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Hoyzer-Prozeß „So Dicker, jetzt bist Du mein Mann“

01.11.2005 ·  Robert Hoyzer hat im Fußball- und Wettprozeß Mitangeklagte und weitere angeblich Beteiligte belastet und sich selbst nur als ein Rädchen einer Manipulations-Maschinerie der Brüder Sapina dargestellt.

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Robert Hoyzer hat im Fußball- und Wettprozeß Mitangeklagte und weitere angeblich Beteiligte belastet und sich selbst nur als ein Rädchen einer Manipulations-Maschinerie der Brüder Sapina dargestellt.

Im fünften Verhandlungstag vor dem Landgericht Berlin erläuterte der Skandal-Schiedsrichter, dem wegen „gewerbs- und bandenmäßigen Betrugs“ eine Haftstrafe von ein bis zehn Jahren droht, am Dienstag neben seiner eigenen Rolle bei der Beeinflussung von Spielen auch ausführlich die Verstrickung anderer Personen.

Hoyzer: Die Brüder wußten Bescheid

Hoyzer sagte aus, daß neben Ante die ebenfalls angeklagten Brüder Filip und Milan Sapina spätestens nach dem Spiel Braunschweig gegen St. Pauli am 5. Juni 2004 über die Manipulationen Bescheid gewußt hätten. Nach seiner ersten, mißlungenen Manipulation bei der Regionalliga-Partie Paderborn gegen Chemnitz am 22. Mai habe er sowohl den Linienrichter Felix Zwayer als auch seinen Schiedsrichter-Kollegen Dominik Marks in den Betrugsversuch eingeweiht, sagte Hoyzer am Dienstag vor der 12. Strafkammer. Beide hätten später zumindest indirekt signalisiert, daß sie sich eine Beteiligung an weiteren Beeinflussungen vorstellen könnten.

Der ehemalige Bundesliga-Profi Steffen Karl, dem von der Staatsanwaltschaft fünf Vergehen konkret vorgeworfen werden, sei „sehr vertraulich und freundschaftlich“ mit dem Hauptbeschuldigten Ante Sapina verbunden gewesen, sagte Hoyzer. Zudem habe er erfahren, daß auch Sapina-Cousin und Referee Tomislav Cirko durch Provisionen für eine „Anheuerung“ des Schiedsrichter-Kollegens an den Wettgewinnen beteiligt worden sei. Regungslos verfolgten auf der Anklagebank Marks und Karl die detaillierten Ausführungen von Hoyzer.

Anschuldigungen gegen Marks

Auch vom Dresdner Dynamo-Spielern Ignjac Kresic und vom Chemnitzer Markus Ahlf will Hoyzer von Sapina in Zusammenhang mit Manipulationen gehört haben. Marks soll sich mit Ante Sapina persönlich getroffen und dabei Interesse an einer Betrugs-Beteiligung gezeigt haben. Zudem sei seiner Meinung nach auch die Regionalliga-Partie Schalke 04 Amateure gegen Paderborn (2:4) am 5. Juni 2004 beeinflußt worden, da Ante Sapina bei diesem Spiel persönlich vor Ort war, bemerkte Hoyzer. Mit einem Sieg am letzten Spieltag hätte Schalke die Klasse gehalten. Schiedsrichter Späker aus Marl leitete die Partie.

Nachdem Ante Sapina ein Wettgewinn von 215.000 Euro durch die Lappen gegangen sein soll, als Hoyzer beim Spiel Paderborn gegen Chemnitz den getippten Halbzeitstand nicht herstellen konnte, weil seine Assistentin Inka Müller eine Fehlentscheidung korrigierte, wolle der Ex-Referee nach eigener Darstellung auf Nummer sicher gehen. Für das Spiel Wuppertal gegen die Amateure von Werder Bremen will er von Sapina neben dem eigenen 3000-Euro-Honorar noch 300 Euro zusätzlich für Assistent Zwayer bekommen haben. „Ich wollte ohnehin anbieten, Zwayer mit ins Boot zu holen“, erklärte Hoyzer. Zwar soll Zwayer, gegen den ein staatsanwaltschaftliches Verfahren in der Vorwoche wegen geringer Schuld eingestellt wurde, laut Hoyzer soweit sein Okay für eine Unterstützung der Manipulation gegeben haben. Ob die 300 Euro aber auch an Zwayer geflossen sind, sagte Hoyzer nicht.

Eine Retour-Kutsche?

Der Berliner Zwayer, der jetzt wieder auf der offiziellen DFB-Schiedsrichterliste steht, hatte mit einer Anzeige beim Deutschen Fußball-Bund (DFB) die Aufdeckung des Skandals mit ins Rollen gebracht. Prozeß-Beobachter vermuten in den belastenden Aussagen Hoyzers auch eine „Retour-Kutsche“. Um die zweite Chance bei der Partie Wuppertal - Werder (A) habe er entgegen der Darstellung von Ante Sapina zwar nicht gebettelt, betonte Hoyzer.

Er habe sich über die erste gelungene „Absprache“ aber schon gefreut. Von Sapina habe er eine SMS erhalten: „So Dicker, jetzt bist du mein Mann.“ Schon im nächsten Spiel Braunschweig gegen St. Pauli am 5. Juni griff Hoyzer geballt in den Spielausgang ein. Hamburger „Tore entgegen der Verabredung“ mit Sapina habe er aus „völlig erfundenen Gründen“ nicht anerkannt. Als Belohnung kassiert Hoyzer 8000 Euro und einen Plasmafernseher für 3620 Euro.

Quelle: FAZ.NET mit Material von dpa
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