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Hockey-EM Spanier feiern einen Holländer, Deutschland Dritter

04.09.2005 ·  Spanien hat sich bei der Feldhockey-EM in Leipzig den Titel gesichert. Im Finale setzten sich die Iberer 4:2 gegen die Niederlande durch. Das deutsche Team sicherte sich im „kleinen Finale“ durch ein 9:1 über Belgien Platz drei.

Von Hans-Joachim Leyenberg
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Am Ende wurde ein Holländer von glückseligen Spaniern auf Händen getragen: Maurits Hendriks, der Trainer des neuen Hockey-Europameisters. Mit einiger Verbitterung werden die im Endspiel mit 2:4 unterlegenen Niederländer registriert haben, daß der Triumph der Iberer mit holländischen Entwicklungshelfern zustande gekommen ist: Während Hendriks schon im fünften Jahr im Südwesten Europas wirkt, hat er sich mit Landsmann Martijn Drijver erst in diesem Sommer einen Teilzeittorwarttrainer an seine Seite geholt.

Drijver ist ansonsten im holländischen Ligaalltag mit der Herrenmannschaft von Den Haag beschäftigt. Für Spanien war der am Sonntag in Leipzig errungene kontinentale Titel der zweite nach 1975. Sie haben somit gleichgezogen mit den Holländern, die auch erst zweimal die höchste europäische Stufe (1983 und 1987) erklimmen konnten. So bleiben die deutschen Hockeyspieler mit insgesamt sechs Europameistertiteln das Maß aller Dinge, auch wenn sie "ihr" Turnier in Leipzig "nur" auf dem dritten Platz abschlossen.

Drei eklatante Fehlentscheidungen

Sie haben in der Leipziger Woche am Ende nur gegen den späteren Europameister Spanien verloren, was ein schwacher Trost gewesen sein mag. Am Finaltag spielte der Titelverteidiger in der Partie um Platz drei beim 9:1 über Belgien wie entfesselt auf. Am Samstag war der Frust noch groß über das rund vierzig Sekunden vor der Schlußsirene per Strafecke besiegelte 2:3. Dabei hatte sich das deutsche Team nach dem frühen 0:2-Rückstand beim zwischenzeitlichen 2:2 bestens erholt gezeigt, überließ dann aber die Initiative abermals den Spaniern. So manches, was danach von Siegern und Besiegten gesagt wurde, klang auch nach dem Finale am Sonntag an. Mit Spanien sei das Team belohnt worden, daß am meisten riskiert habe, machte sich Hendriks für sein Team stark. Und abermals wurden Strafeckenentscheidungen der Schiedsrichter thematisiert. Dieses Mal von den Niederländern. Am Vortag war es Bundestrainer Bernhard Peters, der von drei eklatanten Fehlentscheidungen sprach und seinen spontanen Eindruck durch das abendliche Videostudium der entsprechenden Spielszenen bestätigt sah.

Sein Fazit: Erstklassige Spieler seien Unparteiischen der dritten, vierten Garnitur ausgeliefert. Wenigstens bei der WM im September nächsten Jahres in Mönchengladbach sei dieses Dilemma vom Tisch, weil der internationale Verband eine größere und bessere Auswahl an Spielleitern an der Hand habe. Und die mögliche Steigerung seiner Auswahl nach den nach den Olympischen Spielen in Athen fälligen personellen Umbauarbeiten? Peters sieht "Luft nach oben", und sein Kapitän Timo Wess ließ "Lust auf oben" erkennen. "Wir betreiben keine Hexerei", erläuterte Peters seine momentane Arbeitsplatzbeschreibung.

Peters dringt auf Hockey im Akkord

Nach den Abgängen von einem halben Dutzend Bronzemedaillengewinnern sieht Peters an mehreren Fronten Handlungsbedarf: "Das Mittelfeld muß zulegen, die Eckenabwehr muß besser werden, wir müssen mehr Ecken rausholen." Die Offensive mit der Paradereihe Florian Keller, Matthias Witthaus und Christopher Zeller kam ungeschoren davon. Sie verzauberte zum Abschluß ein Publikum, das Zeuge einer Rarität wurde: Nach Strafecken stand es 11:0 für Belgien, aber die Treffer schlugen mit einer Ausnahme auf der anderen Seite ein. "Wir haben", rechnete Witthaus mit einigem Stolz vor, "im ganzen Turnier kein Feldtor kassiert." Und "gegen ein absolutes Topteam wie Spanien haben wir uns gut angestellt", sprach ein von Minute zu Minute milder gestimmter Peters.

Die Trainingspläne an jene, die nicht für Leipzig erwählt wurden, aber ebenfalls für Mönchengladbach ins Visier genommen werden, sind schon verschickt. Das "Dreamteam", wie es der Stadionsprecher am Sonntag nach neun Treffern nannte, bekommt eine kurze, schöpferische Pause. "Die Zeit wird knapp", dringt Peters auf Hockey im Akkord. Die Erkenntnis von Maurits Hendriks, wonach man aus Niederlagen am meisten lerne, zählt auch zu Peters Erfahrungsschatz. Darauf hätte das Ensemble zwar nur allzugern verzichtet, aber die Medaille für Rang drei sahen gerade die Youngster als dekorative Auszeichnung an. Peters baut auf deren Entwicklungspotential: "Was zählt, ist jetzt!" Damit ist bereist die Zukunft mit "vollen Programm" angesprochen: "Im Winter werden die Athleten gemacht." Eine Kampfansage a la Peters für den kommenden Sommer.

Quelle: F.A.Z. vom 5. September 2005
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Jahrgang 1943, Sportredakteur.

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