gehen gegenüber einer Gruppe, die manchmal den Eindruck einer geschlossenen Gesellschaft erweckt und wenig Transparenz nach außen vermittelt?

Wir haben dazu eine Kommission eingesetzt, die sich genau mit diesem strukturellen Problem auseinandersetzt. Ihr gehören Herbert Fandel sowie der zuständige DFB-Direktor Stefan Hans, unser Schiedsrichter-Abteilungsleiter Lutz Michael Fröhlich und als Vertreter der Liga Hellmut Krug an. Die entscheidende Fragestellung ist klar definiert: Wie kann das Schiedsrichterwesen transparenter gemacht werden, und wie können Abhängigkeitsverhältnisse verhindert werden? Wir können nicht jedes Fehlverhalten verhindern, aber es darf nie lange unerkannt bleiben.

Hat der DFB überhaupt die Möglichkeit, über diesen Fall mitzurichten?

Wenn der eine benotet und damit über Auf- und Abstieg eines Schiedsrichters mitentscheidet, ist das ein Verhältnis wie zwischen Lehrer und Schüler. Allerdings ist das Verfahren aus der Sicht des DFB abgeschlossen, weil Amerell von allen Ämtern im DFB und Süddeutschen Fußballverband zurückgetreten ist. Damit unterliegt er nicht mehr der Sportgerichtsbarkeit des DFB. Ob es möglicherweise zu Verfahren vor einem ordentlichen Gericht kommt, ist nicht abzusehen.

Noch in bester Erinnerung ist die zwischenzeitliche Eiszeit zwischen DFB-Spitze und dem Team um Bundestrainer Joachim Löw und Nationalmannschaftsmanager Oliver Bierhoff rund um die wegen teils maßloser Forderungen vorerst gescheiterten Verlängerungen der Verträge. Wie konnte es nur so weit kommen?

Wenn die Kommunikation selbst bei schwierigen Themen nicht weitergeführt wird, ist es einfach schlecht. Da müssen sich beide Seiten Vorwürfe machen. Jeder hat sich inzwischen von seiner Position weg und hin zur Mitte bewegt. Ich habe jedoch keine Bedenken, dass es bis zur WM in Südafrika zwischen allen Beteiligten vertrauensvoll weitergeht. Nebenschauplätze können wir bei der Fülle von Aufgaben, die wir bis dahin zu bewältigen haben, nicht mehr gebrauchen.

Werden Sie nach der WM mit Löw verlängern, und was ist mit dem wegen seiner überzogenen Forderungen jetzt schon als Verlierer dastehenden Bierhoff?

Joachim Löw genießt hohe Anerkennung beim DFB. Wir wissen aber alle aus Erfahrung, was bei großen Turnieren passieren kann. Ich denke nur an die Europameisterschaft 2004 in Portugal, als Rudi Völler trotz eines Vertrages bis 2006 unverhofft für uns alle nach dem Ausscheiden nach der Gruppenphase zurücktrat. Wir sind mit der unklaren Vertragssituation beim Bundestrainer Jürgen Klinsmann – macht er weiter oder nicht? – in die WM 2006 gegangen. Mit anderen Worten: Wir haben da schon alles Mögliche erlebt. Wie immer die WM ausgeht, wir brauchen danach schnell klare Verhältnisse, weil am 11. August das nächste Länderspiel gegen Dänemark und dann die Qualifikation für die EM 2012 ansteht. Zu Oliver Bierhoff: Er hat hervorragende Arbeit geleistet. Ich finde nach wie vor, dass Löw und Bierhoff mit Hansi Flick und Andy Köpke ein gutes Team bilden. Doch über Verträge sprechen wir erst nach der WM.

Das Gespräch führte Roland Zorn.

Quelle: F.A.Z.
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