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Hoffenheim-Kommentar Prinzip Hoffnung

 ·  Das Spiel zwischen Hoffenheim und Augsburg wurde trotz des schweren Unfalls von Boris Vukcevic ausgetragen. Das war die richtige Entscheidung. Vor allem für seine Mitspieler.

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© dpa Alle für einen: Andreas Beck (M.) und die anderen Hoffenheimer Spieler tragen Trikots des verunglückten Mitspielers Boris Vukcevic

Es wirkte zunächst grotesk, dass die Mannschaften der TSG Hoffenheim und des FC Augsburg am Samstag zu einem Bundesligaspiel antraten. Nur 26 Stunden vor dem Anpfiff war der Hoffenheimer Stürmer Boris Vukcevic mit seinem Auto so schwer verunglückt, dass auch am Sonntag noch keine zuverlässige oder gar optimistische Prognose zu seiner Gesundheit möglich war.

Die Minuskulisse im halbleeren Sinsheimer Stadion kann als Indiz dafür gewertet werden, dass das Publikum unter den tragischen Umständen der Partie wenig Lust auf Fußball verspürte. Und auch Hoffenheims Manager Andreas Müller tat kund, dass er sofort an eine Spielabsage gedacht hatte, als er die schreckliche Nachricht erhalten hatte. Er ließ sich jedoch von der Bitte von Boris Vukcevics Eltern und schlüssigen Argumenten vom Gegenteil überzeugen. Denn es war tatsächlich die richtige Entscheidung der Hoffenheimer Vereinsführung und des Teams, am Samstag zu spielen – vornehmlich für die Spieler, die persönlich am tiefsten betroffen sind vom Unfall ihres Berufskollegen und Sportskameraden.

Der Hoffenheimer Kapitän Marvin Compper brachte das in bemerkenswerten Worten zum Ausdruck, die eines Spielführers würdig waren. „Wir haben das getan, was wir alle und auch Boris lieben“, sagte Compper. Seine Mannschaft habe die Hoffnung, dass sie durch ihren Wettstreit um den in diesen Tagen so unwichtigen Fußball den Kampf ihres Kameraden unterstützen könne.

Das mag aus medizinischer Sicht naiv sein, aus menschlicher Sicht ist es allzu verständlich. Wenigstens in den 90 Minuten, in denen der Ball rollte, war den Spielern am Samstag Erleichterung vergönnt im Umgang mit dem Schicksal ihres Gefährten. Das darf nicht zu gering geschätzt werden.

Unwichtigste Nebensache der Welt

Das torlose Unentschieden war zudem das richtige Ergebnis, um gar nicht erst in die Verlegenheit zu kommen, dass an diesem Tag im Hoffenheimer Stadion Jubel aufkommen könnte. Zu keiner Sekunde des Spiels stand in Frage, dass die Begegnung an diesem Tag die unwichtigste Nebensache der Welt war. So war der beste Rahmen geschaffen, dass am Samstag nicht das durch das Attentat auf die israelischen Olympioniken von 1972 historisch belastete Motto „The Games must go on“ galt.

Stattdessen schuf sich in demütiger Atmosphäre das „Prinzip Hoffnung“ Raum. Fußball und Sport haben eben im Grunde auch den Sinn, Hoffnung zu spenden in einer Welt, in der es nicht immer um letztlich so bedeutungslose Dinge wie Sieg oder Niederlage geht. Am Samstag hat der Fußball auch Demut gelehrt. Es ist zu wünschen, dass ein wenig davon über den Spieltag hinaus bewahrt wird.

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Jahrgang 1973, Sportredakteur.

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