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HSV-Kommentar Neue Hamburger Bescheidenheit

25.05.2010 ·  Allen Führungskräften beim HSV muss es um die Sache und nicht mehr um Persönliches gehen. Eitle Selbstdarsteller hatten sie in Hamburg genug - Veh und Reinhardt stehen nicht für diese Spezies. Kein schlechtes Zeichen für einen Neuanfang.

Von Roland Zorn
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Dass der Hamburger SV vorerst aus dem Mittelmaß heraus den Weg zurück nach oben finden muss, merkt man. Der norddeutsche Bundesliga-Dino, der in der Vergangenheit gern große oder zumindest verheißungsvolle Namen präsentierte, wenn es um die Besetzung wichtiger Stellen in der Mannschaft oder auf der Trainerbank ging, übt sich in einer neuen Art von Bescheidenheit. Armin Veh als Trainer und Bastian Reinhardt als Sportdirektor zu verpflichten, verspricht erst einmal keine spektakulären Schlagzeilen und aufsehenerregenden Geschichten. Vielleicht braucht der Klub aber auch eine schöpferische Erholungspause nach all den gescheiterten Projekten und geplatzten Sehnsüchten der abgelaufenen Saison. Wer nach Stammplatzjahren im europäischen Wettbewerb das internationale Ziel verfehlt, einen Trainerverschleiß wie kaum jemand sonst im nationalen Spitzenfußball hinter sich und fast ein Jahr vergeblich nach einem Nachfolger des erfolgreichen früheren Managers Dietmar Beiersdorfer gefahndet hat, sucht irgendwann neuen Halt in der vermeintlichen Solidität.

Zweifellos gehört Veh zu den gestandenen Fußballlehrern hierzulande. Auch sein Meistercoup mit dem VfB Stuttgart aus dem Jahr 2007 ist noch in guter Erinnerung. Genauso aber auch sein Scheitern an der zugegeben kaum zu lösenden Aufgabe, in Wolfsburg den Meistertrainer Felix Magath ohne großen Reibungsverlust zu ersetzen. In Hamburg kann Veh zumindest ohne Hypothek frisch ans Werk gehen, war doch sein Vorgänger Bruno Labbadia nach starkem Beginn seiner Aufgabe schließlich nicht mehr gewachsen. Mit Veh kommt ein hochanständiger Fußballfachmann an die Elbe, der aber viel Fortüne braucht mit einem Team, das zuletzt nicht eben homogen anmutete.

Eitle Selbstdarsteller hatten sie in Hamburg genug

Reinhardt ist als Sportdirektor noch ein Anfänger. Das waren aber auch die Besten in diesem Job irgendwann einmal. Insofern gebührt dem Mecklenburger eine faire Chance. Was den früheren Abwehrrecken immer ausgezeichnet hat, war seine Mannschaftsdienlichkeit auch in führender Position. Reinhardt ist charakterstark und ein Profi, mit dem sich die Fans identifizieren konnten. Ob er auch schlitzohrig und bauernschlau genug ist, die Interessen des HSV im Gezerre um begehrte Spieler wirksam zu vertreten, wird sich zeigen.

Für den neuen Manager spricht seine Fähigkeit, zuhören zu können und dazulernen zu wollen. Reinhardt wird sein Integrationstalent in diesem Klub mit einem cleveren Vorstandsvorsitzenden, einem neuen Coach, der auch schon einmal Sportdirektor war, und einem Chefscout Urs Siegenthaler, der Reinhardts Job gern gehabt hätte, bald beweisen müssen. Will der HSV wieder nach vorn kommen, muss es allen Führungskräften dieses Traditionsvereins ab sofort nur noch um die Sache und nicht mehr um Persönliches gehen. Eitle Selbstdarsteller hatten sie in Hamburg genug – Veh und Reinhardt stehen zumindest nicht für diese Spezies. Kein schlechtes Zeichen für den Neuanfang beim HSV.

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